Full text: Deutsches Kolonialblatt. XXVIII. Jahrgang, 1917. (28)

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sedern allein zu stützen, da die Moden der Frauen 
unliebsame Unterbrechungen bereiten können — falls 
wir uns nicht von den Parisern freimachen und auch 
in dieser Beziehung unseren Vorteil im Auge behalten 
könnten. 
Ich möchte hier kurz hinweisen aus die Erzeugung 
einer anderen gern gekauften Feder, der des Ma##bh 
des in den Tropen häufigen Aasvertilgers. Bioher 
wurde diese Feder nur durch Jagd erhalten, bis durch 
Verordnung dem unveinünftigen, der Ausrottung 
gleichkommenden Abschuß gesteuert wurde. Da die 
Bögel leicht zahm werden, wäre zu bedenken, ob nicht 
im Anschluß an Fleischverwertungsunternehmen oder 
Schlachthöfe diese Vögel gehalten oder gar gezüchtet 
werden könnten. Allerdings wird in den Schutzgebieten, 
die wir aus Franzosenhänden zurückerhalten, kein 
Zuchtmaterial mehr zZu erhalten sein. 
Ich habe mich bemüht zu zeigen, wie der selb- 
ständige Deutsche auf mittelafrikanischen Hochsteppen 
einen Wirlungskreis finden kann in der Tierzucht, in 
dem der Eingeborene mit ihm nicht in Wettbewerb zu 
treten vermag, ohne daß anderseits die züchtende Ein- 
geborenenbevölkerung in ihrem Besitz geschmälert wird. 
Abgesehen davon, daß ausgedehnte Hochsteppen vor- 
handen sind, wird auch bei besiedelten Hochsteppen 
eine Ansiedlung von Europäern zwecks Erzielung der 
erwähnten wertvollen Ausfuhrerzeugnisse möglich sein, 
wenn wir einmal energisch gegen die Tsetse vorgehen 
zud damit die Eingeborenen auf die Zone von 1 
#8 2000 m mit ihren Rinderherden verweisen können. 
Nicht allein die Fragen der Hervorbringung von 
Rohstoffen sind für die Besiedlung des Landes mirt 
weißen Farmern maßgebend: der alteingesessene 
Farmer, der seiner Tätigkeit wie seinem Aufenthalts- 
ort zufolge in den gesunden Hochländern länger in der 
Kolonie verweilen kann und muß als der Pflanzer der 
ungesunden Küste und der Oberbeamte, der erst Anfang 
der Dreißiger in die Kolonie kommt und sie nach 12 
bis 15 Jahren wieder verläßt, wäre das gegebene 
Rückgrat des Schutzgebietes. Gegenüber Eingeborenen- 
aufständen wie auch Angriffen europäischer Nationen 
wäre er eine wertvolle Unterstützung der farbigen 
Schutztruppen. 
Fischerei. 
Eine wichtige Quelle der Versorgung des Ein- 
geborenen mit Eiweiß könnte die bessere Ausnutzung 
der Flüsse und des Ozeans bilden unter gleichzeitiger 
Schonung ersterer. Die Süßwasserfischerei wird ge- 
schädigt durch Fischervögel und Krokodile — mehr wohl 
noch durch den Menschen. Weiße fischen oft mit 
Dynamit — in Ostafrika durch Verordnung verboten — 
der Neger schöpft aus Rinnsalen und toten Armen die 
Brut der dort laichenden Fische heraus. Auch ergießen 
die Hanfbereitungsaulagen ungehindert die Sisalabfälle 
in die Flüsse. 
Diesen Schädigungen ist die Seefischerei nicht 
ausgesetzt. Im Kleinbetriebe der Eingeborenenfischerei 
wird nicht nur die Küste -bersorgt, sondern weit ins 
Innere gehen die an der Sonne getrockneten oder an- 
geräucherten Fische, besonders der beliebte Hai. Eine 
durch Europäer betriebene Hochseefischerei würde für 
die Ernährung der schwarzen Bevölkerung Gutes leisten 
und ihnen auch das gewohnte Nahrungsmittel liefern, 
falls aus sanitätspolizeilichen Gründen — wegen 
Schlaftrankheit — das Fischen an den Flüssen verboten 
An eine Verzinsung des Unternehmens wäre 
natür,i, nur zu denken, wenn durch eine größere An- 
zahl von Hilanzungen, Hie Kaufkraft der Bevölkerung 
dauernd sichergestellt# 
Die Grohankage bur Bananenpflanzungen, mit 
der zur Versorgung des deutschen Marktes kurz vor 
  
  
dem Rriege in damerun begonnen wurde, bietet eben- 
falls die Möglichkeit der Ergengung von Fleisch, be- 
sonders von Schweinefleisch, an der fleischarmen. Küste. 
da, wie mir von sachverständiger Seite mitgeteilt 
wurde, ein bedentender Hundertsatz der Früchte wegen 
UÜberreifung für die Ausfuhr fortfällt. Durch Ver- 
bindung einer Schweinezucht mit der tanzung wäre 
einmal die Fleischversorgung der Arbeiter sicherzu- 
stellen, anderseits könnten in einer durch einen Euro- 
päer betriebenen Schlächterei die Siedlungen der 
Weißen und auch die Schiffe mit Räucherwaren und 
Wurst versorgt werden. Allerdings ist, da die Banane 
wenig feste Masse und Eiweiß enthält, dies durch Zu- 
fütterung von Mais, Bohnen oder Hirseschrot zu er- 
jehen, auch wäre, da diese Pflauzungen am Strand 
liegen, der Eiweißmangel durch Zufütterung von See- 
tieren und kleinen Fischen auszuhleichen, die von den 
Schweinen am Ebbestrand selbst ausgenommen werden. 
könnten 
Bedingung wäre, wegen der Finnengefahr die 
Schweine von den Arbeitersiedlungen fernzuhalten 
oder, was auch hygienisch vorteilhafter wäre, einwand- 
freie Aborte für die Arbeiter herzurichten. Soll die 
Ware nach außen Absatz finden, ist natürlich eine 
regelmäßige Beschau ersorderlich. 
In welcher Weise ist nun die Tierzucht, eine der Grund- 
lagen unserer kolonialen Wirtschaft, zu fördern? 
Ich habe mich bemüht, nachzuweisen, eine wie 
wichtige Rolle eine möglichst über das ganze Schun- 
gebiet ausgedehnte Tierzucht unmittelbar für die Ge- 
sundung des Volkes wie mittelbar in ihren Wechsel- 
wirkungen auf die europäischen Unternehmungen der 
Schutzgebiete und auch die Industrie der Heimat zu 
spielen vermag. Für die Unternehmungen der freien 
Farmen werden uns nach dem Kriege erfahrene Leute 
genug zur Verfügung stehen, an denen es bisher 
fehlte, da der Feind viele, die in seinen Kolonien 
Erfahrungen in langjähriger Arbeit gesammelt, von 
ihrem Besitztum vertrieben hat. Was diese Farmer 
brauchen, sind: Hochländer, Bahnen, Zufahrtsstraßen 
und Interesse des deutschen Geldmarktes. 
Viel wesentlicher erscheint mir hier die Frage der 
Erhaltung und größtmöglichen Ausgestaltung der 
Tierzucht der Eingeborenen, die rein Angelegenheit der 
Verwaltung ist. Wir werden bei Rückgabe unserer 
alten Schutzgebiete in Mittelafrika gerade in dieser Be- 
ziehung die größten Schwierigkeiten haben, besonders 
in den von Franzosen besetzten Gebieten. Der Fran- 
zose wird den Raubbau an Menschen und Vieh, den 
er nach meinen Beobachtungen in seinen Kolonien 
treibt, in verstärktem Maße auf die ihm anvertrauten 
deutschen ausdehnen. Ferner konnte ich einwandfrei 
während meiner Gefangenschaft am Niger, durch Uber- 
tragungen die Rinderpest feststellen, welche, von Ni- 
gerien kommend, in Richtung auf Togo, Moshi (West- 
afrika) zog. Nach Verichten aus Kamernnn ist auch dort 
nach den Symptomen die Rinderpest festgestellt worden. 
Die französische Verwaltung hat aus Wanzel an Per- 
sonal nichts gegen die Seuche getan. Es ist nicht un- 
möglich, daß infolge der Truppenzüge das Ostküsten- 
fieber nach Westafrika und die Lungenseuche nach Ost- 
afrika verschleppt ist. 
Die Grundlage der Tierzucht in den Tropen wie 
in der Heimat ist die Seuchenforichung und — 
bekämpfung. Wir nehmen das in der Heimat als 
etwas Ennhswersthndisches hin, weil die stille Arbeit 
des Tierarztes — sei es als Senchenforscher, als be- 
amteter wie als privater Tierarzt — ungs s nicht weiter 
auffällt.
	        
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