199
Synodalanstalten erforderte: warum soll man die katbollschen
Bischoͤfe als solche Concilienliebhaber und Concilienläufer
ansehen? warum soll man glauben, daß sie gegen all' ihr
eigenes Interesse solche Anstalten befoͤrdert haben? Warum
bätte man die Abwesenheit der Bischöfe von den Synoden
so strenge bestrafen müssen 5), wenn schon für sich die Neie
gung der Bischöfe zu Concilien so groß gewesen wäre? und
findet man nicht häufigere deutliche Spuren von Klagen der
Bischöfe über das beschwerliche Concilienreisen, über die
großen damit verknüpften Unkosien, über den Schaden, der
aus ihrer langen Abwesenheit von ihren Gemeinden entsiünde
30)7 Freilich finden sich auch Klagen über die langen
Versäumnisse nicht gehaltner Concilien: aber das sind nichts
weniger als Klagen solcher Männer, welche polirischer Kitzel
sticht, sondern es ist größtentheils warmer Eifer für die verfallene
Kirchenzucht, deren ganze Stärke, deren ganzes Leben
in der fleißigen Synodenhaltung besiund. Daß Concilien
gerade gegen alle ihre ursprüngliche Absichten endlich mißbraucht
worden sind, daß sie meistens wichtige Beiträge zur
traurigsten Schilderung des moralischen und literarischen Zustands
der Geisilichkcit geben, das läßt sich gewiß von keinem
ehrlichen Kenner der Geschichte läugnen: aber Mißbrauch
*) Man sehe z. B. Concilium Constantinop. s. 369. can. 17.
*#) In den ältern Zeiten, z. B. bei der ersten ephesinischen
Sponode, ist es ganz gewöhnlich, solche Klagen zu hören. Ader
auch in spätern. So fagt Gregor von Tours L. X. §. 20.
Tunc Rex — dirigens epistolas — ad omnes regni sui ponulces,
ut medio mense nono ad disculiendum in urbe
supradicke adesse deberent. Erent autem pluviae velidse,
aquae immensse, rigor intolerebilis, dissolutse luto vias,
amnes ttors excedentes. Sed praeceptioni regise
obeistere nequiverunt.