348 Erkennt Preußen Italien an? Dänische Frage. Die Abschiedsaudienz.
an der Richtigkeit derselben und beklagt sich bei mir darüber, daß wir unsre Entschließungen
festgelegt hätten, ohne mit Rußland zu verhandeln, wäre es auch nur in betreff von Zeit
und Modalität der Ausführung gewesen, falls überwiegende Gründe uns in der Haupt-
sache unwiderruflich bestimmten, auch ohne Rücksicht auf etwaige Bedenken Rußlands
vorzugehn. Ich habe mich auf die Erwiderung beschränkt, daß mir direkte Mitteilungen
fehlten, daß aber auch dann, wenn Baron Budberg recht berichtet wäre, der Versuch der
Verständigung mit der kais. Regierung immer noch zulässig erscheine, da in allen
Fällen, wo Kabinette über eine Frage in Unterhandlung träten, ein jedes derselben sich
vorher das Ziel, zu welchem es die Verhandlungen zu führen wünsche, klar zu machen
pflege. Dies könne in Berlin bezüglich der Anerkennung der Fall gewesen sein, ohne daß
dadurch etwaigen Unterhandlungen über gemeinsames Verhalten beider Mächte in höherem
Maße vorgegriffen werde, als das der Regel nach unter ähnlichen Umständen der Fall
zu sein pflege.¹)
*299. Telegramm an Minister Graf Bernstorff.
6. April 1862.
Die außerdeutschen Mächte, wenigstens England und Rußland, unterhandeln über
gemeinschaftliche Verwahrungsschreiben¹) gegen die uns zugeschriebene Auffassung, daß
dänische Verbindlichkeiten in betreff Schleswigs Gegenstand einer Bundesexekution
sein könnten.
300. Bericht an König Wilhelm I.
[Ausfertigung.]
8. April 1862.
Nach Empfang meines Abberufungsschreibens habe ich mit dem Fürsten Gortschakow
über den Zeitpunkt, auf welchen meine Abschiedsaudienz zu verlegen sein würde, Rück-
sprache genommen. Da E. M. mir allergnädigst gestattet hatten, meine Abreise bis zur
Erledigung meiner durch den Umzug bedingten Geschäfte aufzuschieben, so hatte ich für
dieselbe den Schluß der Osterwoche in Aussicht genommen. Wenige Tage später¹) ist
der Geburtstag des Kaisers, an welchem S. M. das diplomatische Korps zu empfangen
pflegt, und mein Nachfolger eine schickliche, in den nächsten Monaten mutmaßlich nicht
wiederkehrende Gelegenheit zur Einführung am kais. Hofe hat, nachdem er zuvor sein
Beglaubigungsschreiben übergeben haben wird. Jedenfalls erschien es nicht angemessen,
daß alsdann bei dem offiziellen Empfange des diplomatischen Korps mein Nachfolger und
ich gleichzeitig hier anwesend wären.
Da in der letzten Woche vor Ostern keinerlei Empfang am Hofe stattfindet, so ver-
abredete ich mit dem Fürsten Gortschakow, daß er die Abschiedsaudienz für mich auf
den dritten Ostertag nachsuchen sollte, falls sich annehmen lasse, daß mir alsdann die
298. 1) Vgl. Nr. 311.
299. 1) Konzept: gemeinsame verwahrende Schritte.
300. 1) 29. April.