Kap. IV. Die Germanen. 93
zelnen Reiter aus dem gesamten Heer zu ihrem Beistand auserwählt
hatten. Mit ihnen verkehrten sie im Gefecht. Auf sie
zogen sich die Reiter zurück und jene eilten zu Hilfe, wenn die
Reiter ins Gedränge kamen. Wenn einer schwer verwundet vom
Pferde gefallen war, so umstellten sie ihn. Wenn weiter vorzurücken
oder schneller zurückzuweichen war, so war ihre Schnelligkeit
so gross, dass sie, in die Mähne der Pferde greifend, mit
den Reitern gleichen Schritt hielten.“ Caesar selbst warb während
des grossen keltischen Aufstandes und des bellovakischen Krieges
germanische Reiter und mit ihnen zu kämpfen gewohnte Fussgänger.
Gall. I 48; VII 65; VIII 18.
Bei Tacitus ist es eine Ehre, ein „Hunderter* zu sein.
„Ihre Schnelligkeit passt sich dem Reiterkampf an.“ Germ. 6.
Nach Ammian haben sie insbesondere auch die Aufgabe,
während des Kampfes das Pferd des Gegners niederzustechen,
oder ihn selbst herabzuziehn und zu durchbohren. 16,
12, 22.
Auch den Kelten ist die Taktik der Mischkämpfer bekannt.
Sie stellten zwischen die Reiter auch einzelne Bogenschützen und
leicht bewaffnete Fussgänger, die den Weichenden zu Hilfe eilen
und den Angriffen der römischen Reiter Stand halten sollten.
Gall. VII 18, 36, 80.
Die Anführer.
An der Spitze des Heeres und seiner Abteilungen stehen
Anführer, der Oberbefehlshaber, dux oder rex, die Führer der
Heergaue, principes, die sich zum Kriegsrat vereinigen, die Führer
der Hundertschaften, die Hunnen, und die Ältesten der Geschlechter
und ihrer Sippen, majores natu und patres familias.
Die Organisation des Fussvolks und seiner Abteilungen bildet
die Grundlage für die Einrichtungen des politischen Gemeinwesens,
der sich entwickelnden Gemeinde, der Hundertschaft, des Gaus,
und die Häupter des Heeres sind in der Regel zugleich die
Häupter des Gemeinwesens. (Siehe Kapitel VL)
Cramer, Germanen und Kelten. 3