512 24. Der Krieg von 1866.
Wie Hannover, jo war auch Sachlen und Helen der Koalition
verloren. Die jächfiiche Armee, zwanzigtaufend Mann Stark, in gutem
Ichlagfertigem Zuftande, war, glüdlicher als ihre Vorfahren im Jahre
1756, mit ihrem König nad) Böhmen abgezogen; den Kurfüriten
von Heljen aber hatte der General Beyer, während die heifiichen
Truppen in der Nacht abgezogen waren, am 19. noch ruhig auf der
Wilhelmshöhe abgefaßt und ihn zu großer Genugtuung felbft in den
Kreifen der Gegner als Kriegsgefangenen in eine preußische Feltung
gejchiet: in einer verjtändigen PBroflamation ftellte der General dem
pielgeprüften Bolfe bejjere Zuftände und hellere Tage in Ausficht.
Binnen wenigen Tagen war jo die ganze nördliche Hälfte von
Deutichland in der Gewalt der Preußen. Die Kriegführung der
Koalition war Häglich: das alte Deutichland zeigte fich in feiner
ganzen Hilflofigfeit. Bei Schweinfurt jammelten fich die Bayern
unter Prinz Karl, dejfen Stabschef, General von der Tann, 1848/49
in Schleewig-Holftein mit Auszeichnung gefochten hatte; um Franffurt
309 fih das achte Bundesarmeeforps unter dem Prinzen
Alerander von Hejjen zufammen, beitehend aus Württembergern,
Badenern, Hefjen, Naffauern; auch die öfterreichiiche Bejagungsbrigade
von Mainz, großenteil Italiener, ftieß dazu. Die Krieg3-bereitichaft
diejes bunt zufammengejegten Korps war arg im Rüdjtand:
die Führer fannten fich untereinander nicht und waren aud)
dem Oberbefehlshaber nicht befannt, die Gewehre waren von ver-Ihiedenem
Kaliber, und was fonft eine zufammengewürfelte Armee
harafterifieren mag: wie in tiefer Friedenszeit fah fich wohl der
Wanderer von einem Hochfommandierenden auf dem Marjche von
Sranffurt nad) Hanau mit der Frage angefprochen: „Sie, wie weit
rechnet man von Frankfurt nach Hanau?” Der Plan war, Die beiden
Heere zu vereinigen, was den fünfundvierzigtaufend Vreußen gegenüber,
die hier auch erft in der Anfammlung waren, die ftattliche Macht
von etwa neunzigtaufend Mann mit zweihundertjiebzig Gelchüben ergeben
haben würde. Der erjte Zufammenftoß fand am 4. Juli zu
Dermbad) an der Werra ftatt, einen Tag nachdem jchon auf dem djtlichen
Kriegsfchauplag in Böhmen die große Entjcheidung gefallen war.