196 Der Schmalkaldische Krieg.
sinnungen der Churfuͤrst fuͤr sich und seine Bundesgenossen
sich eben nicht etwas Gutes versehen durfte; so ließen ihn
die schmalkaldischen Verbuͤndeten auf dem Regensburger
Reichstage um eine Erklaͤrung bitten: wem diese kriegerischen
Zuruͤstungen eigentlich gaͤlten? Der Kaiser gab die zwar
nicht offenbar drohende, aber doch ziemlich unzweideutige Erklaͤrung:
daß zwar sein ganzes Bestreben sich darauf gerichtet
und noch richte, die Irrungen zu vergleichen und den
Frieden zu erhalten, daß er auch denen, die ihm dabei behilflich,
sich gnädig und väterlich zeigen, dagegen aber wider
die Ungehorsamen nunmehr mit Ernst und Strenge verfahren
werde. Diese Antwort mußte den protestantischen Fürsten,
freilich etwas spät, die Augen dffnen; sie hielten eiligst,
noch während des Regensburger Reichstages, eine Zusammenkunft
in Ulm und ließen, um sich nicht zuvorkommen
zu lassen, ihre Soldaten schon in's Feld rücken. Am 4.
Juli hielten der Churfürst von Sachsen und der Landgraf
von Hessen, als die Oberhäupter der schmalkaldischen Verbündeten,
eine Unterredung, worin sie sich über den Plan
des Feldzuges beriethen, zeigten von hier aus dem Herzog
Wilhelm von Baiern ihr Vorhaben an und erließen
zugleich ein Schreiben an den Kaiser, in welchem sie sich
gegen den Vonvurf des Ungehorsams, den derselbe ihnen
gemacht, zu rechtfertigten suchten, worauf sie aber keine Antwort
erhielten. Hierauf ließen sie am 15. Juli ein Manisest
ergehen, in welchem sie die Ursachen des beginnenden
Krieges entwickelten, die Absscht der kaiserlichen Rüsiungen
angaben und damit ihre noöthige Gegemwehr rechtfertigten.
Am nämlichen Tage blitzte auch ein Bannstrahl des Pabstes
gegen die schmalkaldischen Ketzer los, welcher mit vielem Geräusch
den Bund des Kaisers mit dem rdmischen Stuhle
bekannt machte und einen Kreuzzug gegen die Feinde der
Kirche predigte. Sündenablaß und die gewöhnlichen himmlischen
Vortheile für die, welche das Schwert gegen die
Ketzer ziehen und zu deren Aubörottung beitragen würden,
fehlten hierbei nicht. Fünf Tage spater (20. Juli) wurde
vom Kaiser zu Regensburg die Reichsacht uber den Chur-