Full text: deutsches Wörterbuch. Zweiter Band H-O. (2)

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Krempel, k. Wollkamm; Dim. zu krampe Haken (s. d.), 
wegen der Zähne oder Häkchen, aus der die Krempel 
besteht. — krempeln, 1) zu krempe, mit Rand oder Auf- 
schlag versehen: einen hut krempeln, auch krämpeln ge- 
schrieben; vgl. dazu aufkträmpeln. 2) zum Masc. krem- 
pel, trödeln, mh. grempeln. 3) zum Fem. krempel, mit 
der Krempel bearbeiten: gekrämpelte wolle, pferdehaare 
brän.peln Adelung. — krempen, die Hutkrämpe auf- 
schlagen, aufschlagen überhaupt; vgl. auch aufkrämpen; 
— Wolle mit der Krempel bearbeiten. 
Krepieren, zu Grunde gehen; Lehnwort aus ital. 
crepare bersten, platzen, zu Grunde gehen; wohl im 
17. Ih. ausgenommen, 1739 noch als fremd erklärt: 
crepiren, mangel leiden und verderben Seriander 79; 
bald nachher aber allgemein, als stärkster Ausdruck von 
Menschen und Tieren: so wollte ich lieber, Sie hätten 
mich in dem lazarethe krepiren lassen Lessing Minna 
1, 8; wollt halb krepiren vor lachen Schiller Ränb. 
1, 2; dran krepirt ein mensch 4, 2; ich muszte schier 
vor ärgernis und langerweil krepiren Voß 4, 44; eine 
schlange die . crepirt Freytag Wald. 4, 2. Von 
Sprenggeschossen = platzen: die granate, bombe ist 
krepiert. — Krepp, m. feines lockeres Zeug, aus franz. 
Cröpe, ital. erespo, von lat. crispus, kraus. 
Kresse, k. 1) Name einer Pflanzengattung von schar- 
sem Geschmack; westgermanisches, wahrscheinlich ursprüng- 
lich deutsches Wort dunkler Herkunft, ahd. kresso, chresso 
Masc. und kressa Fem., mhd. kresse ebenfalls zwie- 
geschlechtig, altengl. cerse Fem.; von Dänen, Schweden 
als karse, krasse, von den Franzosen als cresson über- 
nommen. nasturtum kress, kresse, niederd. kerse Dief.; 
ihre speise war brot und bluterfrischende kresse Wieland 
Cyrus 1, 56; (Laube) die ich mit spanischer kress über- 
wölbt Voß Idyll. 5, 19. 2) anderes, nur hochdeutsches 
kresse, ahd. chresso, kresso, Masc., mhd. kresse, ein 
Flußfisch, Gründling; ebenfalls der Herkunft nach dunkel. 
Kreuz, n. Balken mit Querholz und ähnliche Figur; 
boch= und niederdeutsches Lehnwort von den Zeiten der 
Missionen des 7.—9. Ih. her, aus den obliquen Casus 
des latein. Fem. crun (Gen. crücis, Dat. crüci. Acc. 
crücem) übernommen, mit Dehnung des Stammvpocals, 
zugleich mit Geschlechtswechsel: ahd. crüci. chrüci. krüzi, 
später chrinze, mhd. kriuze, kriuz, altsächs. crüci, mnd. 
mudl. crüce, neuniederl. kruis; das Altfrief. zeigt neben 
krioce die Form kriose und krus, das Nord. kross als 
Masc., dän. schwed. kors. Plur. kreuze. mhd. krinze, 
dem alten Sing. gleich, doch kommt selten im Mhd. auch 
kriuzer, uhd. kreuzer vor: drei kreuzer (statt der Na- 
mensunterschrift) Möser Phant. 2, 302. Gebrauch 
1) zuerst vom Kreuze Christi: wio er selbo druog thaz 
krüzi, thö er thulta daz wizi, joh irstarp thäre in 
thes crüces altäre Otfrid 2, 9, 79; daz frôno chrüci 
dar der heligo Christ ana arhangan ward Muspilli 100; 
ernidriget sich selbs, und ward gehorsam bis zum tode, 
ja zum tode am creuz Phil. 2, 8; du hast mein heil, da 
du für mich gestorben, am kreuz erworben Gellert 
2, 199; als Gegenstand der Verehrung des Christen, 
der Betrachtung des Gläubigen: man sol dicke sines 
smerzen gedenken und der grimmen nöt die im des 
kriuzes marter bot Lamprecht Tocht. Syon 1034; 
dein göttlich kreuz im glauben zu verehren Gellert 
2, 198; wenn endlich, herr, mich meine sünden kränken: 
s0 lasz dein kreuz mir wieder ruhe schenken 200; 
daher Wahrzeichen und Sinnbild für Christen in mannig- 
sachster Weise: als Kruzifix auf dem Altar, auf Kirc 
höfen, an Wegen, vorgetragen bei Bittgängen u. s. w.: an 
sant Lucas tage do men mit kruze ging D. Städtechr. 
9, 817; bittgänge mit kreuz und fahnen Scheffel 
Ekteh. 114; auf dem Grabe der Christen: ein kriue 
2e scherm der sele uberg grap Parz. 107, 10; viele kreuze 
errichtet zum gedächtnis der wanderer, die die la- 
wine begraben Schiller Tell 5, 2; daher ein kreur 
7 7 
Krempel — Kreuz. 
— 
— 
Kreuz. 174 
hinter jemandes namen, geschrieben zum Zeichen, daß 
er gestorben: setzte er auch ein kreuzchen neben den 
namen, und schrieb dazu: obüt CF Meyer Jenatsch 
112; mit der Hand gemacht als Zeichen christlicher 
Weihung, Befehlung in Christi Schutz: si segenten dõ 
die vrowen, si machten in manc kriuze näch Virginal 
1076, 4; schlugen sie das kreuz und aszen Heyse 5, 3; 
zur Wahrung vor Bösem: tuot ein kriuze vür die tur, 
daz er iuwer gast iht (nicht) werde Ges. Abent. 3, 81; 
hab ichs (ein Schloß) verschlossen mit kreuz und mit 
segen Geibel 1, 165; daher als Geberde des Schutzes, 
Abscheues vor etwas auch im gewöhnlichen Leben: man 
spuckt und macht ein ercutz Günther 389; der mu- 
siker machte das kreuz vor dem teufel Schiller 
4, 208; nachdem er sich . umgewandt hatte, um drei 
bedeutende kreuze hinter der eigentümerin zu schlagen 
Gaudy 128; einst als Abzeichen der Kreuzfahrer: des 
tages dõ ich daz kriuze nam Minnes. Frühl. 181, 13; 
auch wider abendländische Heiden: daz swartze crüce 
entpfiengen sie wider von deme dütschen hüse dö 
livl. Chron. 2013; daher: das creuz predigen wider 
den Turken D. Städtechr. 3, 409; als Wahrzeichen auf 
Ordensmänteln, Ordenszeichen; als Krönung auf Kirchen, 
Kapellen, Spitälern und anderen Häusern der christ- 
lichen Liebe, als Grenzzeichen christlicher Gemeinden: 
swelem phaffen ein vorstat erloubet wirt, der ensol für 
enhein ander criuze in komen wand inwendig der vor- 
stette criuze, die ime erloubet ist Basler Rechtsqu. 
1, 18; auch als Wegweiser Parz. 180, 4; als Zeichen 
in Wappen, Münzen; vom ursprünglichen Wappenschild 
auf das Wirtshausschild übertragen; das rote kreuz, 
Sinnbild eines Vereins für Pflege und Schutz Ver- 
wundeter im Kriege; selbst als eigentümlich christlicher 
Schmuck: krenz, gemähelring Aventin 1, 112; eines 
Geistlichen: mit käppchen und kreuzchen . ward statt- 
lich Hans Bendix zum abte geschmuckt Bürger Kaiser 
u. Abt; Handzeichen zur Bekräftigung einer Urkunde 
Seitens solcher, die ihren Namen nicht schreiben können; 
in der Redensart zum kreuze kriechen, ursprünglich 
von Büßenden, die sich vor Christi Kreuz demütigen, 
später kräftiger Ausdruck für nachgeben, sich demütigen 
überhaupt: will er (Carlstadt) wider zum creuz kriechen 
Mathesius Luther 56; wenn nun aber die groben 
ältern zum kreuz kriechen Iffland Jäger 5,6; jetzt 
unbestimmter zu kreuze kriechen: da sind sie denn zu 
kreuz gekrochen Heyse 10, 403; mein Schorsch kriecht 
zu kreuz, wenn ich ihm nur mit dem bratspiesz drohe 
20, 323; das kreuz im Fluche: (den Mund aufmachen) 
zu einem kreuz sackerlot Schiller Wallenst. Lager 8. 
2) kreuz, Bild für Leid, Qual, Trübsal, angelehnt an 
den biblischen Gebrauch: wer nicht sein ereutz auf sich 
nimpt und folget mir nach Matth. 10, 38; wer nicht 
sein creutz tregt Luc. 14, 27; schon mhd.: da .. solt 
din kriuze hän enbor: als ez dir treit din schepher 
vor, alsõ solt düz näch im tragen Barl. 97,27; uhd. 
vielfältig: vicI kreuz haben, scin kreuz geduldig tragen, 
gott legt den gläubigen mancherlei kreuz auf Ade- 
lung: in leid und kreuz geduldig Gellert 2, 156; 
gott hat mir ein schweres kreuz aufgelegt Goethe 
Werther 2; auch von einem bösen Eheweibe (vgl. haus- 
etze ach gott, ein creutz und weib hast geben mir 
Ambraser Liederb. 206, 49. 3) als heidnisches Marter- 
gerät: jetzt wird er ans kreuz geschlagen Schiller 
Bürgschaft 100; als Name von Dingen mannigsacher 
Art, von denen ein senkrechter Teil durch einen wage- 
rechten durchschnitten wird, im Bergwerk Name mehrerer 
Hölzer, Zapfen, Gerüste, bei Tischlern Rahmen für 
Fenster, bei Buchdruckern und Buchbindern Werkzeug 
zum Trocknen der Bogen, bei Schwertfegern kreuz des 
degens, Teil zwischen Griff und Stichblatt, bei den 
Webern kreuz der veberkette, die sich durchkreuzenden 
Fäden, an der Presse der Kupferdrucker die Haspel zum