Zur Völkerwanderungszeit. 47
drang unter dem Namen der salischen Franken im 5. Jahrhundert
von den batavischen Gegenden her erobernd in
Gallien ein und bis zur Somme vor, während er unter
dem Namen der ripuarischen Franken in den Stromgebieten
des Rheins, der Maas und Mosel ein Reich mit
der Hauptstadt Köln gründete. Durch den Salier Chlodevich
oder Chlodwig, den Merowinger, einen der thatkräftigsten,
schlauesten und gewissenlosesten Könige, welche
die Welt gesehen, wurden von 480 an die fränkischen
Gebiete in Gallien und Germanien vereinigt und allseitig
erweitert. Durch Chlodwig kam, besonders nach Besiegung
der Alemannen, die vortretende Rolle unter den
germanischen Stämmen an die Franken, und da der König
das Chxistenthum zu einem Hebel seiner Politik machte,
so datiren von seiner Zeit die Anfänge einer umfassenderen
Verbreitung des neuen Glaubens nach dem Osten
und Norden Deutschlands. Welcher Art übrigens dieses
„Christenthum“ war, trat zu Tage, als die Theilung des
Frankenreichs nach Chlodwig's Tode (511) unter seine
vier Söhne jene gräuelvollen Stürme heraufführte, welche
das merowingische Haus zerrütteten. Es folgten in den
entsetzlichen Kämpfen zwischen den drei Hauptmassen des
Frankenreichs, Austrasien, Neustrien und Burgund, mannigfache
Theilungen, Wiedervereinigungen und abermalige
Trennungen, bis die Dynastie der Merowinger von dem
Geschlecht der Karlinger verdrängt wurde und diese jenen
gewaltigen germanisch-christlichen Neubau errichteten, mit
welchem die Geschichte des Mittelalters anhebt.
Indem wir jetzt zur Betrachtung der Stellung ver-