Physiker: PosGrEspoRFF, Dove. sll
durch scharfsinnige Beobachtungen gefördert; aber seinen Ruhm hat
er durch die Meteorologie begründet. Diese Wissenschaft harrte seit
ALEXANDER von HumpoLpr s mächtigem Eingreifen eines Forschers, der
sich ihr ganz hingeben würde. Dove ist es nach Manımann’s Vorarbeiten
gewesen, der sie aus vereinzelten und unsicheren Anfängen
und störenden Verbindungen herausgeführt und zu einer exacten,
aber zugleich praktisch fruchtbaren Wissenschaft gestaltet hat. Namentlich
durch seine umfangreichen Untersuchungen über die Wärm«evertheilung
auf der Erdoberfläche, die Darstellung der Wärmeerscheinungen
durch fünftägige Mittel und durch sein » Drehungsgesetz des
Windes«, welches jedoch nicht sowohl ein Gesetz als eine für einen
Theil der Erdoberfläche gültige Regel ist, hat er sie ausgezeichnet
gefördert. Ausserdem aber ist er für Preussen und andere deutsche
Staaten der Begründer eines Systems und Netzes meteorologischer Beobachtungen
geworden; vor ihm waren nur schwache Anfänge vorhanden.
In dem im Jahre 1846 eingerichteten meteorologischen Institut',
dessen Director Dove seit 1848 gewesen ist, erhielt die Meteorologie
in Deutschland ihr Centrum. Er verstand es, durch seine glänzenden,
geist- und humorvollen Vorträge Sinn und Verständniss für seine Wissenschaft
in den weitesten Kreisen zu erwecken. Bis zur Mitte der
fünfziger Jahre war er unbestritten der erste Meteorologe Europas.
Dieser Rulım blieb ihm auch später noch, obgleich er sich gegen
die Fortschritte der von ihm begründeten Wissenschaft skeptisch verhielt
und die unter seiner Autorität publieirten meteorologischen Rechnungen
nach Methode und Ausführung nicht einwurfsfrei waren. Man
vergass es ihm aber weder in Preussen noch im Ausland, dass er der
Meteorologie die Balın gebrochen hat, und die Zeitschrift »Nature«
widmete ihm nach seinem Tode folgenden Nachruf (10. April 1879):
»When we consider the condition in which Dove found man’s knowledge
of weather and the large accessions and developments it received
from his hand, the breadtli of his views on all matters
! Das Nähere über die Stiftung und Geschichte dieses Instituts siehe in der
Festschrift des gegenwärtigen Directors desselben, von BEzoLp (»Die Feier des fünfzigjährigen
Bestehens des Königlichen Meteorologischen Instituts aın 16. October 1897 «),
sowie in der umfangreichen Publication: »Die Königlichen Observatorien für Astrophysik,
Meteorologie und Geodäsie bei Potsdam«. Aus amtlichem Anlass herausgegeben
von den betheiligten Directoren 1890. Brzo1.n gedenkt mit besonderer
Anerkennung neben den beiden grossen Meteorologen (ALEXANDER von Huensorpr
und Dover) Maursann’s; ihm wurde zuerst die Organisation des Instituts übertragen;
»er trat mit grösstem Geschick und weitgehender Umsicht an die Aufgabe heran,
aber noch vor Vollendung der Organisation wurde er auf einer zum Zwecke der
Errichtung der Stationen unternommenen Dienstreise vom Tode ereilt«.