Full text: Deutsches Kolonialblatt. IX. Jahrgang, 1898. (9)

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In früheren Jahrhunderten schätzte man in Zeiten Einfuhrfreiheit für heimische Waaren, mit Ausnahme 
großen Handelsverkehrs 50 000, Anfang dieses von Alkohol, destillirten Getränken und Tabak, auf 
Jahrhunderts 12 000 Einwohner, heute darf man! Principe angeordnet. 
ohne Uebertreibung 30 000 annehmen. 1 Durch Dekret vom 24. August 1893 wurde der 
Die Gewerbesteuer ist in einer Ackerbaukolonie, „Companhia da llha do Principe“ unter günstigen 
bei der geringen Entwickelung des Gewerbes natür= Bedingungen der Anbau des brachliegenden Staats- 
lich nur klein und wurde zuletzt auf S. Thome mit eigenthums an Grund und Boden im Süden der 
4600 Doll. — 13 500 Mk. berechnet. Insel bewilligt, und die Gesellschaft hat mit portu- 
Die Registersteuer ergab 1896/97 31 549 Doll. giesischem Kapital bereits Pflanzungen von Kakao, 
35 Reis = 96 000 Mk. Kaffee, Zuckerrohr, Gummi und Vanille angelegt. 
Den Ausgaben 1896/97 liegt folgender Vor- Wird der Arbeitermangel auf S. Thomé und 
anschlag zu Grunde: 
  
  
Dollar 1 Frineh befeitat #K frbe " r*m: dersoeche 
. · » ten Inseln des portugiesischen Besitzes eine aussichts- 
Allgemeine Verwaltung 71 665,425 volle Zukunft und lassen sich den — 
Finanz- - . 25 366,750 leichstellen 
Justiz= " 12 100,750 9 « 
Kultus- - 7210,8341 Angola. 
Militär= "D 46 213,355 Von Angola können wir berechtigtermaßen am 
Marine E 3162,000 meisten hoffen nicht nur wegen seiner Fruchtbarkeit, 
Allgemeine Lasten. .. 22259,840 sondern auch wegen der engen Beziehungen, die es 
Frühere Budgets 600,000 mit dem Mutterlande verbinden und die es zum 
Verschiedene Ausgaben 19 365,410 Markte einiger unserer werthvollsten Gewerbeerzeug- 
Außerordentliche Ausgaben 47 600,000 nisse gemacht haben. Von der Natur ist es nicht 
255 544,364 spärlich bedacht worden, und unsere Kolonialpolitik 
—– 768 000 Mk. hat das zu Gunsten des Mutterlandes nach Mög- 
Davon werden für Unterricht 2650 Doll. aus- 
  
  
  
  
  
  
  
lichkeit auszunutzen gesucht. Angola kräftig zu ent- 
wickeln muß daher ganz besondere Pflicht sein. Die 
1 Provinz ist 14 Mal größer als Portugal, der Boden 
mineralreich und zu verschiedenem Anbau geeignet, 
Für öffentliche Arbeiten sind 32 000 Doll. or- 1 sie ist von Flüssen durchzogen und hat ein Klima, 
dentliche und 45 000 Doll. außerordentliche Aus= das in verschiedenen Gegenden europäische Kolonisation 
gaben angesetzt. Was bis heute geleistet ist, ist indeß zuläßt. Die Bevölkerung ist im Allgemeinen gelehrig 
verhältnißmäßig gering. aund nimmt ohne Schwierigkeit unsere Herrschaft und 
Die Herstellung der Straßen auf S. Thomé unseren Einfluß an. So ist Angola mit Recht als 
und Principe, wozu die Regierung durch Dekret vom eine Besitzung anzusehen, die Portugal weitere Be- 
19. November 1896 ermächtigt worden ist und wo= dingungen seines Gedeihens liefern und ihm die Mittel 
für 50 000 Doll. nebst 20 pCt. des Ueberschusses zur wirthschaftlichen Wiedergeburt und zu politischem 
der Einnahmen angesetzt sind, wird zur Entwickelung Uebergewicht geben kann. 
der Ausfuhr beitragen. i Leider befand sich bei Aufstellung des Haushalts 
Für die Post ist eine Ausgabe von 1400 Doll. von 1896/97 Angola aus verschiedenen Ursachen in 
ausgeworfen. 1885 kamen 288 Briefe an und 240 einer vorübergehenden wirthschaftlichen Krisis und 
wurden abgesandt. 1896 waren die betreffenden hatte in dem genannten Rechnungsjahre eine Mehr- 
Zahlen 3223 und 3028. Eine gleichfalls bemerkens- ausgabe von 409 812 Dollar 495 Reis (1230 000 Mk., 
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gegeben. Es giebt in der Provinz 4 Lehrer und 
3 Lehrerinnen und außerdem 5 Geistliche, die gegen 
staatliche Vergütung Elementarunterricht ertheilen. 
werthe Steigerung ist in den anderen Postsendungen indem 
eingetreten. die Einnahmen auf 1 374 429,335 Doll. 
Was Principe angeht, so ist es, wie S. Thomé, * Ausgaben 1 784 241,830 
vielen Wechselfällen ausgesetzt gewesen. In früherer berechnet wurden, während 1894/95 bei der Auf- 
Zeit blühten dort Zuckeranbau und Sklavenhandel, stellung des Budgets auf eine Mehreinnahme von 
später verfiel der Verkehr, und 1875, als die 102 162 Dollar 659 Reis (306 000 Mk.) gerechnet 
Sklaverei abgeschafft wurde, war die Insel fast ver= werden konnte. 
lassen, weil die europäischen Einwanderer mehr von Die Einnahmen, die bisher ständig und be- 
den günstigeren Verhältnissen auf S. Thome an= trächtlich gestiegen waren, nahmen in kurzer Zeit 
gezogen wurden. Erst seit 1878 beginnt dort wieder auffällig ab, eine Folge der billigen Kaffeepreise. 
etwas Ackerbau und Kakavanpflanzung. 1868 hatte Die Ausfuhr wurde in der Erwartung günstigerer 
Principe 6050 Doll. 858 Reis = 27 000 Mk., Preise zurückgehalten, infolge davon auch die Einfuhr 
1879/80 schon 10 575 Doll. 469 Reis = 47.500 Mt. vermindert, die in Ländern wie Angola stets sehr 
Zolleinnahmen. — von der Ausfuhr abhängig ist. So erklärt sich der 
1892 wurde Ausfuhrfreiheit für Waaren nach Fehlbetrag im Haushalt. Die Zolleinnahmen stellen 
dem Festlande und den benachbarten Inseln, sowie mit 1 061 400 Dollar (3 000 000 Mk.) 77 pCt der
	        
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