Contents : Regierungs-Blatt für das Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach auf das Jahr 1862. (46)

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noch  zu  frisch  und  der  Glaube  an  deren  baldige
Wiederkehr  daher  natürlich.  Mit  dem  Weg  nach
London  und  dem  Verkauf  in  den  Auktionen  wurde
Zeit  gewonnen,  während  der  die  erwartete  Besserung
  eintreten  konnte.

Daß  diese  Erwartung  mitunter  stark  getäuscht
wurde,  hat  wenigstens  das  Gute  gehabt,  daß
man  nach  eingetretener  Besserung  der  Preise  sich
dem  lokalen  Markte  in  Ceylon  gegenüber  mehr
entgegenkommend  zeigte  und  ihn  so  mehr  alimentierte.


Es  ist  entschieden  eine  bedeutende  Entwicklung
des  Colombo-Marktes  zu  verzeichnen,  und  diese
ist  nicht  allein  vom  kaufmännischen  Standpunkte
aus  zu  begrüßen,  sondern  auch  im  Interesse  der
Pflanzer.  Die  Käufer  der  Plantagen-Gummis
sien  nicht  nur  in  England,  sondern  auch  in
Amerika  und  auf  dem  Kontinent,  und  die  Verteilung
  dieser  Ware  unter  die  Konsumenten
kann  selbstverständlich  durch  Colombo  viel  ökonomischer
  geschehen  als  durch  die  Londoner
Auktionen.

Bei  wildem  Kautschuk,  der  früher  mehr  als
jetzt  verfälscht  und  verunreinigt  wurde,  mag  eine
Zwischenstation  immerhin  am  Platze  sein  oder
gewesen  sein;  aber  bei  Plantagengummi  —
wenigstens  auf  Ceylon  —  kann  jede  Befürchtung,
eine  unreine  Ware  zu  erhalten,  wegfallen.  Es
wäre  daher  zu  wünschen,  daß  nur  solche  Posten
nach  England  gehen,  die  auch  in  diesem  Lande
konjumiert  werden.  Indessen  mögen  englische
Pflan  zungsgesellschaften  oder  Persönlichkeiten  durch
ihre  finanziellen  Arrangements  nach  wie  vor  gezwungen
  werden,  ihre  Produkte  in  die  Londoner
Auktionen  zu  senden,  Arrangements,  wie  sie  ja
auch  auf  anderen  Gebieten  bestehen  und  einen
Teil  der  Fesseln  bilden,  mit  denen  das  englische
Kapital  seinen  Handel  festhält.

Die  Hälfte  des  in  England
Gummis  wird  wieder  exportiert.

Die  heutige  Marktlage  und  die  Preisbildung
werden  natürlich  noch  durch  wilden  Kautschuk,
hauptsächlich  von  Para,  bedingt.  Die  Quantitäten,
welche  Plantagen  liefern  und  in  den  nächsten
Jahren  liefern  können,  sind  gegenüber  den  Massen,
die  sonst  zur  Verfügung  stehen,  noch  von  geringer
Bedeutung.

Für  die  Erkenntnis  der  Fortschritte,  welche
die  Ceylon-Pflanzer  in  der  Bearbeitung  der  Later
gemacht  haben,  war  die  Londoner  Ausstellung
von  großer  Bedeutung.  Schon  vorher  waren
vereinzelt  Muster  von  Ceylon  herübergekommen,
namentlich  von  „Block“,  die  große  Bewunderung
erregten,  und  das  Interesse  daran  hat  sich  jetzt
nach  der  Ausstellung  ganz  erheblich  gesteigert.
Leider  wird  es  noch  einige  Monate  dauern,  bis
Quantitäten  davon  zu  haben  sein  werden,  da  die

eingeführten

 

nötige  Maschinerie  erst  aufgestellt  werden  muß.
Inzwischen  hat  man  auch  schon  in  „Crépe“  eine
Form,  die  großen  Beifall  findet  und  in  ziemlichen
OQuanten  geliefert  werden  kann.  Der  Mangel  an
einer  möglichst  uniformen  Ware,  die  nicht  nur  in
Posten  von  wenigen  Kilos  zu  haben  war,  ist  ein
Mißstand  gewesen  und  ist  es  zum  Teil  noch,
ein  Mißstand,  der  direktes  Geschäft  von  Bedeutung
sehr  erschwerte.  Es  war  seither  häufig  unmöglich,
eine  Qualität,  die  ein  Fabrikant  geprüft  und
passend  gefunden  hatte,  auch  nachzuliefern.  Der
verdienstvolle  Herr  Bamber,  Regierungskommissar
  der  Londoner  Ausstellung,  wird  nicht  müde,
den  Pflanzern  von  der  Fabrikation  allzuvieler
verschiedener  Qualitäten  abzuraten.  Mit  der
Zeit  werden  sich  auch  diese  Verhältnisse  zurechtziehen
  und  Kontrakte  für  Posten  in  bestimmten
zuverlässigen  Sorten  möglich  sein.

Ein  ziemlicher  Teil  des  in  Colombo  gehandelten
  Kautschuks  besteht  aus  Waren  aus  der
Malayischen  Halbinsel  und  kommt  von  Plantagen,
  die  mit  Ceylon-Kapital  gegründet  worden
sind.  Qualitativ  unterscheiden  diese  sich  nicht  von
der  Ceylon-Ware,  obgleich  die  Bodenverhältnisse
in  den  östlichen  Produktionsgebieten  besser  sind
als  in  Ceylon.  Die  malayischen  Blocks,  die  in
London  ausgestellt  waren,  wurden  vielfach  als
zu  dick  bezeichnet.  —  Was  auch  immer  die  Fehler
bei  der  Fabrikation  von  solchen  Blocks  gewesen
sein  mögen,  die  zu  Tadel  Anlaß  gegeben  haben,
sie  werden  zweifelsohne  beseitigt  werden.

Angesichts  der  Vorgänge  in  Brasilien,  und  der
Bestrebungen,  den  natürlichen  Gang  des  Handels
zu  stören,  kann  unseren  Konsumenten  das  regste
Interesse  am  Plantagengummi  nicht  ernst  genug
empfohlen  werden.  Jeder  Pflanzer  wird  es  mit
Freuden  begrüßen,  über  die  Wünsche  der  Fabrikanten
  informiert  zu  werden.  Man  wird  sich
gern  belehren  lassen.  Einen  wichtigen  Punkt
möchte  ich  hier  speziell  hervorheben,  dessen  Aufklärung
  von  weittragender  Bedeutung  ist,  die
Frage,  ob  das  Trocknen  des  Gummis  im
Vakuum  oder  an  der  Luft  vorzunehmen  sei.  Eingehende
  Proben  mit  nach  jeder  der  beiden  Arten
hergestelltem  Kautschuk  sollten  interessante  Aufschlüsse
  geben.

Die  stetig  wachsende  Produktion  wird  naturgemäß
  dem  Colombo-Markte  im  neuen  Jahre
größeres  Geschäftsmaterial  bringen,  als  dem  verflossenen
  zur  Verfügung  stand,  und  ein  direkter
Verkehr  ohne  die  Intervention  von  London  wird
erleichtert  werden.

Die  Frage  der  Standard-Muster  als  Unterlagen
  für  diesen  Verkehr  erledigt  sich  nach  und
nach  von  selbst,  und  so  steht  zu  hoffen,  daß  wir
im  Jahre  1909  schon  ein  regelmäßiges  Geschäft
sehen  werden.