Volltext : Das Staatsrecht der Preußischen Monarchie. Zweiter Band. (2)

Grundpflichten  und  Grundrechte.  (8.  53.)  93

welcher  dieselbe  von  dem  Präsidenten  überwiesen  worden,  zu  ersehen  ist.  Bezüglich  des
Inhaltes  von  Petitionen,  welche  sich  auf  die  einer  Kommission  oder  einmaliger  Schlußberatung
  überwiesenen  Angelegenheiten  beziehen,  hat  der  Berichterstatter  dem  Hause  bei
der  Generaldiskussion,  oder  wenn  die  Petitionen  bestimmte  Paragraphen  betreffen,  bei
diesen  Bericht  zu  erstatten.  Dasselbe  findet  auch  bei  den  Kommissionsberatungen  und
bei  den  ersten  und  zweiten  Beratungen  im  Hause  statt.  Für  erstere  hat  der  Präsident
einen  besonderen  Referenten  zu  ernennen.  Über  die  übrigen  Petitionen  wird  von  den
Kommissionen,  welche  mit  deren  Beratung  betraut  sind,  durch  zu  bestellende  Berichterstatter
dem  Hause  Bericht  erstattet  (§.  28  der  Geschäftsordnung).  Petitionen,  welche  nach  dem
einstimmigen  Urteil  der  mit  deren  Vorberatung  betrauten  Kommission  sich  zur  Beratung
im  Plenum  nicht  eignen,  werden  in  dem  Berichte  der  Kommission  unter  kurzer  Angabe
des  Petitums  und  mit  dem  Antrage,  dieselben  ohne  Diskussion  für  erledigt  zu  erachten,
angeführt.  Dieser  Antrag  gilt  durch  das  Haus  für  alle  diejenigen  Petitionen  als  genehmigt,
  hinsichtlich  deren  von  keinem  Mitgliede  in  der  zur  Erledigung  bestimmten  Plenarsitzung
  ein  Antrag  auf  Erörterung  gestellt  wird.  Uber  Petitionen,  deren  Erörterung  beantragt
  ist,  hat  die  Kommission  Bericht  zu  erstatten.  Petitionen  ohne  Unterschrift,  sowie
Petitionen  unter  einem  Gesamtnamen,  welche  nicht  von  Behörden  oder  Korporationen
ausgehen  (Verfassungsurkunde  Art.  32),  werden  unerörtert  zurückgelegt;  dem  Hause  wird
jedoch  eine  kurze  Mitteilung  darüber  gemacht  (§.  29  der  Geschäftsordnung).  Den  Petenten
wird  die  auf  ihre  Beschwerde  oder  Petition  getroffene  Entscheidung  durch  auszufüllende
Formulare  mitgeteilt  (§.  30  der  Geschäftsordnung).

2.  Nach  der  Geschäftsordnung  des  Hauses  der  Abgeordneten  wird  der  Inhalt  der
eingehenden  Petitionen  von  der  Petitionskommission  allwöchentlich  durch  eine  in  tabellarischer
  Form  zu  fertigende  Zusammenstellung  zur  Kenntnis  der  einzelnen  Mitglieder  des
Hauses  gebracht.  Zur  weiteren  Erörterung  im  Hause  gelangen  nur  diejenigen  Petitionen,
bei  welchen  auf  solche  Erörterung  entweder  von  der  Kommission  oder  von  15  Mitgliedern
des  Hauses  angetragen  wird.  Im  letzteren  Falle  gehen  die  Petitionen  an  die  Kommission
zur  Berichterstattung  zurück.  Geht  der  Antrag  von  der  Kommission  aus,  so  hat  sie  über
die  von  ihr  zur  Diskussion  verwiesene  Petition  einen  Bericht  zu  erstatten;  geht  der  Antrag
  von  Mitgliedern  des  Hauses  aus,  und  ist  weder  eine  Vorberatung  im  Hause  noch
Schlußberatung  ohne  Vorberatung  beschlossen,  so  wird  derselbe  der  Petitionskommission
zur  Berichterstattung  über  die  bezeichnete  Petition  überwiesen.  In  gleicher  Art  werden
von  den  Fachkommissionen  oder  den  für  besondere  Vorlagen  gewählten  Kommissionen  die
ihnen  zugewiesenen  Petitionen  behandelt.  Ein  Bescheid  des  Hauses  muß  jedenfalls  erfolgen
  (§.  29  der  Geschäftsordnung).1  ·

III.  Wenn  dasjenige  Haus,  an  welches  die  Beschwerde  oder  Petition  gerichtet  ist,
diese  für  begründet  erachtet  und  vermöge  der  ihm  nach  Abs.  3  des  Art.  81  der  Verfassungsurkunde
  zustehenden  Befugnis  den  Ministern  überweist,  so  liegt  darin  zwar  nicht
die  Befugnis,  durch  ein  weiteres  unmittelbares  Eingreifen  seinerseits  die  geforderte  Abhilfe
  oder  Berücksichtigung  herbeizuführen,  indem  die  Verfassung  den  Häusern  des  Landtages
  weder  das  Recht  noch  die  Pflicht  beigelegt  hat,  eine  Kontrolle  darüber  auszuüben,
ob  und  inwieweit  seitens  der  Staatsregierung  den  in  Petitionen  vorgetragenen  Beschwerden
oder  Anträgen  abgeholfen  worden  sei  oder  nicht;  allein  damit  ist  keineswegs  ausgeschlossen,
von  dem  Staatsministerium  demnächst  Auskunft  über  das  von  demselben  auf  Grund  der
Überweisung  der  Petition  Veranlaßte  zu  verlangen.  Das  den  Kammern  im  Absl.  3  des
Art.  81  der  Verfassungsurkunde  beigelegte  Recht,  „von  den  Ministern  Auskunft  über  eingehende
  Beschwerden  zu  verlangen“,  begreift  keineswegs  nur  das  Recht,  von  den  Ministern
eine  Aufklärung  vor  der  Beschlußnahme  über  die  Petition  zu  verlangen,  sondern  es
schließt  auch  das  Recht  in  sich,  von  dem  Ministerium  Auskunft  über  den  infolge  der  be- 



21  Über  die  Abordnung  von  Regierungskom=  Abg.  H.  1860,  Nr.  81,  und  Stenogr.  Ber.  desselben
missarien  zu  den  Kommissionsberatungen  über1860,  Bd.  III,  S.  157)  und  die  Verhandl.  in
Petitionen  vgl.  den  Ber.  der  Kommission  für  die  der  Plenarsit.  des  Abg.  H.  v  28.  Febr.  1860
Geschäftsordnung  v.  21.  Febr.  1860  (Drucks.  des  (Stenogr.  Ber.  1860,  Bd.  1.  S.  308—309).