677
lohgar, durch Lohe gar gemacht: lobgares leder. —
Lohgerber, w. Handwerker der mit Lohe Leder gerbt. —
Lohgerberei, k. Gewerbe des Lohgerbers und Ort wo
es getrieben wird. — Lohgrube, k. Grube worin das
Leder mit Lohe gegerbt wird. — Lohhecke, k. Hecke zur
Gewinnung von Lohe: aupflanzung von lohhecken
Bismarck Reden 9, 43. — Lohkäse, m. die in Käse-
form gepreßte Gerberlohe: setzt er auf einander stafels-
weis vie die gerber jre lokäsz Garg. 99. — Loh-
mühle, f. Mühle in der Lohe gemahlen wird.
Lohen, als Lohe emporschlagen, mhd. in gleicher
Form; lohen, ignescere, (lammescere, das feuer loher
auf Stieler; der rothen wachtfeuer glut, die da
vor jedem zelte lohten Freiligrath 1, 104; nie hat
ein unstät zuckend fackelrot dir über deine kühle
stirn geloht CF Meyer Ged. 18; übertragen: was so
unlöschbar loht, ist liebe Heyse 9, 119; mag dann
der abglanz auch erbleichen, im herzen lobt die
schönre spur Keller Werke 9, 67.
Lohn, u. m. Vergütung für Dienste; gemeingerm.
Wort, goth. altnord. laun, altengl. leän, altsächs. ahd.
mhd. lön; der Schlußlaut ist ableitend, in Urverwandt-
schaft steht altflav. lovũ Jagdbeute, loviti jagen, erjagen,
so daß die ursprüngliche Bed. des Wortes wohl — Er-
beutetes, Erjagtes war und von da in den weiteren
Begriff des durch Arbeit Erworbenen eintrat. In der
alten Spr. ist das Geschlecht Neutrum, ahd. mhd. kommt
dazu das Masculinum auf, das in der neueren Spr.
vorwiegend geworden ist. Plur. dazu ist ahd. löna,
mhd. aber leene, dem entsprechend uhd. löhne: die löhne
verringern Bismarck Reden 12, 205. lohn, Vergütung
für Arbeit der Dienstboten, Hand= und Feldarbeiter,
Handwerker, vgl. arbeits-, boten-, dienst-, fuhr-, ge-
einde-, handwerker-, tage-, wochenlohn u. a.; ein er-
beiter ist seines lohns werd Luc. 10, 7; rufe den er-
beitern, und gib jnen den lohn Matth. 20, 8; begert
dannoch (für den Dienst) kein lohn dazu Garg. 103;
(wenn er) dem knecht den lohn entzieht Cronegk
2, 102; bei jemand in lohn und brot stehen, vgl. unter
brot; in jemandes lohn und kost sein, vgl. unter kost;
in älterer Spr. auch Vergütung für Dienste von Priestern,
Arzten: ewer lohn für ewr ampt in der hütten des
stilts 4. Mos. 18, 31; ärzt, welche ein gar ungerechten.
lohn .. nemmen Schuppius 769; und sonst bis heute
Entgelt für eine Dienstleistung: jre priester leren umb
lon, und jre propheten warsagen umb geld Micha 3, 11;
es messe der lohn streng an der mühe sich ab Schiller
Glück 56; in unzüchtigem Sinne: das ist mein lohn,
den mir meine buhlen geben Hohel. 2, 12; — von dem
was Gott den Menschen als seinen Knechten für ihre
Werke zuteilt: jr habt anders keinen lohn bei ewerm
vater im himel Matth. 6, 1; in jener welt.. verteilt
gott straf und lohn Gellert 2, 15; gottes lohn wird
Wohlthätern gewünscht: dem fremden ritter gottes lohn
zu wünschen Wieland Ob. 3, 49; Gott selbst als
lohn: die gerechten werden ewiglich leben, und der
herr ist jr lohn Weish. Sal. 5, 18; lohn aber auch
Vergeltung für Ubelthaten, Strafe: das ist der lohn
eines gottlosen menschen bei gott Hiob 20, 29; — Ver-
geltung, die sonst unser Thun und Lassen trifft: lohn.
der tugend, treue; der süszen liebe milden lohn
PFleming 190; der Philaide herz sei deiner grosz-
muth lohn Cronegk 1, 179; ihm ward ein kuss zu
lohne Uz 1, 38; gibts einen andern schönern lohn als
dich? Schiller der Kampf; lohns genug Grillparzer
5, 279; Gegensatz zu strafe: sein ganzer lohn und seine
strase Platen gläs. Pantoffel, Prolog; aber auch wie
strafe selbst: den lohn jres jirthumbs Röm. 1,27; er
ist ein spion . strick ist sein lohn Hebel 2, 161;
oder mehr in ironischem Sinne: der welt lohn, mhd.
der werlde lön (Kp Würzburg); undank war mein
lohn; der kerker ward sein lohn Gellert Fab. 2, 21;
lohgar — Lohn.
678
der räuber ist gefallen, er bat den blutgen lohn
Uhland 203. — Zusammensetzungen: Lohnarbeit, k.
Arbeit um Lohn. — Lohnarbeiter, m. der um Lohn
arbeitet. — Lohnbedienter, m. Bedienter ohne fesie An-
stellung, der nur auf Zeit um Lohn dient. — Lohn-
diener, m. Lohnbedienter. — Lohnfuhre, f. Fuhre die
von einem Mietfuhrwerk um Lohn geleistet wird. —
Lohnhandwerker, m. Handwerker der nur Arbeiten auf
Bestellung macht. — Lohnkutsche, k. Mietkutsche. —
Lohnkutscher, m. der eine Lohnkutsche führt. — Lohn-
lakei, m. auf Zeit gemieteter Lakei (vgl. lohnbedienter):
ich zahlte einem lohnlakai für zwei stunden einen
kleinen thaler Seume Spaz. 2, 136. — Lohnsatz, m.
was an Lohn für einen Arbeiter Satz ist: dasz die
lohnsätze damals höher gewesen seien Bi Smarck Reden
2, 180; da der fabrikherr allein nach seinem vorteil
den lohnsatz bestimmt 184. — Lohntag, m. Tag an
welchem Lohn gezahlt wird.
Lohnen, mit Lohn versehen; gemeingerm., nur goth.
nicht belegte Ableitung von lohn, altnord. launa, alt-
engl. leänian. altsächs. ahd. 15n5n, mhd. lönen; Lohn
für eine Arbeit gewähren; absolut: heute wird gelohnt,
Lohn ausgezahlt; mit Dat. der Person: sie . lohnen
dem goldschmide, das er einen gott draus mache Jes.
46, 6; Sie werden dem boten lohnen Rabener 3, 183;
in älterer Spr. mit ursächlichem Gen.: des wil ich dir
150en Nib. 1091; später einem für etwas lohnen; mit
Acc. der Person: nun soll ich zahlen, alle lohnen
Goethe Faust II 1; — von Gott gesagt: der herr
lohne inen, wie sie es verdient haben Sir. 35, 24; so
wird es der himmel lohnen Freytag Ahnen 5, 125;
mit sächlichem Dat.: solchen gottseligen thaten kann
nur golt lohnen Goethe 43, 286; als Wunschformel:
gott lohn euch eure gutthat Schiller Tell 4, 1; auch
— strafen: gott wird ihm dessen lohnen fein Opel-
Cohn 11, 33; — von sonstiger Vergeltung eines Thuns
oder Lassens, in mehrfacher Fügung: thue ichs gerne,
so wird mir gelohnet; einem für etwas lohnen, alt
und altertümelnd mit Gen.: sie lohnten desz der lieb
und mir Wieland Vogels. 211; einem für etwas lohnen;
wie lohn ich dir Schiller Jungfr. 3, 4; lohnst du mir
also für meine schlaflosen nächte? Kab. 1, 7; mit Acc.
einen lohnen: deine mutter, lohne mit deinem leben
sie Gleim 5, 278; sie, die meine liebe lohnt Goethe
Juny; einem etwas lohnen: wie lohn ich dir so viele
schöne thaten? Göckingk 3, 129; etwas lohnen: ge-
mäht ist die wiese, das lohn ich mit reichlicher spende
Uhland 239; — mit dem sächlichen Subj. einer That
oder eines Verfahrens, in denselben mannigfachen
Fügungen: das lied ist lohn, der reichlich lobnet
Goethe der Sänger; der freudentaumel seiner gäste
lohnte dem erhabnen wirth Schiller 6, 21; als
suszer gottesfrieden noch der reinen seele lohnte
Lenau 101; mit Acc.: wer hohes muths sich rühmen
kann, den lohnt nicht gold, den lohnt gesang Bürger
Lied vom brav. Mann; etwas lohnt sich, eine arbeit;
des vaters untergehende sonne lohnt das neue tage-
werk nicht mehr Schiller Karl. 5, 9; welche ab-
weichung zu beweisen nicht die muhe lohnte Goethe
53, 195; häufig in der Fügung etwas lohnt der mühe
(wobei der mühe nach alter Weise ursächlicher Gen.,
wegen der muhe, für die mühe ist): die dienste der
groszen . . lohnen der muhe, des zwanges, der er-
niedrigung nicht, die sie kosten Lessing Minna 5, 9;
refl.: dann lohnt es nimmer sich der mühe mehr, sich.
zu vertheidigen Grillparzer 9, 39; auch nur es lohnt;
das lohnt nicht; wenn ihr geht, lohnts einem hier
nicht Klinger Theater 4, 120; — lohnen im ironischen
Sinne (vgl. dazu lohn a. E.): wie liebe mit leide zu
jungest lönen kan Nib. 17; dasz sie (die Welt) für
dein verschonen dir schändlich wurde lohnen PGer-
hard 257; dein blick wägt ein leben eitler tugend auf,
43
Lohnarbeit — lohnen.