Postagenturen und Posihilistellen eingeteilt; die Vorsteher führen die Bezeichnung Posidirektor, Postmeister, Posiverwalter,
Posiagent, Posthilistelleninhaber. Der Celegraphendienst wird von den Postanstalten mit wahrgenommen, nur in den grösseren
Städten giebt es besondere Telegraphenämter und Stadtfernsprechämter unter der Leitung von Celegraphendirektoren. Den
Dienst in den Eisenbahnzügen versehen die Bahnposten, die den Bahnpostämtern, zur Zeit 32, unterstelli sind. Dem
gleichen Zwecke wie die Bahnposten, nämlich die Fahrzeit zur Sortierung der Sendungen auszımutzen und so eine unaufgehaltene
Beförderung vom Aufgabeort bis zum Bestimmungsort zu ermöglichen, verfolgen auch die Seeposten, die in
Gemeinschait mit den Vereinigten Staaten von Nordamerika seit dem Jahre 1891 zwischen Bamburg und Bremen einerseits
und Reuyork anderseits eingerichtet sind. In den $eeposten sind deutsche und amerikanische Beamte gleichzeitig ihätig.
Die amerikanisch-deuische Korrespondenz erfährt durch die Seeposten eine Beschleunigung in der Ueberkunft bis zu 24 Stunden. —
Die Zahl der Postanstalten im Reichspostgebiet beträgt zur Zeit rund 32000 gegen 6551 im Jahre 1875, ist also seit dieser
zeit nahezu auf das Fünflache gestiegen. Celegraphenanstalten werden beim Ausgange des Jahrhunderis 15400 vorhanden
sein gegen 1945 im Jahre 1875, was einen Zuwachs um beinahe das Siebenfache bedeutet. Es entfallen hiernach gegenwärlig
je eine Postanstalt auf 13,9 Quadratkilometer und 1386 Einwohner, je eine Celegraphenansialt auf 28,9 Quadratkilomeier
und 2887 Einwohner, während im Jahre 1875 erst auf 67,9 Quadratkilometer und 5242 Einwohner eine Posianstalt
und auf 228,9 Quadratkilometer und 17655 Einwohner eine Telegrapbenanstalt kam. Diese wenigen vergleichenden Zahlen
lassen erkennen, wie erfolgreich die Verwaltung in den leizten 25 Jahren bemüht aewesen ist, das Netz der Post- und
Celegraphenanstalien mehr und mehr zu verdichten, dadurch die Benutzung ihrer Einrichtungen zu erleichtern und deren
Segnungen immer weiteren Bevölkerungsklassen zugängig zu machen.
Das Personal der Verwaltung beläuft sich auf 175000 Köpfe. Die Leistungen, die von diesem Personal bewältigt werden,
mögen nur in wenigen Zahlen ihre Veranschanlichung finden. Tach der Statistik der letzten Jahre werden im ganzen
jahrlih rund 4 Milliarden Briefsendungen, darunter 650 Millionen Postkarten, ferner 160 Millionen Pakele ohne Werlangabe,
3 Millionen Pakete mit Wertangabe und 9'/2 Millionen Briefe und Kästchen mit Wertangabe beförderı. Der Gesamtwertbeirag
der Pakete, Briefe und Käsichen mit {leribetrag beziffert sich auf 20 Milliarden Mark.
Gleich gewaltig in seinem Umfang wie der eigentliche Postbeförderungsdienst ist der bare Geldverkehr auf Postanweisungen,
Postaufirägen und Posinachnahmen. Der Umsatz mittels dieser drei Verkehrsmittel berechnet sich zur Zeit für das Jahr auf
nnd /\/2 Milliarden Mark, wovon 61/2 Milliarden auf Postanweisungen, 580 Millionen auf Postaufträge und 370 Millionen
auf Nachnahmen enifallen. Dieser ungeheure Verkehr, der in der Ein- und Auszahlung, in dem Austausch der Zahlungs:
mittel zwischen den Postanstalten eine Unmasse von Arbeit darstellt, regie die Frage an, ob bier nicht unnötige Arbeit
geihan wird. Zwar bat die Verwaltung schon etwas Abhilfe geschaffen, indem jedem Kunden bei der Reichsbank gestattet
worden ist, die für ihn eingehenden Postanweisungsbeträge unmittelbar von den Postanstalten durch Zuschreibung an die
Reichsbank überweisen zu lassen. Ebenso können die Beträge der aufgelieferten Postanweisungen mit Ebecks auf die Reichsbank
beglidhen werden. Ein wirksameres Mittel wird aber der Anfang des neuen Jahrhunderts bringen in dem Posicheckverkehr,
wie er von dem jeizigen Ehef des Posi- und Celegraphenwesens in Aussicht genommen ist. Die Einrichtung: ist
in ihren Grundzügen so geplant, dass jedermann gegen Einzahlung einer Stammeinlage von 100 Mark bei der Posi ein
Eheckkonto eröffnet wird, so dass alle Zahlungen für ihn bei den Postanstalten geleistet werden können, wo sie seinem
Guthaben zugeschrieben werden. Ueber letzteres kann er jederzeit mittels Ehecks in beliebigen Ceilbeirägen verfügen,
d.h. er kann, soweil sein Gulhaben reicht, bei allen Zahlungen einen Posicheck in Zahlung geben, der bei den Post.
anslalten honorierl wird. Die Summen, die bei voller Durchführung des Postcheckverkehrs nicht mehr in bar umgesetzt
zu werden brauchen, werden sich voraussichtlich auf Bunderte von Milliarden Mark jährlich belaufen. Der Posicheck, der
auch den breiteren Schichten der Bevölkerung zugängig gemacht werden soll, wird demnach im Zahlungsverkehr in
Deutschland eine grosse Umwälzung hervorrufen und für die Weiterentwickelung des ganzen Wirtschaftslebens der Nation
von nicht geringem {Werte sein.
In den besonderen Dienst der allgemeinen Wohlfahrt ist die Post durch die deutsche soziale Gesetzgebung gestellt worden.
Nach den beiden grossen Wohllahrtsgeseizen, Unfallversicherungsgesetz und Invalidenversicherungsgesetz, haben die Posianstalien
die Uniall-, Alters und Invalidenrenten an die Berechtigten auszuzahlen, sowie die Versicherungsniarken zu verkaufen.
Um welche Arbeitslast es sich hierbei für die Postanstalten handeli, darüber geben die nachstehenden Zahlen für
das Jahr 1898 Aufschluss. Es sind gezahlt worden: an Uniallrenten 59" Millionen Mark an 535000 Empfänger in
4'/; Millionen Ceilzablungen, an Altersrenien 24/6 Millionen Mark an 197000 Empfänger in 2'/; Millionen Ceilzablungen,
an Invalidenrenien 321,2 Millionen Mark an 301000 Empfänger in 2% Millionen Ceilzahlungen. Die Zahl der verkauften
Versicherungsmarken beläuft sich auf 444 Millionen Stück im Werle von 96 Millionen Mark.
Alle diese im vorstehenden aufgeführten Zahlen sind in steliger Zunahme begriffen; nur auf einem Gebiete ist ein Rück:
schritt zu verzeichnen. €s ist dies der Postreiseverkehr. Uon allen grösseren Strecken wird der gelbe Postwagen verdrängt,
die Poesie des Posthorns schwindet aus den Chälern, von den Föben, das Dampfross verscheucht sie, und das neueste
Verkehrsmittel, das Fahrrad, hilft ihm dabei gelreulich mit. Indes neidlos mag die Post der Eisenbahn dieses @ebiel überlassen,
ihrer Aufgaben giebt es nody genug, und das Publikum fährt dabei besser. Die Zahl der mit den Posten gereisten
Personen, die im Jahre 1875 noch 4" Millionen beirug, ist auf 11/2 Millionen herabgeaangen.
Wenden wir uns zu den Leistungen der Celegraphie, deren Chätigkeit auch den Fernsprechvermittelunasdienst umfasst, so
freten uns gleichlalls Zahlen entgegen, die einerseils den gewaltigen Umfang veranschaulichen, den der Gedankenaustausch
Slanlswesen 31