Metadaten : Geschichte des Elsasses von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart.

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empört,  das  Bestehende  als  solches  übte  keine  Macht  mehr,  der
Nimbus  war  verschwunden.  Die  reinsten  Männer  unter  den  Geistlichen
  selbst  verkündeten  von  der  Kanzel  die  Schande  ihres  Standes.
Der  Humanismus  raubte  ihnen  das  Monopol  der  Wissenschaft  und
Schule  und  bildete  jene  Generation  von  freier  blickenden  Priestern
heran,  welche  die  rüstigsten  Kämpen  des  Evangeliums  geworden  sind.

Die  Scharen  standen  gewappnet;  die  Alarmtrompete  zu  Wittenberg
  erscholl:  alle  Mächte  des  Umsturzes  waren  entfesselt;  Luther
schritt  wie  der  Erzengel  Michael  voran,  um  Lucifer  zu  schlagen;
man  warf  sich  auf  die  geistige  Zwingburg  Rom  mit  einem  Gefühl,
wie  es  die  alten  Juden  gegen  Balylon  beseelte:

Du  schnöde  Tochter  Babylon,

Zerbrochen  und  zerstöret:

Wol  dem,  der  dir  wird  gen  (geben)  den  Lohn
Und  dir  das  widerkehret  (vergilt),

Dein  Uebermuth  und  Schalkheit  groß,

Und  mißt  dir  auch  mit  solchem  Maß,

Wie  du  uns  hast  gemessen!

Wol  dem,  der  deine  Kinder  klein

Erfaßt  und  schlägt  sie  an  den  Stein,

Damit  dein  werd  vergessen!

Meister  Mathis  und.  feine  Genossen.

Mit  einer  Schnelligkeit,  als  ob  Zauberei  im  Spiel  gewesen
wäre,  kamen  die  95  weltgeschichtlichen  Thesen  nach  Straßburg.
Zuerst  wurden  sie  den  Gelehrten  bekannt,  dann  rasch  den  Bürgern,
und  überall  schlugen  sie  ein.

Die  Schriften  Luthers  wurden  eiligst  verbreitet,  nachgedruckt
und  viel  gelesen.  Eine  Flut  von  Broschüren  ergoß  sich  über  den
Bächermarkt,  worin  Luthers  Gegner  angegriffen,  in  den  Staub  gezogen
  und  für  die  neue  Lehre  populär  und  eindringlich  geworben
wurde.  Die  clericalen  Drohungen  verfingen  nichts,  wie  groß  auch
ihre  Macht  noch  scheinen  mußte.  „Soll  denn  allein  die  Gewalt
Recht  sein?  —  fragt  in  einer  Straßburger  Flugschrift  der  Mann