16 Erstes Buch. Einleitung.
in die Schranken tritt: der letzte unter den Welfen bis zum Falle der deutschen
Reichseinheit. Schlossen sie sich auch später dem Könige vorübergehend an,
ihr Hauptstreben war doch immer darauf gerichtet, sich eine unabhängige Stellung
inmitten des Reiches und aus demselben heraus zu verschaffen. —
1120 Welf W. starb frühzeitig, ehe er sein fünfzigstes Jahr erreicht hatte, zu Kaufring
in Oberbayern, und ward in der Stiftung seines Großoheims'"), in dem
Kloster Weingarten bei Altorf, begraben.
Ihm folgte sein Bruder Heinrich „der Schwarze“'#), der schon bei Welfs V.
Lebzeiten die italischen Besitzungen des Hauses verwaltet hatte. Er hatte
sich damals bereits Herzog genannt und, wie seine estischen Vorfahren, unter
lombardischem Rechte gelebt. Heinrich der Schwarze tritt in den Ereignissen
dieser Zeit wenig hervor. Doch war er sehr häufig in der Nähe des Kaisers
und scheint jedenfalls bedeutendes Ansehen genossen zu haben, da er in den
Urkundenbezeugungen unter den weltlichen Reichsfürsten stets als erster sich
unterzeichnen durfte. Heinrich erwarb durch seine Heirat mit Wulfhilde, der
Tochter des letzten Billunger Magnus, seinem Hause einen Teil der ausgedehnten
billungischen Eigengüter, namentlich Lüneburg und dessen Gebiet
— als erster seines bisher süddeutschen Geschlechtes erhielt er Besitzungen in
Sachsen. Er und seine Gemahlin sahen sich von einem blühenden Kreise von
Nachkommen umgeben; drei Söhne: Konrad, Heinrich und Welf, und vier
Töchter waren ihnen geboren. Von den Söhnen wurde Konrad Zisterziensermönch
und starb sehr jung, so daß nur Heinrich und Welf als Erben des Vaters
zurlickblieben. Heinrich der Schwarze war anfänglich dem fränkischen
Kaiserhause so ergeben, daß er sich der diesem verwandten Familie der
Staufer anschloß und sogar seine älteste Tochter Judith mit einem ihrer
damaligen Häupter, mit Friedrich II. dem Einäugigen, Herzog von Schwaben,
vermählte. Hier zum ersten Male also kamen die Häuser der Welfen.
und Staufer in gegenseitige Berührung, ein Verhältnis, das für beide
Familien und für ganz Deutschland die wichtigsten Folgen haben sollte!
Während das Geschlecht der Welfen sich mindestens bis zu Karl dem Großen
mit Sicherheit verfolgen läßt, tritt die staufische Familie erst in verhältnis-2)
Welfs III.
*%) An biser Stelle möge eine genauere Geschlechtstafel eingeschaltet werden:
Welf II. — Irmentrud v. Luxemburg
l
WelillLKunigunde—Azzoll.v.Este—Gatsendav.Maine
——
Judith — Welf IV. Folko Ugo — Helena v. Neapel
v. Northumberlandl Markgrafen v. Este
Mathilde — Welf V. Heinrich — Wurlfhilde
v. Tuszien. d. Schwarze v. Sachsen
Konrad Heinrich d. Stolze Welf VI. Judith Sophie Mathilde Wulfhilde.