Full text: Deutsches Kolonialblatt. XXVIII. Jahrgang, 1917. (28)

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In europäischen Siedelungen ist Nachfrage vor- 
handen und können die entsprechenden Preise gezahlt 
werden, nach erstklassigem Fleisch (Nalb= und Schweine- 
fleisch), Milch, Butter, Wurst und Dauerwaren. 
ies kann weder der Eingeborene herstellen noch 
das Steppenvieh liefern, wie aus der Beschreibung 
der afrikanischen Ninderraffen bervorgegangen sein 
dürfte. Für diese Zwecke bedarf es der Einführung 
von europäischen Kulturrindern. Allerdiugs stellen 
diese wertvollen Tiere auch Bedingungen: . 
Freisein der Weiden von stationären Seuchen. 
daher Vorbereitung der in Aussicht genommenen 
Plätze ein Jahr vor der Bestockung durch Einfriedigung. 
Strengste Absonderung der Farm. Eigene einwand- 
freie Tränke. Bewässerungsmöglichkeit der Weide. 
Anbau von Luzerne und Inttes. unter Umständen 
Stallungen. Gute und billige Verbindung zum Ver- 
brauchsort. Die Möglichkeit der tierärztlichen Uber- 
wachung. 
Die zweite, weit wichtigere Tätigkeit des deutschen 
Züchters liegt auf dem Gebiet der Zucht des Woll- 
schafes, des Karakulschafes, des Stranßes, von Pferden, 
Maultieren, Zebroiden 
Die größte Giehugteit ist der Wollschafzucht bei- 
zumessen. Da wir aus bekannten Gründen zu Hause 
Wollschafe in größerem Umfange nicht züchten können, 
müssen wir auf Länder mit billigem Boden und 
extensiver Wirtschaft zurückgreisen und sind so ge- 
zwungen, unser Gold nach Amerila und nach Australien 
zu schicken. Hoffentlich gelingt es durch Erwerbung 
von Hochländern in Mittelafrika diese Gelder in die 
eigene Tasche fließen zu lassen und gleichzeitig einem 
Teil unserer Landslente ein gutes Auskommen in den 
gesunden Hochländern Mittelafrikas zu sichern. 
Da es bis zum Anfang 1913 nur kümmerliche 
Ansätze der Wollschafzucht in Deutsch-Ostafrika gab, 
möchte ich hier das anführen, was ich in dem klima- 
tisch gleichartigen Gebiet der englischen Nachbarkolonie. 
Britisch-Ostafrika, beobachten konnte. Dort macht man 
die Wollschafzucht von folgenden Bedingungen ab- 
bängige 
. Von auten Weidegründen in einer Höbhenlage 
von mindestens 2000 m. 
2. Einer nahen Bahnverbindung mit dem Ausfuhr= 
hafen. 
B. Von genügendem Kapital. 
Die genannte Höhenlage ist erforderlich, da die 
kühlen Nächte der Hochländer den Wollträgern die 
nötige Erholung gewähren. Die Tageshitze kommt 
der Wollerzeugung zugute, weil sie die Talgdrüsen 
sezernieren läßt und damit der Wollstapel gleichmäßig 
eingefettet wird. Ferner sind die Hochsteppen fast frei 
von Zecken, welche in der Ebene die verderblichen 
Blutkrankheiten übertragen, ebenso finden dort Lungen- 
würmer und Leberegel schlechtere Daseinsberechtigung. 
Die Weiden müssen von Dornen frei sein. Löwen 
müssen ausgerottet werden. Gegen nächtliche Angriffe 
von Leoparden ist die Herde geschützt durch einen urch 
Stacheldraht eingegrenzten Schlafplatz. Dieser ist so 
groß, daß sich die Tiere frei bewegen können, sich nicht 
zu berühren brauchen und so die Beschmutzung der 
Bolle tunlichst vermieden wird. Aus diesem Grunde 
sieht man auch von Schutzdächern ab, unter denen sich 
die Schafe zusammendrängen würden. Ist der Platz 
durch Anhäufung von Dung verbraucht, wechselt man 
ihn und verwendet ihn erst nach der Regenzeit wieder. 
Der 2 m hohe Drahtzann trägt 16 bis 18 Stachel- 
drähte, wovon die Hälfte auf das untere Drittel be- 
rechnet ist. vercches der Leopard gern durchkriecht. 
Durch die strategische Bahn nach dem Aiktoria- 
See wurde die Einfuhr der Zuchtschafe nach den Hoch- 
  
  
ländern Britisch-Ostafrilas durch den versenchten Rüsten- 
gürtel hindurch ermöglicht, ihre billigen Frachtsätze 
ermöglichten die Perzinsung der Unternehmen durch 
Beförderung der Wolle. Kapitalkräftige Engländer 
und eine Regierungsmusterfarm begannen, Klein- 
farmer folgten, denen die Erfahrungen und das Zucht- 
material ersterer zu Gebote standen, und die sich durch 
Frachtfahren, Anbau von Getreide guten Nebenverdienst 
zunächst verschaffen lonnten. Die Zucht ging zwei 
* . icGrohmiiiiciiiihueiiherdeiivoiiaustra- 
lischen Merinos ein, trieben also Reinzucht. Der Klein- 
farmer ging an den deutschen Teil des Viltoria- 
Nyansa, kaufte dort zur Steuerzeit Stärken, das Stück 
10 bis 15.4, die er wiederum bei den Massai gegen 
sechs Loidaischafe für die Stärke eintauschte und diese 
dann mit Vollblutmerinorammen krenzte und wieder- 
kreuzte. Rückschläge wurden rücksichtslos ausgemerzt. 
Auf diesen beiden Wegen gelangte man zum selben 
Ziel der Schaffung der von den Engländern so ge- 
schävten und in Wirklichkeit für alle Massen- 
erzeugnisse so außerordentlich wesentlichen — Standard- 
marke ostafrikanischer Wolle, die, wie mir seinerzeit 
der Leiter der Negierungsfarm Naiwasha mitteilte. 
der australischen besten Marke kaum etwas nachgibt. 
In Deutsch- Südwestafrika hat in den letzten Jahren 
an Umfang gewonnen die Zucht des Karakulschafes. 
eines aus Persien stammenden Mischwollschafes. Der 
Hauptwert liegt in der Erzeugung des Krimmert, 
d. i. das Fell des eine Woche alten Lammes. iese 
Fell hat einen Wert von 16.. Halbblutfelle ornprlen 
schon 10.J¼. Das Schaf gilt außerdem als hervor- 
ragendes Fleischschaf, in Persien wird auch die Milch 
zu Käse verarbeitet. Das Karakul verlangt geradezu 
dürftigen Boden, da die Kräuselung des Lammfelles 
sonst nicht sein genug wird. Seine Zucht würde sich 
daher in Tropensteppen emyfehlen. deren Weide für 
Wollschafe nicht ausreichend ist 
Auch die Zucht der ngoroziege, welche das werl- 
volle Mohär liefert, dürfte die gleichen Bedingungen 
erfordern, nur wird sie wie alle Ziegen bebuschtes 
Gelände vorgiehen. Aus eigener Erfahrung kann ich 
darüber nichts berichten. 
Strauße sollte man dort züchten, wo sie wild 
vorkommen oder vorgekommen sind. Sie sind von der 
Höhenlage nicht so abhängig wic die genannten Wieder- 
käuer. Sie verlangen trockenen, kalkhaltigen Boden. 
reichlich frisches Wasser und zwecks Erzeugung absatz- 
fähiger Federn Zufütterung von Luzerne, Kalksalzen 
(Knochen) und, falls notwendig, auch von Kieseln. Von 
starker Zufütterung von Mais und Hirse raten die 
Südafrikaner ab, da die Federn sonst zu grob werden. 
Nach meinen Beobachtungen nehmen wilde Strauße 
gern Blätter von Büschen. In Südafrika ist in der 
roßartigen Herdbuchzucht lberzüchtung eingetreten. 
Ich schreibe dies dem Umstand zu, daß die Vögel in- 
folge der hohen Preise des Stranßenlandes entgegen 
ihren Lebensgewohnheiten auf viel zu kleinem Raum 
gehalten werden, zwei bis drei Vögel auf einen 
halben Hektar. Außerdem konzentrieren sich auf diesem 
Naum die Schädlinge des Straußes: eine Incnia un 
Dungenwürmer, welche die Küken vernichten und auch 
Wachstum der großen Bögel schädige 
Die billigen Böden Mitpraenlas. ürden eine 
naturgemäße Haltung der Strauße erlauben, hierzu 
kommt, daß ihre Zucht nicht von der Bahn abhängig 
ist, da dte wertvollen und leichten Federn die Be- 
förderung auf Negerlöpfen vertragen. Notwendig ist 
auch hier die Aufsiellung guten Zuchtmaterials und die 
sorgfältige Auswahl und Klassifizierung der Federn, 
mit anderen Worten die Erzielung von Standmarken. 
lanimiinh ist es, sich auf die Erzeugung von Luxus-
	        
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