52 Bayern unter dem Sachsen Heinrich II.
Heinrich I1 starb bald nach diesen Vorgängen im November
955. Seine Gemahlin Judith ließ seine Leiche zu Regensburg
in der von ihm erbauten Frauenkirche (Fzur alten
Kapelle) beisetzen und stiftete nachmals (960) in derselben Stadt
das Kloster Niedermünster, wo sie als Nonne bis zum
Jahre 987 lebte.
30. Dem verlebten Heinrich 1 folgte sein Sohn Heinrich
II (geb. 951) noch minderjährig im herzoglichen Amte
(955 — 976). So lange sein Onkel und Vormund, der Kaiser
Otto I lebte, herrschte in Bayern Ruhe; als aber Otto der
Große (973) starb und dessen Sohn Otto II (973—983)
den deutschen Thron bestieg, zeigte sich in ganz Bayern Gährung.
An der Spitze der Mißvergnügten stand der Herzog Heinrich II,
nachmals der „Zänker" genannt, denn der König hatte kurz
nach dem Antritte seiner Regierung in einem Streite zwischen
Heinrich II und dem Herzoge Otto von Schwaben, dem
Sohne des obengenannten Ludolf von Schwaben, zu Gunsten
des Schwabenherzogs entschieden.
In dieser gereizten Stimmung ward Heinrich II durch
den Bischof Abraham von Freysing, den einflußreichsten
Mann am sächsischen Hofe, leicht überredet, sich selbst zum
deutschen König aufzuwerfen. Außer dem Bischofe Abraham
vereinigten sich noch mit ihm zur Ausführung dieses Vorhabens
Berthold von Scheyern, Hezilo, der Sohn Herzogs Berthold
aus dem Luitpold'schen Geschlechte, dem der Kaiser erst
unlängst die Verwaltung Kärnthens übertragen, der Bischof
Heinrich von Augsburg, Geschwisterkind Herzogs Heinrich II,
dann der König Harald von Dänemark und die Herzöge
von Böhmen und Polen. Der Plan wurde jedoch dem Kaiser
noch rechtzeitig entdeckt, und dieser ließ Heinrich II, den Zänker,
zu Weimar unvermuthet gefangen nehmen und nach Ingelheim
in Verwahrung bringen (975). Aber schon nach wenigen
Wochen entkam der Herzog seiner Haft, eilte geraden Weges nach
Bayern und ließ sich in der St. Emmeramkirche zu Regensburg
von Abraham als König der Deutschen krönen,
obgleich Regensburg damals schon unter dem hl. Wolfgang