Einnahme Wiens. Fürjt Schwarzenberg. Regierungsantritt $ranz $ojephsT. 421
jeßt die Lofung bei dem ferneren Kampfe, zu dem man zunächft gegen
Ungarn fi) anichiden mußte. Die Revolution in den deutichen
Provinzen und auf jlavischem Gebiet lag am Boden und ein neues
Ministerium, wieder eine wirkliche Negierung, ward gebildet, an
deren Spibe ein fühner Spieler trat, der Fürft Felie Schwarzenberg,
der in der noch immer jehr verwidelten Lage ohne viel Rüdlicht
auf Treu und Glauben vorging. Der Reichstag war noch immer
beilammen, aber er war in diejer legten Zeit Hinter den revolutionären
Sewalten ganz zurücgetreten: er wurde nun nad) dem mährilchen
Städtchen Kremfier entboten und erhielt hier am 2. Dezember durch
Schwarzenberg die Mitteilung von einem Ereignis, das ich joeben
in Olmüß vollzogen hatte, und mit dem der erjte Aft der Tragdvie
vom Sahre 1848 in Öfterreich jchloß. Der Kaifer Ferdinand und
dejlen Bruder, der nächjtberechtigte Thronerbe, hatten dem Throne
entjagt zugunjten des Sohnes diejes lebteren, des achtzehnjährigen
Ssranz Sofeph IL, der damit feine lange, ereignisvolle, auch für die
deutiche Geichichte hochbedeutiame Negierung antrat. Einige Tage
zuvor, 27. November, Hatte der Miniiter in einem dem Reichstag
vorgelegten Programm als Ziel feiner Politik die Vereinigung der
babsburgischen Länder — einjchlieglich Ungarns, Galiziens, der
Lombardei und DVeneziend -- zu einem fonftitutionellen Einheitzftaat
bezeichnet und die endgültige Stellungnahme zu der im Fluß
befindlichen deutichen Entwicklung von dem Abjchluß des dfterreichiichen
Berfaffungswerfes abhängig gemacht.
Die Niederiverfung der Revolution in Wien wirkte unmittelbar auf
Deutichland zurüd und förderte die reaftionäre Stimmung, die ohnehin
auch durch die Wendung der Dinge am urjprünglichen Herde der
Revolution, in Frankreich, begünftigt ward. Hier war nad) Verfündung
der Republik am 4. Mai 1848 eine Nationalverfammlung zu-Jammengetreten,
nach allgemeinem Stimmrecht gewählt, aber in ihrer
Mehrheit fonfervativ. In der dreitägigen blutigen Straßenfchlacht zu
Paris am 24., 25., 26. Suni hatte die Ordnungspartei die revolutionäre
zu Boden geworfen und einen Soldaten, General Cavaignac,
als Chef der Bollziehungsgewalt an die Spite gejtellt, am 4. No-