28 Ole allgemeinen Kriegevorbereitungen unserer Feinde.
einer Landung in Pommern gerechnet wurde. Heute finden wir bestätigt,
daß die damals gehegten Erwartungen keineswegs unbegründet
waren, sondern daß Rußland sich auf Grund seiner Abmachungen mit
England tatsächlich entsprechenden Hoffnungen bingeben durfte. Auch
diese neuen russischen Veröffentlichungen beweisen, daß die Schuld am
Kriege sehr wesentlich in jener englischen Politik zu suchen ist, die darauf
binauslief, die russischen Kriegswühler in ihren Absichten und Hoffnungen
zu stärken.
Alles, was wir aus den mannigfachen Dokumenten über die
Haltung Rußlands, Englande und Frankreichs wissen, wird immer noch
weiter bestätigt und in seiner Beweiskraft verstärkt durch die Kenntnis,
die wir von den politischen Betätigungen und Eindrücken der serbischen
Diplomaten gewonnen haben. Ee braucht nur verwiesen zu werden auf
jenen Bericht dee serbischen Geschäfteträgers in London, in dem während
der Marokkokrisis von 1911 gesagt war, daß sowohl Frankreich wie seine
BVerbündeten der Ansicht seien, der Krieg müsse zwecks Bollendung der
militärischen Borbereitungen sowohl Rußlands wie Frankreichs hinausgeschoben
werden bis auf das Jahr 1914 oder 1915; oder auf jenen Bericht
des serbischen Ministerpräsidenten Pasitsch vom 2. Februar 1914 über
dessen Besuch beim Zaren, aus dem mit voller Deutlichkeit hervorgeht,
in welchem Grade Rußland entschlossen war, durch Serbiene Mitwirkung
demnächst Osterreich-Ungarn den tödlichen Streich versetzen zu lassen.
Der serbische Geschäftsträger der Vorkriegszeit in Berlin schließlich
hat von dem Treiben der ententistischen Diplomatie die gleichen Eindrücke
gewonnen wie sein belgischer Kollege Baron Greindl, dieselben,
die uns auch aus den Akten des auswärtigen Ministeriums in Brüssel
entgegentreten, dieselben, die bekräftigt sind durch die letzten bolschewistischen
Veröffentlichungen aus russischen Geheimdokumenten. Die
Drahtzieher in Petersburg wollten absolut den Krieg. Die Pariser
Diplomaten hatten in ihrem Revanchedurst diese Stimmung bis zur
Siedehitze geschürt, und es gab keine andere Möglichkeit, den Weltkrieg
zu vermeiden als die einer englischen Mahnung nach Petersburg und
Paris, den Bogen nicht zu überspannen. Diese Mahnung aber blieb aus,
Sir Edward Grey versetzte im Gegenteil seine Kollegen an der Seine und
an der Newa in die Sicherheit, daß England ihnen Beistand leisten werde,
und so konnte denn der Krieg tatsächlich durch keine noch so emsigen Bemühungen
von deutscher Seite verhindert werden.
Die beweiekräftigsten serbischen Dokumente zur Bestätigung dieser
Auffassung finden wir in der Schrift: „Kriegsursachen, Beiträge zur Erforschung
der Ursachen des europäischen Krieges mit spezieller Berücksichtigung
Rußlands und Serbiens“ von Dr. M. Boghitschewitsch, ebe-