ruhre, soweit sie der Flotte angebörten, wurden in oerdiente Strafe genommen.
Das Kriegegerlcht erließ elnzelne Todesurteile, die an den am schwersten belasteten
Leuten auch vollzogen wurden.
Die Marine ersuchte die Reglerung, gegen die eigentlichen Schuldigen,
dle hetzerlschen Abgeord neten, wegen Landesverrat# vorzugehen. Aber es stellte
sich heraue, daß der Nachfolger Bethmanne noch wenlger ais dieser selber die
Totkraft besaß, ernstlich einzugreifen und die Zustimmung der Reichstagemehrbeit
zu einem Vorgehen gegen die durch ihre Immunität gedeckten Abgeordneten
herbeizuführen.
So war die Wunde äußerlich geschlossen: in der Tiefe fraß das Geschwür
weiter. Feindiiche und umstürzlerische Propaganda fanden vor wie nach, wie
in die Schützengräben, so auch in die Mannschafteräume der Flotte Eingang.
Während aber drauhen am Feinde noch lange, so, bei der überwältlgenden Mehr--heit
der Fronttruppen bie zur Heimkehr der Armee die drängende Not des
Kampfes und die Erhebungen gemeinsam crfochtener Abwehrsiege als Gegengift
wirkten, das die Zersetzungskeime gerstörte, flel die tatenlose oder im aufreizend
eintönigen Minensuch- und Wachdienst aufgerlebene Marinemannschaft
lhnen wlderstandelos zum Opfer. Das war die lietzte Auswirkung der Bethmannschen
Marinepolltik: „den Feind nicht zu reizen“ und die Flotte „in Watte
zu verpacken“, um sie „beim Friedensschluß in die Wagschale werfen zu können“:
die Flotte wurde zur Brutstätte der Revolution.
„Die Magiert kamen — doch keiner verstand
zu deuten die Flammenschrift an der Wand.“
2.
Und dennoch: Englands Seeherrschaft wankte.
Das Mittel zu ihrem Sturz war gefunden. Frage war bloß, ob Deutschland
noch U-Boote und U-Boot-Besatzungen genug ine Treffen führen konnte,
um die therretische Gefährdung so weit in die Praxle umzusetzen, daß sie Englands
zähe Widerstandskraft untergrübe. Den Deutschen war nach ihren bisberigen
Leistungen allee zuzutrauen. Und den ganzen Sommer 1917 hindurch
bielten sich die Bersenkungszlffern auf einer derart bedrohlichen Höhe, daß die
Hoffnung der Westmächte, bie zum militärischen Eingreifen Amerikas sich eine
weitere große Unternehmung zu Land ersparen zu können, zuschanden wurde.
Sah es nicht aus, als könne die Tätlgkeit der stählernen Meerhaie gar den Seetransport
der amerikanischen Hilfsarmee In schwere Gefahr bringen? Es war,
nach einer englischen Stimme, „die kritischste und tödlichste Zeit gekommen, die
England seit Krlegsbeginn erlebt hatte“.
Es mußte etwas geschehen. Einc Offensive der Grand Fleet gegen dle
deutsche U-Boot-Basie ln der Nordsee war jetzt gar nicht mehr möglich: die hatte
England slch durch selne gewaltlgen Minensperren selber verbaut. Aber innerhalb
der Reichwelte des englischen Landheeres lag der zweite Stützpunkt des Vernichtungskrieges,
der Englands Lebensnero bedrohte: die deutsche U-Boot-Basie
in Flandern, die Häfen von Brügge und Zeebrügge.
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