Full text : Heinrich der Löwe Herzog von Bayern und Sachsen.

Heinrich  in  Deutschland.  171

Oberherrschaft  über  einige  italienische  Provinzen  erhalten.  Den  Papst  sowohl
wie  den  Kaiser  hatte  er  sich  äußerst  günstig  gestimmt.  Von  jenem  war  er
durch  die  Bestätigung  Gerolds  gegen  den  Willen  Hartwichs  belohnt,  von
diesem  stand  ihm  eine  noch  wertvollere  Entschädigung  bevor.  Die  beschränktere,
  aber  sichrere  welfische  Politik  erntete  mehr  Früchte  aus  der  staufischwelfischen
  Allianz,  als  das  andere  Haus  mit  seinen  hochfliegenden  Plänen.

In  die  Nähe  von  Regensburg  berief  der  Kaiser,  der  noch  immer  Heinrich  Anf.  Okt.
den  Löwen  in  seinem  Gefolge  hatte,  den  Heinrich  Jasomirgott  von  Osterreich,
um  ihn  nochmals  zur  Abtretung  Bayerns  zu  bestimmen.  Aber  der  hartnäckige
  Babenberger  lehnte  jeden  Vergleich  ab.  Als  darauf  im  nördlichen
Bayern  an  der  Grenze  des  Böhmerwaldes  ein  anderer  Tag  über  diese  Angelegenheit
  festgesetzt  wurde,  schlug  der  Osterreicher  wiederum  seine  beliebte
Verschleppungspolitik  ein,  und  obwohl  sein  Bruder,  der  Bischof  Otto  von
Freising,  eine  Vermittlung  versuchte,  kam  man  doch  der  Lösung  der  Frage
keimen  Schritt  näher  und  trennte  sich  mit  feindlicher  Gesinnung").  Entschei-  Mitte
dender  wurde  der  Reichstag  zu  Regensburg,  der  bald  darauf  stattfand.  Zwar  Ortober
war  Hemrich  Jasomirgott  nicht  auf  ihm  erschienen,  wohl  aber  Heinrich  der
Löwes#),  der  nun  endlich  in  öffentlicher  Sitzung  vor  dem  kaiserlichen  Throne
sein  Herzogtum  zurückerhielt.  Die  bayrischen  Großen  mußten  dem  Herzoge
den  Lehenseid  leisten,  die  Bürger  der  bayerischen  Städte  ihm  sogar  zum
Unterpfande  ihrer  Treue  Geiseln  stellen"*"“).  Aber  war  auch  der  Welfe  so
vollständig  und  unwiderleglich  de  jure  Herzog  von  Bayern,  de  kacto  war  er
es  dadurch  noch  immer  nicht  geworden.  Hartnäckig  klammerte  sich  Heinrich
Jasomirgott  an  die  Herrschaft,  die  ihm  immer  mehr  aus  den  Händen  entwich;
nach  wie  vor  übte  er  Regierungshandlungen  auss).  Sein  Gegner,  Heinrich
der  Löwe,  glaubte,  einstweilen  mit  der  erneuten  Sicherstellung  seines  Rechtes
auf  Bayern  genug  getan  zu  haben,  und  wandte  sich  zunächst  den  sächsischen
Verhälltnissen  zu,  die  seine  Anwesenheit  dringend  erforderten.

Denn  auch  der  Entscheidung  des  Papstes  hatte  sich  der  stolze  und  eigensinnige
  Erzbischof  Hartwich  nicht  gefügt.  Als  der  durch  Heinrich  in  Italien  ernannte
  und  nach  mancherlei  Streitigkeiten  von  Papst  Hadrian  IV.  selbst  geweihte
  neue  Bischof  von  Oldenburg,  Gerold,  über  Schwaben  nach  Wagrien
gekommen  wanr,  hatte  er  sich  sogar  aller  Subsistenzmittel  bloß  gesehen.  Das
Kloster  zu  Neumünster  hatte  sich,  wie  schon  gemeldet,  am  die  erzbischöfliche
Kirche  von  Bremen  angeschlossen;  das  Kloster  zu  Hogersdorf  gab  dem  Bischofe

 

%  Otto  Fris.  II,  42:  At  cum  multis  modis  ad  transigendum  nos,  qui  mediatorum
ibi  vices  fungebamur,  operam  daremus,  infecto  adhuc  negotio,  insalutati  ab  invicem
separati  sunt.

)Auch  Herzog  Wladislaw  von  Böhmen,  Markgraf  Albrecht  der  Bär,  Pfalzgraf
Hermann  bei  Rhein  waren  hier  anwesend.

##%)Otto  Fris.  II,  4

1l)  Gemeiner  in  bner  „Geschichte  des  Hzts.  Baiern  unter  Friedrich  I.“  führt
S.  67  eine  Urkunde  aus  dem  Jahre  1156  an,  in  der  sich  Heinrich  Jasomirgott  noch
Bavariae  ducem  et  Austriae  marchionem  nennt.