Die Diskontpolitik. 143
zent gebracht hatte, bereits am 18. Mai zu einer Diskontherabsetzung auf 3½ Prozent
führte, während die Preußische Bank niemals unter 4 Prozent herabgegangen war;
daß ferner auch die Jahre 1877 und 1878, trotz der Stockung der Unternehmungslust
und der auf dem offenen Markte herrschenden Geldflüssigkeit, längere Perioden eines
Zinssatzes von 5 Prozent, 1877 sogar von 5⅛/ Prozent aufwiesen, und daß schließlich,
als in den ersten Monaten des Jahres 1879 zu der Abnahme der Anlage und dem gänzlichen
Verschwinden des ungedeckten Notenumlaufs eine wesentliche Besserung des Goldvorraths
der Reichsbank hinzutrat, am 21. März 1879 zum ersten Mal ein Bankdiskont
von nur 3 Prozent proklamirt werden konnte.
So schloß diese erste Periode der Wirksamkeit der Deutschen Reichsbank trotz
aller aus den Währungsverhältnissen hervorgehenden Schwierigkeiten mit einem ungewöhnlich
niedrigen Diskontsatz ab.
1879—1883.
Das Jahr 1879 ist ein wichtiger Wendepunkt in der Geschichte der Bankpolitik
der Reichsbank. Die Periode 1873 bis 1879 war eine Zeit wirthschaftlichen Stillstandes
und die Jeit der planmäßigen Durchführung der Münzreform. Vom Jahre
1879 an bis 1882/83 ging die allgemeine wirthschaftliche Konjunktur wieder aufwärts.
Die Durchführung der Münzreform ferner wurde im Jahre 1879, freilich
nicht im Sinne des Münzgesetzes von 1873, beendigt; die großen Verluste, die in
Folge der fortschreitenden Silberentwerthung an den Silberverkäufen erlitten wurden,
veranlaßten den Reichskanzler, am 18. Mai 1879 die Einstellung der Silberverkäufe
zu verfügen. Damit wurde auch die Einziehung des Restes der noch vorhandenen
Landessilbermünzen eingestellt. Von allen beim Beginne der Münzreform im Umlaufe
befindlichen Landesmünzen waren nur die Einthalerstücke noch nicht außer Kurs gesetzt,
und von diesen war (im Mai 1879) nach einer Schätzung des damaligen Reichsbankpräsidenten
noch ein Betrag von 476 Millionen Mark vorhanden, theils in der
Zirkulation, theils in den Landeskassen.
Der um die Mitte des Jahres 1879 einsetzende wirthschaftliche Aufschwung
empfing seinen Anstoß von den Vereinigten Staaten von Nordamerika, wo der Ausbau
des Eisenbahnnetzes damals mit besonderer Energie betrieben wurde, so daß ein Theil
des Materialbedarfs in Europa gedeckt werden mußte. Von Anmerika verbreitete sich
die Belebung des Unternehmungsgeistes über die ganze Kulturwelt. Theilweise kam
es zu starken spekulativen Uebertreibungen und Ausschreitungen, so namentlich an der
Pariser Börse, auf der beim Beginn des Jahres 1882 eine heftige Krisis, der
Der wirthschaftliche
Aufschwung und sein
Einfluß auf den
Geldbedarf.