Full text : Das Civil-Medizinal-Wesen im Königreiche Bayern. 3. Band. Die Medizinalpolizei (Fortsetzung). (3)

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erlassene  Verfüguug,  die  Weinverfälschungen  betreffend,  wird  der
k.  Regierung  des  Rezatkreises  im  Abdruck  zur  Wissenschaft  und
analogen  Anwendung  mitgetheilt.

München,  den  22.  Jan.  1823.
Staatsministerium  des  Innern.

An  die  k.  Regierung  des  Rezatkreises,  K.  d.  J.,  also  ergangen.

Abdruck  der  allegirten  Entschließung.
Weinverfälschung  betreffend.
Im  Namen  Seiner  Majestät  des  Königs.

Zur  Verhütung  der  für  das  Leben  und  die  Gesundheit
nachtheiligen  Folgen  der  Weinverfälschungen  und  zur  Sicherheit
des  Handels  mit  diesem  vorzüglichen  Landesprodukte  gegen  Unterschiebung
  unächter  Waare,  soll  in  Folge  eines  Allerhöchsten  Reskripts
  die  sogenannte  Weinveredlung,  oder  eigentliche  Weinschmiererei
  abgestellt  werden,  und  wird  hierüber  verfügt,  wie  folgt:

1)  Jede  künstliche  Veränderung  der  Weine  und  Möste,  sie
mag  unter  dem  Namen  der  Veredlung  in  bekannter  Art,  orer
durch  Anwendung  geheim  gehaltener  Mittel  geschehen,  ist  streng
untersagt.

2)  Ausnahmsweise  dürfen  zur  Erhöhung  der  Farbe  eines
Weines  nur  geringe  Zusätze  von  Zucker  oder  zuckerartigen
Substanzen  und  zwar  in  dem  Maße,  als  sie  für  die  Stellung
einer  bessern  Farbe  nothwendig  sind,  stattfinden.

Alle  andern  Zusätze  zu  Mosten  oder  Weinen,  unter  was
immer  für  einem  Vorwande,  sind  durchaus  verboten.

3)  Die  Individuen,  welche  gegen  diese  Anordnung  handeln,
sind  jedenfalls,  wenn  auch  die  beigesetzten,  oder  untermischten
Bestandtheile  nicht  absolut  schädlich  erkannt  werden,  sträflich
und  bis  zu  dem  Grade,  wo  die  Fälschung  die  Merkmale  eines
Vergehens  oder  Verbrechens  an  sich  trägt,  von  den  Polizeibehörden
  zur  Untersuchung  und  Strafe  zu  ziehen.

4)  Dieses  neuerliche  Verbot  aller  Weinschmiererei,  welches
auch  schon  aus  ältern  Gesetzen  hervorgeht,  ist  sämmtlichen  Weinhändlern
  und  allen  jenen,  von  welchen  etwa  zu  besorgen  wäre,
daß  sie  auch  selbst  gezogenen  Weinen  zum  bessern  Verkaufe  unächte
  Zusätze  geben,  bekannt  zu  machen,  und  gegen  Uebertretungen
streng  zu  wachen.

Die  öffentliche  Bekanntmachung  durch  das  Kreisintelligenz-Blatt
  wird  zur  Schonung  des  Rufes  der  Weine  des  Untermainkreises
  zur  Zeit  umgangen,  weshalb  auch  die  Behörden