deren Bevöllerung in dem Ruse steht, der Regierung 1
feindlich gesinnt zu sein.
Nach anderthalbstündigem Marsche, der mich zu-
nächst durch die Nyassa benannten Schamben von
Kikale, dann durch welliges, unbewohntes Geländc
führte, erreichte ich das hinter einer größeren Höhe
gelegene erste Magongodorf Makoge.
Hier wie in den anderen Dörfern lief ein großer
Theil der Bewohner davon und ließ sich durch
keinerlei Zuruse zum Bleiben bewegen.
Mittags hatte ich in Tschukivi Gelegenheit, die
aus mehrstündiger Entfernung zusammengekommenen
streitbaren Magongolente zu sehen. Es waren einige
Hundert mit Gewehren, Spceren, Messern und
Aexten bewaffnete Männer erschienen, meist hohe
kräftige Gestalten, die mich mit scheuer Spamung
betrachteten, da den meisten in meiner Person der
erste Weiße zu Gesicht kam.
In dem eine Stunde entsernten Nyuaranywa blieb
ich bis zum nächsten Tage, an welchem ich um
10 Uhr in Ngarn anlangte. Hier ließ ich meine
Leute zurück und ging zunächst nach dem nahen
Singayongo.
Singayongo ist ein elwa 30 m hohes Lager von
Eruptivgestein mit intensivem Schwefelgeruch. Der
Anblick dieser weißen Steinhöhe, zu der man aus
völlig steinloser Gegend und auf waldbestandener
Fläche gelangt, ist ein in hohem Grade eigenartiger.
Etwa 150 m entfernt befindet sich ein zweites,
flaches Steinlager, dem ebenfalls der Schwefelgeruch
eigen ist, seine Länge mag elwa 100 m, seine Breite
etwa 40 m betragen.
Von hier gelangt man in einer halben Stunde
zum Ruhoi, der sich an dieser Stelle seeartig er-
weitert, aus Nordwest (Nyandanga) kommt und nach
Südost fließt, um unweit Mbumi in den RNufidji
einzumünden.
Nach einer weiteren Viertelstunde traf ich in
Nyongoni cin.
Blick, Gehör und Geruch finden sich gleichzeitig
in Anspruch genommen: im Ucberschwemmungs-
gebiet des Ruhoi erheben sich drei, über 1 m hohe
und mehrere Meter breite Ablagerungen, in deren
weiswandigen Trichtern klares Wasser brodelt,
während dem Ganzen ein starker Schweselduft ent-
strömt. Neben einem über 1½ m tiefen Trichter
und dementsprechendem Ablagerungsherde sind kleinere
und ganz kleine vorhanden, andere Quellen, offen-
bar jüngerer Entstehung, brodeln zu ebener Erde,
und zu vielen Tausenden zählen die nur eine einzelne,
bald verschwindende und gleich ersetzte Blase bildenden,
von einem unbedeutenden gelben Hof umgebenen
Quellchen. Die letzteren im Verein mit dem Brodeln
erinnern in Aussehen und Geräusch an den auf
Wasser niederfallenden Negen.
Die Quellen erstrecken sich über eine Fläche von
etwa 200 m Länge und über 50 m Breite, deren
Abdämmung ohne Schwierigkciten durchzuführen wäre.
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Ein jeder der erwähnten großen Ablagerungs-
herde enthält mehrere Quellen, und zwar verschiedener
Temperatur.
Zur Messung der Temperatur stand mir nur ein
Badethermometer zur Verfügung. Die gesundenen
Temperaturhöhen können demnach nicht als absolut
genaue gelten. Nach Ansicht der Leute wäre das
Wasser früher heißer gewesen.
Mehrere etwa 2 m breite Abflüsse aus diesem
Quellengebiet mit weißlichem bis roth-, grünlich= und
dunkelgelbem Grunde lassen beim Durchwaten eine
unangenehme Wärme empfinden.
Auffallend war, daß eine große Zahl kleiner
Fische in einem dieser Wasserläuse von 44° C. sich
durchaus wohl zu befinden und denselben zum slän-
digen Aufenthalt gewählt zu haben schienen. Da-
gegen war ein Frosch, der in ein Bassin von
51 /° C. hineinsprang, nach wenigen wilden Fluchten
regungslos und innerhalb einer halben Minute ver-
endet. Flußpferdspuren waren zahlreich auf den
Ablagerungen zu sehen.
Von Nyongoni, von wo aus der Rufidji in fünf
Stunden zu erreichen sein soll, kam ich nach ein-
stündigem Marsche am späten Nachmittag wieder in
Ngarn an, ging am nächsten Tage bis Makoge
und traf am darauffolgenden Morgen wieder in
Kikale ein.
Magongo ist eine Berglandschaft, die sich aus-
zeichnet durch große Fruchtbarkeit, ziemlich dichte
Bevölkerung, zahlreiche sanbere Dörfer mit gut ge-
bauten Hütten, lange Schambenreihen, die förmliche
Wälder von Mhogo und Mbasi bilden, eine grosie
Anzahl Fruchtbäume und andere Fruchtpflanzen, wie
Kokospalmen, Mangos, Orangen, Limonen, Papayas,
Bananen, Ananas, und endlich durch schöne Aus-
blicke auf die eigenen Höhen und auf die Matumbi-
berge.
Die Bevölkerung ist zur Zeit mit fremden
Elementen stark durchsetzt. Vornehmlich sind Be-
wohner von beiden Seiten des Rufidji, aus Unden-
dereko und von Kisiyn infolge der Hungersnoth
nach Magongo zusommengeströmt, das zwar auch die
Heuschrecken gehabt hat, aber mit Mohogo, Mbafi,
Viazi, Kunde, Schiroko reichlich versehen ist. Auch
Mtama findet sich. Kautschuk und Kopal werden
gewonnen, und Sesam ist ebenfalls vorhanden.
Bebaut werden fast nur die Höhenplateaus, die
meist sandigen Lehmboden rothgelber Farbe zeigen.
Vereinzelt sind auch schmale Thalsohlen bestellt. Ein
fast zwei Stunden langes Thal vor Ngaru mit
vorwiegend schwerem, humosem Lehmboden ist nach
Angabe der Leute früher in Kuliur gewesen, doch
sei dieselbe aufgegeben, weil der Boden zu schwer
und die Feldfrüchte durch die Sonne ausgebrannt
worden wären. Zum größten Theil weist das Land
milden Lehmboden auf. Ganz unfruchtbarer Sand
findet sich nur etwa eine Stunde weit zwischen
Makoge und Magaraba, und auffallend ist eine