Volltext : Deutsches Kolonialblatt. IV. Jahrgang, 1893. (4)

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Den  Kai  auch  abwärts  bis  zur  Joß-Bake
weiterzuführen  und  dadurch  nicht  allein  den  heute
dort  bestehenden  Morast  aus  der  Welt  zu  schaffen,
sondern  auch  dem  Gouvernement  ein  bedeutendes
Grundstück  zu  Bauten  und  Gartenanlagen  zu  gewinnen,
  wird  die  Aufgabe  der  nächsten  Jahre  sein.

 

Die  Dandelskammer  in  Sansibar,

welche,  wie  seiner  Zeit  gemeldet  wurde,  im  August
v.  J.  gegründet  worden  ist,  ist  in  ihrem  weiteren
Bestehen  durch  den  Austritt  der  deutschen  und  mehrerer
  bedeutenden  englischen  Firmen  stark  gefährdet
worden.  Den  Grund  für  den  Austrikt  dieser  Firmen
bilden  gewisse  Unregelmäßigkeiten,  welche  sich  der
Vertreter  der  Firma  Forwood  Bros.  &  Co.  bei
der  Neuwahl  des  Präsidiums  hatte  zu  Schulden
kommen  lassen,  indem  er  das  Gros  der  indischen
Händler  für  sich  zu  gewinnen  wußte.

 

Das  Government  von  Sanslbar.

Unter  dem  11.  Jannar  d.  J.  hat  der  stellvertretende
  englische  diplomatische  Agent  und  Generalkonsul
  in  Sansibar  Mr.  Rennell  Rodd  dem
Kaiserlichen  Konsul  daselbst  die  durch  Seine  Hoheit
den  Sultan  von  Sansibar  erfolgte  Einsetzung  eines
aus  vier  ausführenden  Beamten  (executive  ollicers)
als  Leiter  der  verschiedenen  Departements  beslehenden
„Government“  amtlich  bekannt  gegeben  und  über
Zusammensetzung,  Organisation  und  Zuständigkeit
dieser  Centralbehörde  Mittheilungen  gemacht.

Danach  erfolgt  die  Leitung  der  answärtigen  Beziehungen
  des  Sultans  ausschließlich  durch  den  Vertreter
  der  britischen  Regierung,  das  Government  ist
aus  vier  Engländern  zusammengesetzt.  Zum  ersten
Minister  ist  der  General  Mathews  ernannt,  welchem
gleichzeitig  das  innere  Verwaltungsdepartement  unterstcht
  und  insbesondere  die  Befugniß  zur  Ertheilung
sämmtlicher  Zahlungsanweisungen  übertragen  ist.  Der
General  Hatch  ist  mit  der  Leitung  der  Polizei  und
dem  Kommando  über  die  regulären  Truppen  des
Sultans,  der  Commander  Hardinge  mit  den  Funktionen
  eines  Hafenoffiziers  betraut,  während  dem
Zolldirektor  Strickland  das  Departement  der  Zollund
  sonstigen  öffentlichen  Abgaben  unterstellt  ist.

Diese  vier  höchsten  Beamten,  deren  Ernennung  durch
den  Sultan  mit  Zustimmung  der  Großbritannischen
Regierung  als  Protektoratsmacht  erfolgt  ist,  sind  ansschließlich
  zur  Theilnahme  an  den  „Ministerial
Councils“  berufen.  Denselben  steht  eine  Reihe  von
Hülfsbeamten  zur  Seite.

Der  General  Mathews  verfügt  über  zwei  einheimische-
  Subalternbeamte  (einen  „Registrar  and
Auditor“  und  einen  „Magistrate"),  außerdem  über
einen  indischen  Architekten,  welcher  das  Departement
der  öffentlichen  Arbeiten  leitet,  sowie  über  den  englischen

 

 

Arzt  Dr.  Charlesworth  als  Medizinalbeamten.
Dem  General  Hatch  untersteht  als  Stellvertreter  im
Kommando  ein  zweiter  englischer  Offizier  im  Hauptmannsrange,
  ferner  ein  aus  Malta  gebürtiger  Polizeimeister.
  Unter  den  Befehlen  des  Kapitäns  Hardinge
steht  ein  eingeborener  erster  Assistent  für  den  Hafendienst,
  während  zu  dem  Ressort  des  Zolldirektors
Mr.  Strickland  ein  Bureauvorsteher  und  zwei
Kassirer  gehören.

 

Das  NebenSdollamt  Moa

im  Schutzgebiete  von  Deutsch-Ostafrika  ist  seit  dem
10.  November  v.  J.  für  den  Zollverkehr  eröffnet
worden.

 

verkauf  von  Munition  in  Betschuanaland.

Durch  Erlaß  des  Oberkommissars  für  Englisch-Südafrika
  vom  31.  Dezember  v.  J.  hat  die  Verfügung
  desselben  vom  4.  Oktober  v.  J.,  betreffend  den
Munitionsverkauf  an  Eingeborene  im  englischen
Schutzgebiet  von  Betschuanaland,  eine  Aenderung
dahin  erfahren,  daß  an  Stelle  der  Worte  „drei  Pfund
Schießpulver“  fortan  „fünf  Pfund  Schießpulver“  zu
setzen  ist.  (Vergl.  D.  Kol.  Bl.  1892  S.  585.)

 

Im  Gereiche  des  Schutzgebictes  der  Marsball-Inseln

ist  nach  einem  Berichte  des  Kaiserlichen  Kommissars
Dr.  Schmidt  aus  Jaluit  vom  6.  Dezember  in  der
letzten  Zeit  nichts  Bemerkenswerthes  vorgefallen.
Vielmehr  fahren  die  Verhältnisse  fort,  sich  in  ruhiger
und  ersprießlicher  Weise  zu  entwickeln.  Der  bisherige
Sekretär  Brandeis,  welcher  im  November  v.  J.
mit  S.  M.  Kreuzer  „Sperber“  eine  Rundreise  durch
das  ganze  Schuhgebiet  gemacht  hat,  hat  sich  am
10.  Dezember  v.  J.  auf  seinen  neuen  Posten  als
kommissarischer  Richter  nach  Herbertshöh  begeben.
An  seine  Stelle  ist  der  bisherige  Beamte  in  Naurn
Johannsen  getreten.

 

Der  Etat  des  Rongostaates

beziffert  sich  auf  die  Summe  von  54440  681  Frcs.,
wobei  der  belgische  Zuschuß  mit  2000  000  Frcs.  und
der  des  Königs  mit  900  000  Frcs.  bereits  einbezogen
  ist.  Die  Gesammteinnahmen  au5  Ein=  und
Ausfuhrzöllen  betragen  922  315  Frcs.  Die  Ausgaben
  für  den  Dienst  in  Europa  belaufen  sich  auf
97  600  Frcs.,  es  sind  dabei  aber  die  bedeutenden
Ausgaben  der  Departements  der  Finanzen,  der  Justiz,
und  des  Aeußeru  nicht  mit  eingerechnet.  Die  Ausgaben
  für  die  afrikanische  Verwaltung  sind  mit
624  985  Frcs.,  die  der  Schutztruppen  auf  2126470
Frcs.  und  die  der  öfsentlichen  Arbeiten  auf.  509853
Frcs.  angesetzt.