Volltext : Dokumente aus den russischen Geheimarchiven.

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fallen  in  dieser  Frage  durchaus  mit  den  unsrigen  zusammen,  da  wir  die  Unabhiängigkeit
  und  das  Kräftegleichgewicht  der  Balkanstaaten  wollen  und  für  uns
keinerlei  Hegemonie  anstreben.  Parumbaro  gal  mir  gegenüber  zu,  daß  die
Politik  Italiens  in  den  letzten  Tagen  auch  die  Rumänen  zu  entrüsten  begonnen
habe.  Ihnen  erscheint  die  Ernennung  des  Fürsten  Billow  auf  den  Botschafterposten
  in  Rom  verdächtig.  Ein  Mann  von  seinem  Gewicht  und  seinem  Anschen
  würde  wohl  kaum  eine  derartige  Ernennung  angenommen  haben,  wenn
er  nieht  Grund  hätte,  auf  den  Erfolg  seiner  Mission  zu  vertrauen.

Nach  Rückkelır  von  Faseiotti  schreibt  Trubetzkoi:  »Gleichzeitig  sprach
er  mit  einer  für  mich  unverständlichen  Erregung  über  Frankreich,  Nach  seinen
Worten  hat  Frankreich  während  des  tripolitanischen  Krieges  alles  getan,  um
Italien  gegen  sich  aufzubringen.  Aber  für  Rußland  hegt  Italien  die  besten
(sefühle.  Wir  müssen  der  italienischen  Regierung  dafür  dankbar  sein,  daß
sie  jetzt  ihre  Neutralität  gewahrt  hat,  statt  Frankreich  zu  überfallen,  was  den
(harakter  des  Krieges  vollständig  geändert  hätte.  Ich  antwortete  darauf,  daß
wenn  die  Nemtralitär  Italiens  Tür  uns  tatsächlich  wertvoll  ist,  so  ist  auf  jeden
Fall  für  uns  auch  der  Umstand  von  Vorteil,  daß  wir  uns  Italien  gegenüber  durch
keinerlei  Dankesptlicht  gebunden  zu  fühlen  brauchen,  denn  Italien  hat  die
Richtlinie  für  sein  Verhalten  mit  (derselben  kalten  Berechnung  gewählt,  von
der  sie  sich  auch  gegenwärtig  leiten  läßt.  Ich  sehe  darin  nur  einen  weiteren
Beweis  dafür,  wie  kurzsichtig  eine  derartige  Berechnung  ist,  denn  obgleich
Italien  alte  Verbindungen  löst,  legt  es  trotzdem  keinen  festen  Grund  für
Sympathien  bei  neuen  Freunden.  Die  deutsche  Weisheit  sing  nicht  über  Nützlichkeitsberechn
  ungen  hinaus.  Im  Endergebnis  läuft  Deutschland  die  für  einen
Staat  größte  Gefahr,  moralisch  vollständig  isoliert  zu  werden.

/um  Schluß  drückte  ich  mein  Erstaunen  über  das  wenig  wohlwollende
Verhalten  Faseiottis  gegenüber  Frankreich  aus,  dem  Italien  in  seiner  Vergangenheit
  so  viel  verdankt  und  zu  dem  es  eine  enge  kulturelle  und  völkliche
Hingezogenheit  verspüren  müßte.  Fasciotti  erwiderte,  daß,  weın  die  Beziehungen
  zwischen  heiden  Staaten  nieht  immer  den  aufrichtisen  und  freundschaftlichen
  Charakter  tragen,  den  man  hätte  annehmen  müssen,  so  sei  das
nicht  die  Schuld  Italiens.  Hierbei  sprach  er  die  Befürchtung  aus,  daß  Frankreich
  sich  nieht  mit  dem  Gedanken  vertraut  machen  kann,  daß  Italien  in  Zukunft
  mächtig  werden  könnte.  Das  aber  müsse  nach  seinen  Worten  das  Er-Sehnis
  des  gegenwärtigen  Krieges  sein.

gez.  Fürst  Trubetzkoi.
(Prawda  vom  31.  Januar  1913.)

Ergänzung  Nr.  2102.  30.  November  1915.
Der  Chef  des  Hauptmarinestabes.  Ich  melde:

Als  Gussi  in  Bukarest  war,  rief  ihn  Bratianu  telephonisch  zu  sich.  Gussi
wurde  sofort:  empfangen.  Bratianu  sagte  ihm  folgendes:  Ich  beauftrage  Sie,
folgende  äußerst  wichtige  Nachricht  Wesselkin  zu  übermitteln,  aber  nicht  in