40 bis 50 Mann auf einmal. Von der Bürgerschaft seien während des Bombardements nur 12 Leute getötet
worden.
Aus Konstantinopel wird gemeldet: Die Zusammenstöße zwischen den russischen Grenztruppen und den
vordringenden Schachsewennen verlaufen sehr blutig und für die Russen mit großen Verlusten. — Auch im
Gebiete von Kaleschin häufen sich die antirussischen Kundgebungen.
Die von russischer Seite verbreitete Nachricht, wonach bei der Vernichtung der Pallada zwei deutsche
Unterseeboote versenkt worden sei , ist unwahr. Der Zerstörer der Pallada ist unversehrt.
Das Sofiater Blatt Wolie berichtet, daß sich die serbischen Soldaten des letzten Aufgebots immer stürmischer
weigern, Kriegsdienste zu leisten und nach Hause verlangen. Soldaten eines Artillerieregiments hätten
durch Entfernung der Verschlußstücke die Kanonen unbrauchbar gemacht.
Deutsche Flieger beunruhigen Ostende und werfen Bomben.
Die Times meldet: Die Ankunft von Hunderten von Flüchtlingen in Calais ist eine Andeutung der Ausdehnung
des Kriegsschauplatzes in Nordfrankreich. — Die Deutschen nähern sich in drei Richtungen Ostende
1. von Ypern nach Ymuiden, 2. von Courtrai durch Thouroul, 3. von Cecloo durch Brügge.
Die Verlegung der Regierung nach Le Havre machte dort einen tiefen Eindruck.
15. Oktober.
Großes Hauptquartier. Bei Antwerpen wurden im ganzen 4—5000 Gefangene gemacht. Nach der Mitteilung
des Konsuls von Terneuzen sind ca. 20000 belgische und 2000 Engländer auf holländisches Gebiet
übergetreten, wo sie entwaffnet wurden. Die Kriegsbeute in Antwerpen ist groß. Mindestens 500 Geschütze,
eine Unmenge Munition, Massen von Sätteln und Wolldecken, sehr viel Sanitätsmaterial, zahlreiche
Kraftwagen, viele Lokomotiven und Waggons, vier Millionen Kilogramm Getreide, viel Mehl, Kohlen,
Flachs, für 10 Millionen Wolle, Kupfer und Silber im Werte von etwa einer halben Million Mark, ein
Panzer-Eisenbahnzug, mehrere gefüllte Verpflegungszüge und große Viehbestände. Belgische und englische
Schiffe befanden sich nicht mehr in Antwerpen. Die große Hafenschleuse ist intakt, aber zunächst durch
mit Steinen beschwerte versenkte Kähne nicht passierbar. Die Hafenanlagen sind unbeschädigt. — Gent
wurde bei der Annäherung der Deutschen schleunigst geräumt. — Die belgische Regierung, mit Ausnahme
des Kriegsministers soll sich nach Le Havre begeben haben.
Französische Angriffe in der Gegend von Albert wurden mit erheblichen Verlusten des Gegners abgewiesen.
Im Osten ist der russische mit starken Kräften unternommene Vorstoß auf Ostpreußen als gescheitert anzusehen.
Der Angriff unserer in Polen Schulter an Schulter mit dem österreichischen Heer kämpfenden Truppen
befindet sich im Fortschreiten. Unsere Truppen stehen vor Warschau. Ein mit etwa 8 Armeekorps auf der Linie
Iwangerod-Warschau über die Weichsel unternommener Vorstoß wurde auf der ganzen Linie unter schweren
Verlusten der Russen zurückgewiesen.
Bei Ostdünkirchen dicht am Meere fand gestern ein heftiger Kampff statt.
Infolge offenbarer Spionageumtriebe in Kleinasien hat bie türkische Pforte an die fremden Regierungen
amtliche Mittellung zugehen lassen, daß sie sich dieserhalb veranlaßt sehe, sämtliche Gebiete des Türkischen
Reiche einschließlich Arabiens die Fremdenkontrolle zu verhängen, der auch die bereits ansässigen Fremden
unterworfen sind.
Reichskanzler von Bethmann Hollweg ist in Begleitung des Chefes des Zivilkabinets des Kaisers
von Valentini, des Gesandten von Treutler und des Botschaftsrates Mutius gestern mittag hier eingetroffen.
Brüssel, 17. 10. 14.
Die Gesamtzahl der in Österreich internierten gefangenen Russen, Serben, Montenegriner hat
bis zum 10. Oktober 1914 die Höhe von 48000 überschritten, darunter über 3500 Offiziere.
Der österreichische Unterrichtsminister hat angeordnet, daß für das Studienjahr 1914/15 die Staatsange-128