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nicht und der König noch weniger: aber man hatte ihn nun einmal
und liess ihn walten. Dadurch aber erhielt er, namentlich im Ausland,
ein Ansehen, zu dem seine wirkliche Bedeutung in keinem Verhältniss
stand. Das steigerte sein Selbstbewusstsein ganz ungemessen
und befestigte in ihm mehr und mehr die Überzeugung. die durch
wohlfeile Schmeicheleien seiner Correspondenten genährt wwurtde,
dass er recht eigentlich die Säule der Akademie sei. Solche nicht
seltene Einbildung subalterner Naturen in büreaukratisch wichtigen
Stellungen wäre noch erträglich gewesen, wenn der Mann ehrlich
und zuverlässig gewesen wäre. Allein, obgleich er sich auf sein
Christenthum viel zu gut that und sich berufen glaubte, gegenüber
den Eintlüssen des Königs und seines Kreises die Rolle des Apologeten
zu spielen, liess er es an Charakterfestigkeit und edlem
Sinn nur zu sehr fehlen. Bei Abstimmungen war er unberechenbar
(s. oben sein Verhalten bei der Abstimmung über die Preisaufgabe
Porr-Leissız). und alle kleinlichen und abstossenden Züge seines
Wesens zusammen mit einer lächerlichen Eitelkeit hat er dem Publicum
selbst zur Schau gestellt in seinen zwei Bänden »Souvenirs d’un
citoyen«. die er drei Jahre nach dem Tode des grossen Königs veröffentlicht
hat. In diesen » Erinnerungen « schreibt er wie ein Kammerdiener,
der mit zahlreichen vornelimen Personen Verbindungen gehabt
hat, bald schlecht behandelt, bald gut belohnt worden ist, und
der nun nach dem Tode seines Brotherrn mit seinen Verbindungen
prahlt und sich zugleich durch Ausplaudern zahlreicher Geschichtchen
und durch boshafte Mittheilungen rächt. Auch nicht eine Zeile auf
diesen 7—-800 Seiten. die beweist. dass ihr Verfasser wirkliche Grösse.
auf welchem Gebiet nur immer, zu empfinden vermocht hat. Fünf
Dutzend Eloges hat dieser Schriftsteller verfasst, darunter solche auf
die würdigsten und grössten Männer des Zeitalters, und ist doch
ganz ohne Gefühl für das Ausgezeichnete geblieben, ein Handwerker,
der Lobreden verfasst hat, weil es einmal sein Metier
war! Schlimm spielte er auch Frreprıcn I. mit', versteckte aber
sein Übelwollen hinter allerlei Malicen und Zweideutigkeiten. Dass er
sich in seinem langen Leben und durch fortgesetzte litterarische
Besehäftigung ein umfangreiches encyklopädisches Wissen erworben
! Gegen die Behandlung des grossen Königs in diesen »Souvenirs« erschien
selir bald eine anonyme (J. Un. Laveauvx) Gegenschrift. frauzösisch und deutsch:
» Vertheidigung Frıieorıcn's 11.. VoLraıre's. Rotsseatc's. DÄLENBERT Ss und der \Akademie
zu Berlin gegen die Beschuldigungen des beständigen Secretars derselben
oder Herr Foruer durch sich selbst geschildert« (die deutsche Ausgabe Leipzig 1790).
Geschichte der Akademie. TI. 29