Metadata : Bismarck, Die gesammelten Werke, Band 6a.

184  Goltz'  mangelnde  Vertrautheit  mit  der  preußischen  Presse.

hier  empfängt  und  der  Regierung  in  jeder  Beziehung  vollständig  fremd,  früher  sogar  wiederholt
  polizeilich  überwacht  worden  ist.  Soviel  bekannt,  scheint  er  vielmehr  Beziehungen  zur
französischen  Botschaft  und  etwa  zur  belgischen  Gesandtschaft  zu  haben.  Es  kann  also  bei
der  Entstehung  dieser  Artikel  kein  subalterner  Diensteifer  und,  wie  ich  fest  vertraue,  kein
Verrat  des  Dienstgeheimnisses  mit  im  Spiele  sein.  Derselbe  würde,  wenn  er  überhaupt  stattfände,
  sich  nicht  durch  Mittheilungen  compromittiren,  die  nur  ephemeren  Werth  für  Tagesblätter
  haben ¹.

In  Bezug  auf  die  Benutzung  der  eingehenden  Depeschen  für  die  Öffentlichkeit  bemerke
ich,  daß  eine  solche  wohl  in  betreff  von  Tatsachen  stattfindet,  welche  die  Berichte  enthalten,
  und  deren  Benutzung,  soweit  sie  unschädlich  scheint,  nach  Urtheil  des  betreffenden
Decernenten  der  Preßstelle  des  innern  Ministeriums  überlassen  wird ²,  daß  aber  Urteile  und
Räsonnements  über  schwebende  Fragen  oder  Entwicklung  und  Darlegung  der  Situation  oder
der  dortigen  Zustände  von  der  Benutzung  für  die  Publizität  ausgeschlossen  sind,  und  daß
ich  persönlich  überhaupt  keine  Zeit  habe,  von  diesen  Dingen  Notiz  zu  nehmen ³.

Aus  der  Bemerkung  am  Schlusse  Ihres  Berichts,  „daß  man  der  französischen  Presse
die  Gerechtigkeit  widerfahren  lassen  müsse,  daß  ihr  Ton  taktvoller  und  höflicher  sei  als  der
der  preußischen  Presse“,  darf  ich  vielleicht  schließen,  daß  Ew.  pp.  neben  der  Ihnen  zunächst
liegenden  Notwendigkeit,  von  der  französischen  Presse  Kenntnis  zu  nehmen,  nicht  die  Zeit
finden,  der  preußischen  Presse  eingehende  Beachtung  zu  schenken;  Ew.  pp.  würden  sich  sonst
bei  einem  Vergleich  sehr  bald  in  der  Lage  finden,  diese  Bemerkung  umzukehren  und  der
preußischen  Presse,  welche  nur  den  französischen  Provokationen  gegenüber  gelegentlich  zu
einer  deftigeren  Sprache  sich  hinreißen  läßt,  die  Anerkennung  einer  maßvollen  Haltung
im  Vergleich  mit  den  unwürdigen  Ausfällen  der  französischen  Presse  zu  zollen,  deren
beleidigender  Ton  nur  durch  die  Gewöhnung  an  denselben  in  Paris  weniger  auffallend  erscheint,
  und  deren  Herausforderungen  von  dem  Standpunkte  der  angebornen  französischen
Überhebung  vielleicht  berechtigter  erscheinen  mögen  als  eine  bescheidne  Abwehr  deutscher

Blätter ⁴.

*997.  Erlaß  an  den  Botschafter  in  Paris  Grafen  von  der  Goltz.

[Konzept  von  der  Hand  des  Vortragenden  Rats  Abeken.]
Vertraulich.  Berlin,  den  19.  Dezember  1867.

Ew.  pp.  bemerken  in  dem  gefälligen  Berichte  Nr.  403  vom  14.  d.  M.,  daß  bei  der  am
11.  d.  M.  abends  von  hier  abgegangenen  Kuriersendung  Ihre  Berichte  vom  8.  und  9.  ej.
mir  noch  nicht  vorgelegen  zu  haben  schienen,  obgleich  dieselben  Ihrer  Rechnung  nach  am
11.  morgens  hätten  hier  eintreffen  müssen.  Letzteres  ist  allerdings  der  Fall  gewesen;  Ew.
pp.  werden  es  aber  begreiflich  finden,  daß  selbst  bei  einer  gewöhnlichen  Depeschensendung

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2  Der  zweite  Relativsatz  eigenhändiger  Einschub  Bismarcks.
3  Der  Schluß  des  Satzes  von  den  Worten  an:  „und  daß  ich  persönlich  ...“  eigenhändige  Ergänzung
Bismarcks.  
4  Der  letzte  Relativsatz  eigenhändiger  Zusatz  Bismarcks,  der  erste  Relativsatz  durch  seine  eigenhändigen
Korrekturen  bestimmt.