VI Vorwort.
Noch aber fehlt es bisher an einer übersichtlichen Zusammenfassung
all der Unterlagen, die für die Errichtung von Werkschulen
erforderlich sind, und dieser Umstand mag wohl auch einstweilen
viele Unternehmer davon abhalten, zur Gründung einer eigenen Schule
für ihren Betrieb überzugehen. Sie scheuen die mit der ersten Organisation
verknüpfte große Arbeit und befürchten wohl teilweise nicht
mit Unrecht einen Mißerfolg, der aus der Unkenntnis über die Einzelheiten
der Materie entspringen könnte,
Diesem Übelstande soll das vorliegende Buch vor allen Dingen
begegnen. Geschrieben von einem, der, von Beruf Kaufmann, lange
Jahre in den verschiedensten Fächern nebenamtlich als Lehrer an
einer mustergültig eingerichteten Werkschule in Berlin mit bestem
Erfolge wirkte, bietet es eine Fülle von Erfahrungen, die während
dieser langen Zeit gesammelt werden konnten, und die noch dadurch
bereichert wurden, daß der Verfasser inzwischen durch Übernahme
von leitenden Stellungen im Rheinlande auch die einschlägigen Verhältnisse
im Westen unseres Vaterlandes genau kennen lernte.
Das Buch wendet sich also hauptsächlich an die Industriellen,
Fabrik-, Hütten- und Werftbesitzer sowie an die Werkdirektoren
aller deutschen Staaten und an Angestellte, die an
derartigen Fabrikschulen lehren wollen; aber auch den seminaristisch
gebildeten Berufsfortbildungsschullehrern und den Laien bietet
es manches Wissens- und Beachtenswerte. Für diese letztere Kategorie
von Lesern ist es besonders deshalb interessant, weil auch Berufslehrer
nebenamtlich als Lehrer für die Werkschulen in Frage kommen,
sich dadurch eine gute neue Einnahmequelle erschließen können und
gleichzeitig eine Erkenntnisquelle für viele praktische Fragen, über
die sie sonst wohl nicht so leicht Klarheit erhalten würden.
Viele der Anleitungen über die Art und Weise des Unterrichtsbetriebs
sind freilich für die Berufslehrer selbstverständlich; immerhin
glaubte der Verfasser derselben, eben in Rücksicht darauf, daß er
namentlich für Industrielle (also Nichtpädagogen) eine möglichst
lückenlose Unterlage für die Einführung und den Betrieb von Werkschulen
bieten will, nicht entraten zu können.
Möge sich das Buch in den Kreisen der Unternehmer, Werkbeamten,
Lehrer usw. recht viele Freunde erwerben und, was sein
Hauptzweck ist, Veranlassung für zahlreiche Neugründungen von
Werkschulen werden, deren Wirken für unsere gesamte nationale Wohlfahrt
nur segensreich sein kann.
Köln a. Rh., im Januar 1911.
Curt Kohlmann.