Full text : Deutsches Kolonialblatt. XI. Jahrgang, 1900. (11)

vernementsbeiraths  von  sieben  —  der  Mehrzahl  nach
deutschen  —  Ansiedlern,  und  neuerdings  auch  durch
Schaffung  eines  Eingeborenenraths,  an  dessen  Spitze
der  Höuptling  Mataafa  steht,  ist  der  Versuch  gemacht
  worden,  das  Laienelement  im  weitesten  Umfang
an  der  Verwaltung  zu  betheiligen.

Allgemeine  Maßnahmen  für  sämmtliche
Schutzgebiete.

Im  Anschluß  an  das  Erscheinen  eines  neuen
Konsulargerichtsbarkeits-Gesetzes  war  die  Abänderung
der  bestehenden  Gesetze,  betreffend  die  Rechtsverhältnisse
  in  den  deutschen  Schutzgebieten,  geboten.
Außer  einer  diesbezüglichen  Gesetzesnovelle  vom
25.  Juli  d.  Is.  ist  zur  besseren  Uebersicht  eine  Neuredaktion
  der  ganzen  Materie  erfolgt.  Alle  Vorschriften
  sind  jetzt  unter  dem  Namen  Schutzgebietsgesetz
zusammengefaßt.  Zu  seiner  Ausführung  werden  eine
Kaiserliche  Verordnung  und  Dienstanweisungen  ergehen.

Auf  dem  Gebiete  des  Gesundheitswesens  in
den  Schutzgebieten  liegen  keine  besonderen  Meldungen
  über  endemische  und  epidemische  Krankheiten
  vor.

Im  Vordergrunde  des  Interesses  für  die  Tropenhygiene
  steht  die  Rückkehr  des  Geheimen  Medizinalraths
  Professors  Dr.  Koch  von  seiner  Malariaforschungsreise.
  Seine  großen  praktischen  Erfolge
und  die  daraus  abgeleiteten  aussichtsvollen  Methoden
zur  Bekämpfung  der  Malaria  sind  in  seinen  Reiseberichten
  niedergelegt  und  in  der  medizinischen  Fachpresse
  (Deutsche  Medizinische  Wochenschrift)  veröffentlicht.


Neben  den  Ergebnissen  der  Kochschen  Forschungsreise
  liegen  noch  von  zwei  Seiten  Vorschläge  über
neue  Methoden  zur  Malariabekämpfung  vor:
Regierungsarzt  z.  D.  Dr.  F.  Plehn  und  Stabsarzt
Zupitza  haben  über  die  von  Engländern  und
Italienern  in  Europa  durchgeführten  Versuche,  durch
Moskitoschutz  der  einzelnen  Menschen  die  Malaria
zu  vermeiden,  günstig  berichtet.

Ein  anderer  Weg  ist  von  Stabsarzt  Dr.  Kuhn
in  Südwestafrika  eingeschlagen:  Die  Gewinnung
eines  Heil-  und  Immunisirungsmittels  gegen  Malaria
  aus  thierischen  Säften  (Pferdeblut).  Ueber
diese  Erfindung,  die  im  Widerspruch  zu  allen  bisherigen
  diesbezüglichen  Versuchen  Anderer  stehen
würde,  liegen  abschließende  wissenschaftliche  Berichte
noch  nicht  vor.

Das  neue  Institut  für  Schiffs=  und  Tropenkrankheiten
  in  Hamburg  wird  in  nächster  Zeit  eröffnet
  werden.

B.  Schutztruppen.
1.  Die  Schutztruppe  für  Kamerun  ist  um
5  Hauptleute,
5  Oberleutnants,
8  Leutnants,
28  Unteroffiziere  2c.,
5  Sanitätsoffiziere
und  etwa  350  Köpfe  farbiger  Mannschaften
vermehrt  worden.

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2.  Neuregelung  der  Militärstrafgerichtspflege:

Mit  Einführung  der  Militärstrafgerichtsordnung
vom  1.  Dezember  1898  für  das  deutsche  Reichsheer
  zum  1.  Oktober  1900  wurde  es  erforderlich,
eine  Abänderung  der  Allerhöchsten  Verordnung,
betreffend  das  strafgerichtliche  Verfahren  gegen
Militärpersonen  der  Kaiserlichen  Schutztruppen,
vom  26.  Juli  1896  herbeizuführen.

Es  wurde  demzufolge  eine  anderweitige  Verordnung
  von  Seiner  Majestät  dem  Kaiser  unter
dem  18.  Juli  d.  Is.  erlassen.  Im  Anschlusse
hieran  erließ  unter  dem  23.  Juli  d.  Is.  der  Herr
Reichskanzler  die  erforderlichen  Ausführungsbestimmungen.


Durch  die  genannte  Allerhöchste  Verordnung
wurde  bestimmt,  daß  Gerichtsherren
I.  der  höheren  Gerichtsbarkeit  sind:

a)  der  kommandirende  General  des  Gardekorps
mit  den  gerichtsherrlichen  Befugnissen  eines
kommandirenden  Generals  über  alle  militärischen
  Angehörigen  der  Schutztruppen,
und  zwar  im  ordentlichen  Verfahren  als
unmittelbarer  Befehlshaber  im  Sinne  des
§  31  M.  St.  G.  O.;
in  jedem  Schutzgebiete  der  dort  angestellte
rangälteste  Offizier,  und  zwar  mit  den
Befugnissen  eines  Divisionskommandeurs;

II.  der  niederen  Gerichtsbarkeit:  Befehlshaber
einer  selbständigen  Abtheilung.

3.  Die  Pensionsvorschrift  für  das  preußische  Heer
vom  2.  Juni  1900  erhielt  als  Anlage:

„Sonderbestimmungen  für  die  Pensionirung
von  Angehörigen  der  Kaiserlichen  Schutztruppen
in  Afrika“  zum  Zwecke  der  Herbeiführung  eines
einheitlichen  Verfahrens  in  dem  umfangreichen
Schriftwechsel  des  Oberkommandos  mit  den
Truppentheilen  und  Behörden  der  Armee  in
Invalidisirungsangelegenheiten.

4.  Die  Bekleidungsvorschrift  für  die  Keiserlichen
Schutztruppen  in  Afrika,  Anlage  10  der  Schutztruppenordnung
  vom  25.  Juli  1898,  erhielt  durch
Allerhöchste  Kabinetsordre  vom  28.  Nov.  1899
einige  Ergänzungen  bezw.  Abänderungen.

5.  Auf  dem  Gebiete  des  Gesundheitswesens  der
Kaiserlichen  Schutztruppen  ist  erwähnenswerth,
daß  nach  dem  General-Sanitätsbericht  des  Chefarztes
  der  Schutztruppe  für  Südwestafrika,  Oberstabsarzt
  Dr.  Lübbert,  über  das  Jahr  1898/99
die  Malariaerkrankungen  in  dieser  Schutztruppe
erheblich  abgenommen  haben,  zum  Theil  infolge
der  neu  ins  Land  gekommenen  gesunden  Ersatzmannschaften,
  größtentheils  aber  infolge  der  zunehmend
  verbesserten  hygienischen  Einrichtungen
für  Unterkunft  der  Truppe,  Entwässerung  sumpfig
gelegener  Stationen  2c.

Das  neue  Institut  für  Schiffs=  und  Tropenhygiene
  in  Hamburg,  an  welchem  in  Zukunft  die
Sanitätsoffiziere  der  Schutztruppen  vor  Antritt
der  Ausreise  eine  Sonderausbildung  genießen
sollen,  ist  noch  nicht  eröffnet.  4

b)