Full text : Deutsches Kolonialblatt. VI. Jahrgang, 1895. (6)

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87.
Die  Ueberlassung  von  Kronland  (vergl.  §  6  der  Allerhöchsten  Verordnung  vom  26.  d.  Mts.)  kann
freihändig  oder  im  Wege  der  öffentlichen  Versteigerung  geschehen.

88.
Der  Gonverncur  bestimmt  die  Behörde,  bei  welcher  Anträge  auf  Ueberlassung  zu  stellen  sind.
89.

Bei  der  Ueberlassung  ist  der  Regel  nach  als  Bedingung  zu  stellen,  daß  das  erworbene  Land  binnen
einer  nach  den  Umständen  des  Falles  zu  bemessenden  Frist  in  einem  bestimmten  Umfang  urbar  gemacht,
bepflanzt,  mit  Wohncinrichtungen  versehen  oder  sonst  benutzt  werde.  Für  den  Fall  der  Nichtinnehaltung  der
Bedingungen  kann  eine  Konventionalstrafe  bestimmt,  auch  der  Rückfall  des  Landes  ohne  Entschädigung  vorbehalten
  werden.

Der  Gouverneur  ist  ermächtigt,  ausnahmsweise  von  der  Stellung  besonderer  Bedingungen  bei
Ueberlassung  von  Kronland  überhaupt  abzusehen.

.  10.
Bei  Verkäufen  kann  der  Kaufpreis  ganz  oder  zum  Theil  gegen  Sicherheit  gestundet,  bei  Verpachtungen
  die  Leistung  einer  Sicherheit  verlangt  werden.  Der  Nachweis  eines  bestimmten  Betriebskapitals
ist  nicht  erforderlich.

IV.  Allgemeine  Vorschriften  über  die  Veräußerung  und  den  Erwerb  von  Grundstücken.
·  §1l.

Wer  ein  Grundstück  der  im  §  11  der  Allerhöchsten  Verordnung  vom  26.  d.  Mts.  erwähnten  Art
zu  Eigenthum  erwerben  oder  pachten  will,  hat  hiervon  unter  möglichst  genauer  Bezeichnung  des  Grundstücks
nach  Lage  und  Ausdehnung  und  unter  Angabe  der  mit  dem  Veräußerer  oder  Verpächter  verabredeten
Bedingungen  bei  dem  Gorwerneur  oder  der  von  diesem  bezeichneten  Behörde  Anzeige  zu  machen.

12.
Der  dazu  berufenen  Behörde  liegt  ob:

a)  sich  zu  vergewissern,  ob  und  in  welchem  Umfange  der  Ueberlassende  über  das  Grundstück  zu  versügen
  befugt  sei,  und  wenn  sich  ergiebt,  daß  andere  Mitberechtigte  vorhanden  sind,  die  Zuziehung
der  letzteren  zu  dem  Rechtsgeschäft  den  Parteien  aufzugeben;

b)  dahin  zu  wirken,  daß  der  Veräußerer  oder  Verpächter  über  die  thatsächlichen  und  rechtlichen
Folgen  des  beabsichtigten  Rechtsgeschäfts  aufgeklärt  und  von  dem  Erwerber  nicht  übervortheilt  werde;

IO)  festzustellen,  ob  nach  der  Veräußerung  oder  Verpachtung,  soweit  solche  von  Häuptlingen  oder
Gemeinschaften  erfolgt,  genügend  Land  für  den  serneren  Unterhalt  der  Gemeinschaft  noch  verbleibt;

(0  nach  Anhörung  der  Betheiligten  vorzuschlagen,  welche  Beschränkungen  oder  Verpflichtungen  dem
Erwerber  oder  Pächter  im  öffentlichen  Interesse  aufzulegen  und  zu  begutachten,  ob  besondere
Bedingungen  bezüglich  der  Zeit  und  des  Umfanges  der  Nußbarmachung  der  Grundstücke  dem
Erwerber  oder  Pächter  vorzuschreiben  sind.

8  13.
Der  Gouverneur  entscheidet,  ob  die  Genehmigung  zu  ertheilen  und  welche  Bedingungen  dabei
etwa  aufzulegen  sind.
Durch  die  Genehmigung  werden  Ansprüche  Dritter  auf  das  Grundstück,  soweit  dieselben  nicht  ausdrücklich
  verzichtet  haben,  nicht  berührt.  Derartige  Ansprüche  sind  auf  den  Rechtsweg  zu  verweisen.

8  14.

Der  Gouverneur  ist  befugt,  die  im  8  12  der  Allerhöchsten  Verordnung  vom  26.  d.  Mts.  vorgesehenen
  Ermächtigungen  behufs  vorläufiger  Besitznahme  solchen  Personen  und  Gesellschaften  zu  ertheilen,
welche  güößere  wirthschaftliche  Unternehmungen  beabsichtigen  und  für  den  Ernst  ihrer  Unternehmungen  Gewähr
  bieten.

Der  Gouverneur  bestimmt  die  Frist,  innerhalb  welcher  die  nach  §  12  Absatz  2  der  Allerhöchsten
Verordnung  vom  26.  d.  Mts.  erforderliche  Genehmigung  nachzusuchen  ist.

15.
Der  Gouverneur  hat  die  weiteren  zur  Ausführung  der  Allerhöchsten  Verordnung  vom  26.  d.  Mts.
und  dieser  Verfügung  erforderlichen  Bestimmungen  zu  erlassen.
Berlin,  den  27.  November  1895.

Der  BReichskanzler.
(gez.)  Fürst  von  Hohenlohe.

 

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