146 Zweiter Zeitraum.
Land die Lasten zu tragen, welche der König ihm auferlegen mußte, wenn
Preußen seine errungene Großmachtstellung den neidischen Nachbarn gegen—
über behaupten wollte. Während der ersten Hälfte seiner Regierung hatte
er an dem von seinem Vater überkommenen Steuerwesen nichts geändert;
nach dem Siebenjährigen Kriege aber beschloß er, die Accise, die schon der
Große Kurfürst zur Erhaltung des stehenden Heeres eingeführt hatte, stärker
heranzuziehen. Die notwendigsten Lebensmittel, wie Getreide, Mehl und
Schweinefleisch, blieben als die gewöhnlichste Nahrung der Armen von jeder
Steuer frei; dagegen wurden die Luxusgegenstände mit einer hohen Steuer
belegt. Die ganze Steuerverwaltung wurde der sogenannten „Regie“ übertragen,
an deren Spitze etwa 200 französische Beamte standen, die durch die
gehässige Art der Eintreibung die ohnehin schon drückenden Steuern noch
verhaßter machten und sich selber die Taschen füllten. Als die Zölle und
Accisen nicht die gehofften Einnahmen lieferten, führte der König das in
Frankreich damals schon bestehende Tabaks= und Kaffeemonopol ein.
Tabak und Kaffee konnten die Kaufleute fortan nur von der Regierung zu
einem bestimmten, hohen Preise erhalten, und die Steuerbeamten hatten das
Recht, die Häuser nach steuerpflichtigen Waren, besonders nach eingeschmuggeltem
Kaffee zu durchsuchen. Auf die Klage des Volkes über die hohe Kaffeesteuer
erwiderte der König: „Die Leute mögen sich doch wieder an das Bier
gewöhnen, ich bin in meiner Jugend auch mit Biersuppe erzogen; Bier ist
viel gesunder als Kaffee.“ Auch durch den Spott des Volkes ließ er sich
nicht beirren. Einst betrachtete die Menge ein angeschlagenes Bild, auf
welchem der König abgebildet war, wie er, auf einem Schemel sitzend, die
Kaffeemühle drehte. Als Friedrich es sah, rief er: „Hängt es doch niedriger,
damit die Leute sich nicht den Hals auszurecken brauchen!“ Sofort brach
die Menge in lauten Jubel aus und zerriß das Bild. Zur Freude seines
Volkes entließ er übrigens die französischen Beamten wieder, die er selber
als „lauter Schurkenzeug“ erkannt hatte.
Uber die Hälfte sämtlicher Staatseinnahmen verwandte Friedrich der
Große auf das Heer, das er auf 200000 Mann brachte. Die Soldaten
wurden teils im Lande ausgehoben, teils im Auslande geworben; die Ausländer
blieben während des ganzen Jahres bei der Fahne, während die Inländer
nur einige Monate dienten. Die größeren Städte, auch einzelne
Länder, wie Ostfriesland, Mörs, Geldern und Kleve, und ganze Bevölkerungsschichten,
wie Beamte, Kaufleute, Fabrikanten und größere Handwerker, waren
von dem Militärdienst befreit. Für die Bildung der Offiziere sorgten mehrere
Kadettenanstalten; alljährlich überzeugte sich der König durch Besichtigungen
und Manöver von der Schlagfertigkeit des Heeres.
Trotz der großen Ausgaben für das Heer hatte Friedrich der Große
für alle nützlichen Unternehmungen stets Geld; denn er gebrauchte für seinen
eigenen Haushalt sehr wenig. Je älter er wurde, desto mehr schränkte er
sich ein; er gab keine glänzenden Feste, kaufte sich keine prächtigen Kleider
und behalf sich zuletzt mit nur sechs Dienern, während andere Fürsten deren
Hunderte hatten. „Da Preußen arm ist.“ sagte er, „so muß der König
dieses Landes sparsam sein. Giebt er das Beispiel der Verschwendung, so