Full text: Deutsches Kolonialblatt. XVII. Jahrgang, 1906. (17)

behufs Aufbietung des Fulla-Kriegsvolkes gegen Gauar 
nach Moda—Mitschiga entsandt; als er bei der Er- 
kundung eines von Mitschiga nach Burha (am Wege 
Gauar—Mubi) führenden Weges in dem vorher 
benachrichtigten Futu-Ort schlafen wollte, wurde er 
mit Pfeilschüssen empfangen. Trotzdem er nur zehn 
farbige Soldaten bei sich hatte, gelang es ihm, den 
mehr als zwanzigfach überlegenen Gegner so zu 
zersprengen und zu schädigen, daß dieser seine Wohn- 
sitze verlassen und das Innere des Gebirges auf- 
gesucht hat. Erfreulich war die bereits bei den 
Paka= usw. Kämpfen beobachtete Unerschrockenheit im 
Draufgehen aller Mannschaften einschließlich der jungen 
Soldaten; Oberleutnant Schipper beobachtete u. a., 
wie ein einzelner Soldat eine von gegen 100 Heiden 
besetzte steile Anhöhe erkletterte und nach Abgabe 
von einigen 10 bis 15 Schüssen vom Feinde 
säuberte. — 
5. Angriff gegen die Gauar-Heiden. 
16. bis 20. Dezember 1905. 
Der von der Abteilung Madagali (Sergeant 
Mellenthin mit 16 farbigen Soldaten und Maschinen- 
gewehr) am 15. Dezember und von der Hauptabtei- 
lung Zimmermann-Schipper am folgenden Tage von 
Mogudi angetretene Vormarsch führte bei Sonnen= 
aufgang des 17. Dezember zum Angriff gegen die 
Gauar-Heiden; auch das Marua-Mindif-Kriegsvolk 
war rechtzeitig zur Stelle. Dem konzentrischen An- 
griff — der Feind hatte augenscheinlich nur von der 
Madagali-Kolonne, und auch von dieser erst in der 
letzten Nacht Kenntuis erhalten — setzte er nur 
schwachen Widerstand entgegen. Über 70 Stück 
Großoleh (meist geraubtes Fullavieh) und 250 
Schafe wurden erbeutet, davon 50 bzw. 100 für 
die Residentur vereinnahmt, das übrige, ebenso wie 
ein großes Kornquantum dem verarmten Gauar- 
Lamido überwiesen. 
Die weithin beherrschende Gauar-Höhe und ein 
faltenreiches Gelände kamen der Flucht des Feindes 
zustatten, nicht zu vergessen das Benehmen des 
Fullakriegsvolkes, dessen schwere Panzerreiter man 
während des Gefechts mit je einem Zicklein unter 
den Armen über das verlassene Schlachtfeld einher- 
sprengen sehen konnte, niemals aber da antraf, wo 
der Feind war. In elnigen Fällen bedurfte es erst 
einiger über die Köpfe abgegebener Schüsse, um die 
Plünderer aus den Gehöften zu vertreiben. Scham- 
und ehrlos war dies Benehmen auch in den Augen 
unserer Mannschaft. Die Heidenorte auf der Gauar- 
Stadt zunächst bedrohenden Höhe ließ ich nieder- 
brennen und bekannt machen, daß ich einen Wieder- 
aufbau derselben nicht dulden würde. 
Die Wirkung des Schlages zeigte sich in den 
nächsten Tagen, indem die Arnados von Sfsir, Di- 
meo, Budum und Gadala um Frieden baten und 
zum Aufbau und zur Befestigung der Gauar-Stadt 
Arbeiter stellten. Auch der Arnado von Hina schien 
ein schlechtes Gewissen zu haben, indem er ein Pferd 
460 
  
als Geschenk sandte, später aber, als Oberleutnant 
Schipper in seinem Orte Lager bezog, sich nur durch 
einige angebundene Ziegen vertreten ließ. Mit den 
nach allen Seiten versprengten Gauar-Heiden konnten 
zunächst keine Unterhandlungen angeknüpft werden. 
Ich ließ deshalb den Oberleutnant Schipper mit 
20 farbigen Soldaten noch einige Tage in Gauar, 
um die Befestigungsanlage zu Überwachen, dann 
sollte er unter Zurücklassung einer Patrouille über 
Hina nach Binder gehen, dort nach dem Rechten 
sehen und zum 9. Januar 1906 wieder in Gauar 
eintreffen; ich wollte dasselbe über Marua—Mora— 
Dissa—Madagali an demselben Tage wieder erreichen, 
um dem Gauar-Arnado nochmals zuzusetzen, falls er 
mittlerweile nicht um Frieden gebeten haben sollte; 
nachdem er sich durch die erst wenige Monate vor- 
aufgegangene Züchtigung der Dimeo-Heiden durch 
meinen Vorgänger nicht von seinen Raubzügen gegen 
den Gauar-Lamido hatte abschrecken lassen, war eine 
ernstere Rücksprache angebracht. 
6. Über Marua nach Mora. 
21. bis 26. Dezember 1905. 
Am 21. Dezember 1905 brach ich von Gauar 
auf und erreichte am folgenden Tage Marua. 
Diese größte unserer Fulla-Herrschaften macht im 
ganzen wenig von sich reden. Etwas weiter vom 
Schuß und von den heidnischen Plagegeistern fast 
gänzlich verschont führt Marua im Sonnenglanze 
seiner ertragsreichen Farmen ein wohlauskömmliches, 
behagliches Dasein und neigt weder im bösen noch 
guten zu Extravaganzen. Seinen Besitzstolz kann 
es neben dem schönen Rindvieh auf einen den anderen 
Herrschaften überlegenen Bestand an Reittieren stützen, 
leider, was die Güte anlangt, von Jahr zu Jahr 
mit weniger Berechtigung; Roß und Relter bedürfen 
der Blutauffrischung. 
Der Lamtdo selbst scheint seines reichen Besitzes 
nicht recht froh zu werden. Durch sein Außeres und 
sein Auftreten nur wenig imponierend, nimmt er 
zunächst durch eine nicht zu meisternde Unruhe und 
den scheuen Blick gegen sich ein. Im Laufe des 
Gesprächs verblassen diese Züge zugunsten einer 
verhältnismäßigen Gutmütigkeit und Ungefährlichkeit. 
Nur als ich ihm zumutete, seinen Mandara-Kollegen 
die Freundeshand zu reichen, verzogen sich seine 
stetig bewegten Lippen zu einer Grimasse, aus welcher 
optimistische Augen einen Rest von Despotenenergie 
herauslesen konnten. 
Der Streit dieser beiden Nachbarstaaten spielt 
schon seit einigen Jahren, und besäße der Marua- 
Lamido an Schneid, was dem Mandara-Sultan an 
Lelbesfülle zuviel wird, möchte auch die Anwesen- 
helt des Weißen einem Waffengang dieser feindlichen, 
Brüder auf die Dauer nicht vorbeugen. So aber 
tobt sich die Rivalität der Herrscher in einem stetigen 
Leute- und Vilehraub ihrer Vasallen aus, von denen 
jene nur immer die negativen Resultate wissen oder 
erfahren. Jeder war entrüstet über des anderen Lüge,