Volltext : Der Weltbrand. Deutschlands Tragödie 1914-1918. Zweiter Band. (2)

Verpflegung  wurden  vorn  knapp.  Die  Angriffekraft  der  Truppe  erlahmte  unverkenndar.


Ludendorff  konnte  sich  noch  nicht  zum  Verzicht  entschließen.  Ole  18.  Armee
wurde  planvoll  mit  Munition  versorgt  und  mußte  am  30.  März  noch  einen
großen  Angriff  gegen  dle  Franzosen  zwischen  Montdidier  und  Noyon  machen.
SlIe  erkämpfte  sich  noch  elnen  Geländestreifen  in  der  Richtung  auf  Amiene  —
und  dlieb  dann  liegen.  Einen  operatioen  Erfolg  bätte  dieser  Angriff  auch  beim
Gelingen  nicht  mehr  baden  können;  edensowenig  ein  Vorstoß  des  rechten  Flägels
der  18.  und  der  2.  Armec,  der  am  4.  April  in  Richtung  auf  Amiens  geführt
wurde.  Ole  Truppen  waren  abgekämpft,  Reserven  nicht  vorhanden  .  ..  Das
Scheitern  dleses  letzten  Angriffs  bezeichnet  Ludendorff  als  den  Endpunkt  der
Schlacht.  Eine  neue  Stellungsfront  entstanb.  Sie  dildete  das  Angriffsziel
meprerer  zusammenhangloser  Vorstöße  der  Entente.  Sle  dedeuteten  nur  ein
Nachsplel.

Die  „Große  Schlacht  in  Frankrelch“  war  zu  Ende.

5.

Der  Rückblick  ist  von  einer  überwältigenden  Traurigkeit.

Adermale  hatte  das  deutsche  Heer  einen  glänzenden,  elnen  unvergleichlichen,
  einen  delsplellosen  Sieg  davongetragen.  In  acht  Tagen  hatten  wir  das
feindliche  Stellungesystem  auf  75  Kilometer  Breite  und  die  zu  60  Kilometer
Tlefe  durchdrochen,  das  ganze  Gediet  des  Alderich-Rückzugee  dis  auf  einen  Streifen
  süblich  Nopon  zurückgewonnen  und  darüber  hlnaus  unsere  Lnien  die  nahe
an  den  wichtigen  Eisendahnknotenpunkt  Amiens  berangetragen,  dessen  Bahnanlagen
  vom  Feuer  unserer  Ferngeschütze  erreicht  wurden.  Die  Feinde  hatten
an  der  Somme  in  fünf  Monaten  einen  12,  die  Engländer  in  Flondern  in  vier
Monaten  einen  8  Kilometer  tiefen  Eindruch  erzlelt.  90  000  unverwundete
Sefangene  waren  erdeutet,  dazu  gewaltiges  Materlal.

Und  doch!  Und  doch!

Wohl  durfte  die  O.  H.L.  sich  sagen,  daß  unsere  Truppen  auch  heute  noch  den
beutigen  Feinden  überlegen  waren.  Aber  allerdinge:  die  bedenkliche  Erscheinung
von  Camdrai  patte  sich  in  verstärktem  Maße  wiederholt:  dem  Anblick  reicher
Provlantlager,  den  Versuchungen  wohlgefüllter  Weinkeller  waren  unsere  ausgepumpten
  Musketiere  selbst  in  wichtigen  Gefechtsmomenten  nicht  mehr  gewachsen
  gewesen.

Unsere  Derluste  waren  schwer  —  wenn  auch  nicht  so  schwer  wie  die  der
Feinde.  Ungefähr  90  Dioisionen,  darunter  fast  alle  desten  Angriffesdiolllonen,
batten  schwer  gelitten,  ganze  Batalllone  waren  zerschlagen.

Und  als  ganzer  Gewinn  dieser  Kämpfe  blieb  dem  Angreifer  ein  im  wesentlichen
  früher  von  ihm  selbst  wie  von  den  Angriffeschlachten  völlig  vernichteter
Abschnitt  französischen  Landes,  an  dessen  Rande  die  neuen  deutschen  Linien
kledten,  als  weiter  „Sack“  aue  der  Gesamtlinle  unserer  Stellungen  vorhängend,
dem  Kreuzfeuer  dee  Feindes  ausgesetzt,  durch  die  elende  Beschaffenheit  des
Hinterlandes  in  lhrer  Versorgung,  lhren  Ruhemäögllchkeiten  stark  beeinträchtigt.
Bald  setzte  die  unausbleibliche  artillerlstische  Segenwirkung  des  Feindee  ein  und

181