622 Evangelische und katholische Kirche.
Der Dom zu Köln nach seiner i. J. 1880 erfolgten Vollendung.
Nach einem Lichtbilde.
legung am 4. September 1842 in beredtesten Worten gefeiert als ein Zeichen
der Einheit des deutschen Reiches, wie des friedlichen Lebens und der Eintracht
zwischen beiden Kirchen. Aber während der König, seinem tief frommen Empfinden
gemäß und in Uebereinstimmung mit seinem gleich anfänglich abgelegten Bekenntnis
„Ich und mein Haus wollen dem Herrn dienen“ sich mit innigster Ueberzeugung
der vollen Bibelgläubigkeit hingab, geschah es, daß er nicht nur katholisierender
Neigungen, sondern auch der Bedrückung der Gewissen beschuldigt wurde.
Bedenklichen Gemütern war schon seine Vermählung (1823) mit der katholischen
Prinzessin Elisabeth von Bayern anstößig gewesen, und obwohl der Uebertritt
der Kronprinzessin zur evangelischen Lehre mehr als sechs Jahre später,
also gewiß ohne Zwang und nach eigenem Willen erfolgt war, ließen sich doch
nicht alle Zweifel bannen. Denn nicht nur wurde den kleinen Gemeinden der
Alt-Lutheraner, die sich fern von der Union hielten, eine so aufmerksame Beachtung
ihrer Wünsche zu teil, daß man an der Aufrechterhaltung der Union zu
zweifeln begann, sondern nach einem Besuch in England und im Zusammenhange
mit der orientalischen Frage betrieb der König mit lebhaftem Eifer die Gründung
eines protestantischen Bistums in Jerusalem, und die Verfassung der evangelischen
Kirche wollte er, so fürchtete man schon, in eine bischöfliche verwandeln. Der
katholischen Kirche hatte er die besondere Ministerialabteilung zugestanden, hatte