Full text : Encyklopädie der Rechtswissenschaft in systematischer und alphabetischer Bearbeitung. Erster, systematischer Theil. (1)

3.  Geschichte  und  Qnuellen  des  Deutichen  Rechts.  251

Besitzer,  sondern  mußte  sich  an  die  Hand  halten,  in  die  er  fie  gegeben.  Hand
muß  Hand  wahren.“  „Wo  du  deinen  Glauben  gelassen  haft,  mußt  du  ihn  suchen.“
Tagegen  war  im  Falle  des  umrreiwilligen  Besitzverlustes,  also  namentlich,  wenn  die
Sache  gestohlen  oder  geraubt  worden,  die  Klage  eine  absolute.  Die  Eigenthumelage
  um  Fahrhade  hatte  eben  ursprünglich  den  Charakter  einer  Deliktsklage,  sie
schloß  den  Vorwurf  des  furtam  in  sich.  Ihre  Beschränkung  auf  den  Fall  unfreiwilligen
  Besitzverlustes  steht  in  geschichtlichem  Zusammenhang  mit  der  Thatsache,
laß  das  Deutsche  Necht  anders  wie  das  Römische  Recht  die  Unterschlagung  von  dem
Tiebstahl  tremt,  indem  es  das  Wegnehmen  aus  dem  Gewahrsam  eines  anderen  als
begriffliches  Merkmal  des  kartum  betrachtet.  Traf  der  Eigenthümer,  dem  seine
Sache  wider  Willen  abhanden  gekommen,  dieselbe  im  Besitze  eines  Dritten,  so  nahm
er  den  Anefang  (intertiatio)  vor,  d.  h.  er  faßte  die  Sache  unter  bestimmten  Förmlichkeiten
  an  und  behauptete  die  Theheche  des  unfreiwilligen  Verlustes.  Erklärte
sich  der  Besitzer  nicht  für  den  originären  Erwerber  der  Sache,  so  hatte  er  seinen
Gewährsmann  anzugeben.  Der  Unterliegende  mußte  nicht  nur  die  Sache  herausgeben,
  sondern  verfiel  auch  in  die  Diebstahlsbuße,  wenn  er  nicht  den  durch  die  Aneiuugstklage
  vorausgesetzten  Vorwurf  unrechtmäßigen  Erwerbs  entkräften  konnte.  Dem
Berletzten  stand  es  frei,  eine  Klage  ohne  Anefang  zu  erheben,  welche  im  Gegensatz
zur  Wrünstten,  als  schlichte  Klage  bezeichnet  wurde.
brecht.  Die  Gewere  als  hge  #0%  älteren  Deutschen  Sachenrechts,  1828;
Kinli:  Ernde  historique  sur  Ia  saliin  Bde.  seiner  Tra  Des  z  Fhistoire  du
droit  français,  1843;  Bra  nen  Feäusaee  9mt  Deutschee-  Recht,  III.  V;  Homeyer,
Soytem  der  —.  §8#  *8  ff.;  aas,  Germanistische  Abhan  lungen.  1382;  Stobbe,
Artilel  Gewere  in  Ersch  u  #nr  Cneyklopädie;  Deldrück,  Die  ingliche  Joe  des
Lestschen  Rechts,  1857,  une  rr  der  Fitcchrif  für  r*  Recht,  X7.  ch  Recht  des
sipes  im  Mütrlalter  und  in  der  nenta  "14.  n  Be  und  Mthers  Nrns
###  Bemeinen  Deutschen  Rechts  IV.  tf  Tit  Besis  1874;  te
suchungen  Über  27  1t  und  detn  28  Deutschen  8  1857;  Maunen
Uateruchungen  über  das  Sachenrecht  der  Rechtsbücher,  1860;  Ladand,  Die  Eon
lichen  Klagen  n  e  Soͤch  abische  Nechtsquellen  des  Puteliters.  1869;  Wilhe  lekel
Posessione  legi  1871;  Heusler,  Die  8  1872;  W  tobbe,
Keafschen.  witsnsrtz  40,  &d  "4  (1875);  0.  W.  Holmes,  Possession,  —
Lar  Reriew  XlI.  688  loce  ,  Das  elbenn  im  n  I.  681  ff.;
Holmes,  Common  *  0  ss.;  Sohm,  Fränkisches  und  Rbmisches
Tcht,  in  ber  Zeitschrift  der  z  1.  2  ff.  —  Stobde,  Die  Auflossung  des
Teuischen  Rechts,  rt  in  den  n  für  Dogmatitk,  1  137;  Michelsen,  eder  die
fe#i##  notata  un  5ins  Germa  Tuodttionsipndalt,  1856;  vVru  n  Das  Gerichts-E—
  Le.  Er1  So  ohm  s  Rech  n“mbrienr  1875;  Haiss,
*  tio  und  s  6ä  r—m—W*n—l  T.  run  1#  in  der  dien
mdelsrecht,  XXII.  326  ff.;  Sohm,  Zur  rn’“-t  der  srasestae  in  der  gabe  der
kultät  für  ft  1829:  P  Ver,  Sala,  Vestiturn,  u  runner,
5  ichte  der  Römischen  und  Germanischen  Kahänst  de,  ke.  —  Ho####e  #t.  System
t#s:  Arnold,  Zur  Geschichte  des  Ei  ethums  in  den  Deutschen  etähien
d.  dh  ,  Geschichle.  der  Frohnhôse.  —  Dun  tz.  a  von  den  Vollasten,  1837;
Tenand,  Beitrag  zur  gtie  von  den  Neallasten  ,  IS  nold,  a.  a.  O.;  Nen  ann,
Geschichte  uchers  L  Tie  Hütt  und  Er  e#ole  sach  Zrccher  Recht,
u#  der  Slt  für  ’  W  K.
e  De  rindicatione  rerum  mo  bun  kgerm.,  1837;  Heusler,  Vie  —m—
zusinrrsalgen  bei  behrbabe.  1871;  Lersride,  Vie  Gewere,  Exlur
n  Sulla  ri  iceazione  dei  beni  W  neil  antico  dirino  Eii:s  1878;
Fruin,  De  nefa  de  slichte  ·—  5  e  have,  Verhandelingen  van  deo  #.
A4#d.  van  Wetenschap  —20  3°  6-Dn  #  ude  historiqne  sur  la  revendication
des  meunbles  en  droit.  —)

8  21.  Das  —  steht  bis  zur  Entwicklung  des  städtischen  Verkehrsrechts
  hinter  der  reicheren  Ausbildung  des  Sachenrechts  etwas  zurück,  eine  Erichrinung,
  welche  sich  aus  dem  Vorwiegen  des  Grundbesitzes  im  wirthschaftlichen
reben  erklärt.  Die  Rechtssätze  über  den  Abschluß  von  Verträgen  führen  auf  das
.  um  Zug  vollzogene  Baargeschäft  als  den  Urtypus  des  Germanischen  Vertrags

miück.  In  der  Zeit  der  Bolksrechte  ist  der  Vertrag  rechtlich  bindend,  wenn  einer