und Felertage). — VDer Abonnemenls
Der „Nosenhelmer Anzelger“ erschelnt läglich nachmillags 3 Uhr (mil Ansnahme der Sonnbrels
beträgt vicrtellährlich Nark 3.—
monallich Nark 1.— Jur Poftabonnenten: Sultellgebühr srel ins Gaus 17 Plenulg monallich.
Fernsprecher: VLerlag und Redaktion Nr. 72, Inseralen-Ablellung Nr. 235.
Die einsp. Pelllelle im Amelgentell kolle! 20 PIg., im Feklamelell 70 Plg., Cokalanze##
nach belonderem Toril. Annahme von Anzelgen und Bellagen durch die Annoncen-Expedition
Haasenkteln & Jogler A.-G. Rolenheim, München, Närnberg, Berlin, Breslau, Cassel ufw.
Schluß der Anzelgen-Annahme 11 Uhr miltags.
Amlliches Publikalions-Organ
Nmmer 226 Kotb. Nemigius
I ernster Slunde.
4 Von den vielen und schweren Krilen, welche wir
im Verlaufe eines mehr als vierjährigen unge-Deuren
Ningene durchgemacht und überwunden
haben, ist diese die schwerite! Es in schlechthin
die Krisis Stellen wir und doch einmal nüchternen
Sinnes vor, welche Gefahren der drohende
Abfall des bulgarischen Bundeögcossen
im Gefolge haben lönnte! Nicht nur
die Türkei, sondern auch Oesterreich=Ungarn
würden in den Strudel mitgerissen u.
sie wären ge; wungen, mit den Gegnern auf Gnade
oder Ungnade einen Frieden zu schließen. Mit
solchen schlimmsten Emwicklungsm öglichkeilei
muß man als muchterner Beurteiler der
Lage rech'en. Was dann? Dam würde und
müßte das deutsche Volk allein gegen eine
Welt von Feinden. die an Jahl und Kraft überlegener
denn je aus- utreten vermöchten, sich wehren
und cs gliche einem Kämpfer, der an die
Wand gepreßt. der von allen Seiten auf ihn:
Eirtürmenden sich erwehren soll. Aber nicht allein
darin. daß die Dinge so koninen lönnten. liegt
der Er#t der Stunde, sondern doch wohl erst
in der Erwägung. ob es dann dem vollftändig
auf sich alleirt gestellten deuischen Volke möglich,
wäre, sich sei#rer W#dersacher zu erwehren. Die
erschülleride Schwere des Augenblicks, die nu.Z
über uns hereingebrochen ist, wird uns aber doch
erst gan klar zum Beuußtsein lommen, wenn
wir üuns vergegemwärtigen, was unser Los wärc,
wenn es den Feinden dann auch noch gelänge, die l
«’lkc"tfkott—u,crbrechcnnnduusrchemmtltchc
EtdcjuubcrflulctKonnteInanltchnachdcr
adcdukthk haßerfüllten Stimmung unserer
Geguer auch nur einen Augenblick einem Zweisel! |&
darüber hingeben, was unfer Schicksal wäre?
Schon fordert die Lond. Daily Mail die Jerltörrurg
von Verlin, Köln u. Hamburg so war, daß
kein Stein auf dem andem bleibt. Und in der
Neuyorker World wird der Brief eines amerila.
Tiischen Missionars veröffentlichl, in welchem es
heißt, daß es keinen Amerilaner gäbe, der nicht
„das Land der Humnnen“ von einem Ende bis
zum andern verwuttet und Berlin als schwarze
Ruine sehen möchte. „Die Deulschenmüssen!
musgetilgt merden, die Militärs so
wie alle and ern, dam erit lönnen wir heim
kehren!“ Es kann gar lein Zweisel darüber be-'tehen,
daß die Gegner ihre brutalen Vernichmurgoabsichten
in die Wirklichkeit umsenzen wür.
de## wenn das Schreckliche sich ereignete, kaß
unsere Abwehrkraft nachließe. Macht man sich
aber auck! oin Vild davon, was einem
jeden Einzelnen von une dann blühen würde?
Käme der Feind ins Land, dann würde jede
Verwoaltuczgstätigkeit stocken, samtliche Jufuhr
ai Lebenemitteln, an Kohlen usw. würde aufshören,
dann erit würde das bitterste Elend über
uͤnns hereinbrechen. Hungersnot und Hungerstod
mwürden das schaurige Bild vervollf ländigen.
Deutsche friedliche Dörfer und Städte gingen in
Flamme auf, dentsche Brüder würden von der
Deimaterde vertriebe. Fürwahr: wir können
Uns die Größe der Gefahr, in welcher wir
schweben, wenn wir in unserer Nervenkraft nachlassen,
garnicht lraß genug vorstellen, um daraus
den felsenfesien entschlossenen Willen zu schöpfen,
jede Faser Uunseres Willens und Hercius
anzuspannen, damit wir uns kräftigen
in dem Entschlusse, lieber unser Letztes heriuugeben,
als zu so schimpflichem Dasein verurteilt
lu sein.
4 Wie lleinich dünken uns bei der furchtbaren
[röße des Augenblicks die politischen Streitereien!
Die ungeheure Not der Zeit gebietet, daß
wir uns alle wieder darauf besinnen, daß das
Wort von Zusammenstehen in Not und Tod jetzt
bitterste Wahrheit geworden ist und seine Er-!-füllung
heischt! Wehe, wenn wir verzagen! Auf
O# lade“ hätten wir niemals m rechnen. Unsere,
Feinde wollen uns vernichten, sie würden
auch einen noch so weitgehenden Frieden, den wir
um gewähre“ bereit waren, abweisen, weil sie
1## „ausrotten“ und unser Land zu einer
Wüstenei machen wollen. Kann es da ein deutsches
Herz geben, welches dem Vaterlande ien
dieser g großen Not und Bedrängnis nicht zur!
Ceite stehen wollte? Jetzt ist die Stunde, in der
wir die nationale Verteidigung orga-
Dieustag, 1. Oktober 1918
Vom Meerebiszur Maas imschwer. Kampf
Gewaltiges Ringen zwischen Cambrai und St. Quentinz der engl.
Ansturm im Großen gescheitert. — Die Lage in Bulgarien unverändert;
deutsche Truppen in Sofia. — Die entwürdigenden GBedingungen
der Entente an Bulgarien. —
Bor dem Rücktritt Hertlings.
Sammlung zur Gildung eines Kaa .
nisieren müssen! Jetz gibt es kein Besinnen
mehr, der letzte entscheidende Gang hat begonnen!
1 Um jeden Preies der Welt mutß unsere Verteidigungskraft
erhalten bleiben. Das bulgarische
eispiel zeigt, mit erschütterdem Ernste, wohin
es führt, wein die innerpolitische Jerrisienheit
in die Reihen der Armee getragen wird. Jehtmir
es Uns erft klar, von welcher entscheidenden
Medeutung die Hallung und Slimmung der
EHeimatfrogt i't. Und wie viel darauf an
Lommt, daß sie der Kämpferne vor dem Feinde
eine in jeder Lage verläßliche Stätze ist. Ziehen
uir aue dieser Erke#ntnis die Lehren, dann wird.
auch der bulgarische Vorfall bei all seinen ungeheuren
Gefahren doch auch seine guten Seiten
haben.
Die Wucht der Tatfachen .
muß uns lehren, daß der Krlg
zur Weltenischeldung drängt. 3
Es ist Sturmzeit, folgenschwerer
Schickfsalskaompf, da muß
es immer wieler beißen: 1
„Schllebet die KRelben!
Waffen, Munition und Geld, sie 1
bahmen uns bisber den Weg "
zum Sleg. dessen seid eingedenk,
da die Krlegs- Kuleiye
ganze Krbeit fordert.
Is
. EB
ron Uenee bis zur Nia *
schweren Kampf.
wi Beeresbericht.
oßes Hauptquartier, den
urras Amtl.
Westlicher Kriegsschauplaß#.
Der Engländer hat im Verein mit Belgier
seine Angrisse auf Flandern ausgedehnt
und gegen Cambrai sortgesetzt. Franzosen
und Amerikaner stürmten ernent in der
Champagne, sowie zwischen den Argonnen u.
der Maas an.
Kronprinz Rupprecht.
Von der Küste bis südlich der Lys während "
der Nacht heftiger Feuerlampf, der sich in den
Morgenstunden zwischen Dirmuide und Wulverghem
zu stärkstem Trommelfeuer sleigerte.
Engländer und Belgier griffen auf der Front
WTB
29. 9.
von südlich Dirmuiden bis Wulverghem an. 9
Es gelang dem Feinde, unsere Trichterstellungen
zu nehmen und teilweise in unsere Ar
tilleriel inien einzudringen. Der An
griff des Feindes kam am Nachmittage in die
Linie: Bahndamm sidlih von Dirmuide —Clerken
—Houthoulst— West R.sebeke— Passch'ndaele
—Becelaere - Sandvoorde —Hollebeke zum
Stehben. Die am Abend gegen diese Linie gejeinten
Angriffe wurden mit Hilfe der auf dem
Schlachtseld eintreffenden Reserven abgewiesen.
Die Höhe von Wytschaete wurde gegen mehr
sache Angriffe des Feindes gehalten.
Westlich von Cambrai hatten wir gestern
früh infolge des Verlustes der Kanalstellung
beiderseits von Marquion in den Kämpfen
am 27. September unsere Front aus dem
freien Gelände in eine rückwärtige Stellung in
der Linie Arlenz Aubigny westlich von Cambrai
und hinter den Kanal sudwestlich von Cambrai
—Marcoing mit Anschluß über Gonnelieu
in die aite Linie bei Villers - Guislain zuruck.
genommen. Die Vewequngen worden während
der Nacht ungestört vom Gegner durchgefülrt.
Der Feind hielt am Morgen noch lange Zeit
das geräumte Gelände unter Feuer. In den
Mittagsitunden begann er scharf nachzudrängen
und griff nordwestlich und wei#lich von Cambrai
mit starken Kräften an. Er wurde abgewiesen.
Ebenso scheiterten Angriffe, die sich am Abend
gegen die Linie südlich von Marcoing richteten.
Deutscher Kronprinz.
Zwischen Ailette und Aisne haben wir ohne
feindliche Einwirkung unsere Linie hinter den
Oise — Aiene-Kanal zwischen Anizy ##e Chateau
an der Ailetic und Vourg an der Aisne zurückgenommen.
Die seit Tagen vorbereitete Bewegung
verlies planmäßig und ungestört vom
Feinde.
Erfolgreiche Vorfeldlämpfe wenl. der Suippe.
Zwischen Suippe und Aiene, sowie zwischen den
Argonnen und der Maas setzte der Feind seine
starken Angriffe fort. Sie waren gestern besonders
schwer und für den Feind außerordentlich
blutig.
aller deutschen Stämme, die sich auch gestern
wiederum trotz der hohen Anforderungen, die
die letzten Tage an sie siellten, hervorragend geschlagen
haben, haben einen vollen Abwehrerfolg
errungen.
ganzen Front zwischen Suippe und Aisne in
teilweise bis zu sechsmal wiederholten.
llarle Panzergesckwader geführten
geworfen. Sein einziger örtlicher Erfolg beruht
in der Einnahme von Somme Puy und in lleinen,
geringfügigen Einbuchtungen unserer Ab
mehrfront.
In den Argonnen haben wir in vorletzter
Nackt infolge des Vordringen= des Feindes
im Nire-. al unsere Linie bis in die Gegend
südöstlich von Binarville sudwestlich von
Apremont zurückgenommen. Gegen den Ostrand
der Argonnen und gegen die Linie Apremont—
Cierges—Brieulle stieß der Amerikaner in mehrsachen
Angrifsen unter teilweisem Einsatz neuer
Divisionen vor. Oertliche Erfolge konnte er bei
Apremont und östlich von Cierges erzielen, wo#
er unsere Linie am frühen Morgen bis an den
Wald von Canel und Faye zurückdrückte. Auch
hier sind, wie an der ganzen übrigen Front,
die Angriffe des Feindes unter sehr schweren
Verlusten für ihn in unserem Abwehrseuer, in
zähem Nahlampf und in unseren erfolgreichen
Gegenangriffen gescheitert. Unsere Schlachtftafeln
grifsen den östlich der Aire anstürmenden
Feind mit grosßzem Erfolg an. Bei den gestrides
Feindes zerstört.
on Deutschlands Schicksal
Bist auch Du ein Teil,
Was Du dem Lande tust,
Du tust es Dir zum Seill
Darum zeichne die Neunie!
Unsere dort kämpfenden Truppen
Der Franzose, der auf der
durch
Angriffen
vorbrach, wurde erbittert im Kampfe zurückge
en Kämpfen wurden mehr als 150 Panzerwagen
DProi.: Remigius J 64. Jehrgemn
Die große Materialschlacht.
* Genf, 29. 0. Der Lyoner „Progres"
kienden an, dak es sich bei dem neuen Angriff in
der Champage um eine große Materialschlacht
handele. Der Frontabschnitt eigne sich besonders#zur
Verwendung von Tanks, die keine Bruk.
len zu überschreiten brauchen, da der Angriff
in der Richtung der Flußlaufe erfolgt. Aus einer
Havasfote, die gestern abend eintraf und welche
in gewundener Rede zugesteht, daß die Ueberraschung
nicht geglückt ist, kann man jedoch schließen,
daß auch im fra###sischen Abschnitt die Offensive
schon am ersten Schlachttag als aufgefangen
gelten kam.
———
Die Lage in Bulgarien.
Meldungen, die uber die Lage in Bulgarien
etwas Neues bringen könnten, sind nicht eingetrossen.
Es bestätigt lich. daß König
Ferdinand mit seinen Töchtern auf seinem
Besitztum bei Wien eingetrossen ist. Ebenso
scheint co sich zu bewahrheiten. daß deutsche
Truppen gan spricht von drei Divisionen
— in Sofiaꝰ eingetroffen sind. Sie sollen zur
Besetnzung der bulgarischen Hauptstadt
Verwendung finden. Wenn man neueren
Versicherungen Glauben schenken darf, soll König
Ferdinand für die Aufrechterhaltung des
Bündnisses mit den Mittelmächten sein. Die
Entscheidung der bulgarischen Volksver-[tretung
wird am hrurigen Tage fallen, an
dem bekanmlich die Sobranje zusammentreten
soll. Es wird sich zeigen, inwieweit die bulgarischen
Abgeordneten bereits mit amerikanischem
Gelde befrochen sind. Man hat den Herren
Amerikanern in Sofia ja die Sache leicht
genug gemacht! Die Bedingungen, die die
, Entente den Bulgaren auferlegen will. sind allerdings
für Herrn Malinow nicht ermutigend.
Die Meldungen lauten:
Die entehrenden Bedingung en
der Entente.
* Haag. 29. 9. Reuter meldet aus Londen:
Soll cin Friede mit Bulgarien zustande
kommen, dann int es notwendig, daß d die bul--b
garische Regierung volliändig mit der Türkei,
Deutschland und Oesterreich = Ungarn
bricht. Außerdem muß der Möglichkeit vorgebeugt
werden. daß Deutschland Truppen nach
Vulgarien entiendet.
Bei der Behandlung der bulgarischen Vorschläge
darf nichl aus dem Aune verloren werden,
daß di. Al.üerten nicht die Absicht haben.
eine fofortige Rrulierung auf
dem Ballan vor zur weh#en. Diese Fragen sind
für eine spätere Fri wedenssonfere vorbehalten.
Eine Verwendung des bulgarisch en
Heercs gegen die früheren Bundesgenossen
oder wenigst ens eine völlige Demobilisierung
des Heeres wird gefordert weren.
Zeder vorläufige Vertrag muß die Räumung
aller Gebiete außerhalb Bulgariens u.
derjenigen. die Bulgarfen seit Ausbruch des
Krieges besetzt hat, enthalten.
De utsche Truppen in
empfangen.
zerlin, 29. 9. Nach Pridatmewdungen. die
geitern in Berlin eintrasen, sind in der letzten
Nacht deutsche Truppen in Sofia angekommen
und von der Bevöllkerung mit großem Jubel
empfangen worden. Ueber die wahre Stimmung
im Parlament und in der Bevölkerung liegen
verläßliche Nachrichten nicht vor.
Der bulgarische Abfall.
*. Bern, 28. 9. Nach einer Meldung des
| „Bund“ weilt der frühere bulgarische Ministerpräsident
Geschow, der 1915 ebenso wie Malinomw
mit der Entente statt mit den Zentralmächten
marschieren wollte und der insbesondere
zu England bielt. seit längerer Zeit in
Genf. angeblich in einer Mission, die das
Rote Krerz betrefse. In Wahrheit sei er aber
wohl dahin gegangen, um mit der Entente in
Fühlung zu treten. .Nach der Genfer „Feuille"
sind seit einigen Tagen in Montreur Verbandlungen'
zwischen zwei Franzosen und
zwei Bulgaren im Gange; unter letzteren be-Sofia
jubelnd
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