Full text: Geschichte des brandenburgisch-preußischen Staates.

432 XIV. Preußen als Großmacht. 
hier den rechten Flügel commandirte, mit großem Glücke zurück, so 
daß ihn der König auf dem Schlachtfelde zum General der Cavallerie 
ernannte. Mit großer Eile brach dann Friedrich aus, alles Eroberte 
sowie alle Verwundeten, die nur irgend transportabel waren, mit sich 
nehmend, und vereinigte sich glücklich mit seinem Bruder bei Bres- 
lau, da die Russen sich wieder über die Oder zurückgezogen hatten. 
Diese Schlacht bei Liegnitz war der erste Sonnenblick des Glücks 
seit der Zorndorfer Schlacht, also nach zwei trüben Jahren. Noch 
aber war die Gefahr nicht überstanden. Zwar zunächst die Russen 
unter Czernitscheff, dann die Hauptarmee unter Soltykoff zogen auf 
die Nachricht von Friedrich's Siege sich zurück, und es wurde nur 
ein kleines Corps ihnen gegenüber gelassen; mit 50,000 Mann brach 
dann der König zu Ende des August gegen Daun auf, um ihn nach 
Böhmen zurückzuwerfen. Längere Zeit stand man sich in der Gegend 
von Schweidnitz und Glatz gegenüber, ohne Erfolge zu erringen; 
Daun suchte sich endlich dadurch in Schlesien zu behaupten, daß er 
mit den Russen einen Angriff auf Berlin verabredete; dadurch glaubte 
er, den König nach der Mark locken zu können. Deshalb brach Lascy 
zu Ende des September mit 15,000 Mann auf, um Berlin von 
der Südseite her anzugreifen, während die Russen, 20,000 Mann 
stark, unter Czernitscheff und Tottleben zu beiden Seiten der 
Spree von Osten her anrückten. Die Stadt hatte nur drei Garni- 
son-Bataillone zur Besatzung, doch leiteten der greise Lehwald und 
der noch in der Heilung begriffene Seidlitz die Vertheidigung gegen 
Tottleben, der am 3. October zuerst vor der Stadt anlangte und sie 
zur Uebergabe aufforderte, so geschickt, daß die Russen bis Köpnick 
zurückgingen. Darauf eilten der Prinz Eugen von Würtemberg von 
Templin und der General Hülsen von Sachsen her der Stadt zu 
Hülfe, so daß am 7. bereits 14,000 Mann versammelt waren. Da 
aber unterdeß sämmtliche Russen und Oesterreicher in die Nähe der 
Stadt gekommen waren, beschloß man, in der Nacht zum 9. nach 
Spandau abzumarschiren, weil die Plünderung der Stadt zu befürch- 
ten stand, wenn man es auf eine Schlacht ankommen ließe und diese 
verloren ginge. Zugleich schloß die Stadt eine Capitulation mit Tott- 
leben, der am Morgen des 9. zuerst einrückte. Die Stadt mußte 
1½ Million Thaler Contribution und 200,000 Thaler Douceurgelder 
zahlen, die Garnison sich kriegsgefangen ergeben. Alles königliche 
Eigenthum wurde theils weggeführt, theils vernichtet, auch mehrere 
Bürgerhäuser geplündert; doch benahmen sich im Ganzen die Russen 
gut. Schlimmer als hier hausten die Feinde, besonders die sächsischen 
Truppen, auf dem platten Lande und in den königlichen Schlössern, 
z. B. in Charlottenburg; nur in Potsdam wußte der österreichische 
General Esterhazy alle Ausschweifungen zu verhindern. Bald aber 
zogen die Feinde ab; auf die Nachricht, daß Friedrich aus Schlesien 
aufgebrochen sei, verließen sie schon am 12. October eiligst die Stadt; 
die Russen gingen zu ihrer Hauptarmee zurück, die unterdeß bis Frank- 
furt gegangen war und nun nach Drossen sich wandte; die Oester-