Rheingebiet. 287
getrennt, gab daher seit uralten Zeiten eine Hauptverkehrsstraße von Osten nach
Westen, vom Ries in die Neckargegend; gleich wie das Filsthal eine uralte Gasse
gegen Südosten an die Donau (Ulm) eröffnete. Es ist eines der angenehmsten,
fruchtbarsten, bevölkertsten Thäler des Landes, bis über Schorndorf mit reichem
Weinbau, der sich auch in die reizenden Seitenthäler hinein erstreckt.
Den bedeutendsten Zufluß erhält die Rems von rechts her, durch die aus dem Welz-
heimer Wald vom Spatzenhof am römischen Grenzwall herkommende, oberhalb Schorn-
dorf einmündende Wieslauf; das Wieslauf-oder Wiesenthal, oben mild und romantisch,
wird gegen unten sehr fruchtbar und weinreich. Länge der Wieslauf 27,0 km.
Quenstedt, als er zum erstenmal, im Jahr 1837, das Remsthal betrat, be-
schreibt in „Klar und Wahr“, S. 189, höchst treffend den Eindruck, den ein vom
deutschen Norden Kommender daselbst empfängt. „Auch ich kam aus einem fetten
Lande, wo der Bauer mit silbernen Knöpfen einherstolzirt, und trat an einem sonnigen
Herbsttage durchs Remsthal ein; je mehr ich mich über Schorndorf und Waiblingen
im Schatten der riesigsten Obstbäume dem Neckar näherte, desto weiter streckten sich
die Halden der Weinberge in welligen Linien hinauf; die Keltern links und rechts
aus den geschützten Nebenthälchen mit zahllosen „Mosten“ in den schmucken Orten
gaben den Maßstab von der Fülle, und wenn der Winzer auch nur einen 37ger ein-
heimste, so erfüllten doch Obst und Trebern mit ihrem alkoholischen Dufte weithin
die Lüfte, daß ich mich in einen andern Welttheil versetzt wähnte. Das alles danken
wir der Beschaffenheit des Bodens, welcher durch einen der lieblichsten Bergränder
der Keuperformation, des buntesten aller Schlammgebirge, in malerischen Zügen
umsäumt wird, wo links Asberg und Michelsberg, rechts Rotheberg, Wunnenstein
und Weibertreu so manche historische Erinnerung wecken“.
Mit der Rems verlassen wir auf eine Weile die dem Neckar zuströmenden Alb-
flüsse, denn jetzt schiebt sich als eine große Insel das Berg= und Schluchtengewirr
der „schwäbischen“ Waldberge herein, zahlreiche rüstige Wasser dem Neckarflusse zu-
sendend und auf zwei Seiten, im Osten und Norden, von den letzten und größten,
dem Neckar zuziehenden Albflüssen, von den zwei Schwesterflüssen Kocher und Jagst,
in weiten Bögen durchzogen. Diese Schwesterflüsse durchbrechen die Osthälfte jener
Waldberge und reißen zahlreiche Wasserläufe an sich; die westliche Hälfte aber sendet
ihre Gewässer sofort in den Neckar, so
o) Denvon Buoch herabkommenden bei Poppenweiler einmündenden Zipfelbach.
p) Die Murr;: sie entspringt im Murrhardter Wald bei Vorderwestermurr
454,2 m hoch in starker Quelle, fließt durch Murrhardt und Backnang und unter-
halb Marbach in den Neckar. Ihr Thal hat im oberen Theil hohe, waldige, durch
viele Schluchten zerrissene Gehänge, doch schon vor Backnang, von links das
Weissachthal empfangend, wird es milder und weinbautreibend. Weiter unten
nimmt es von links das schöne, vom Buchenbach durchflossene Winnender-Thal,
worin die Stadt Winnenden liegt, auf, von rechts her das stille waldige Lauterthal
mit Spiegelberg, und kurz vor der Ausmündung in den Neckar das weinreiche mit
Burgen bekrönte Bottwarthal, das die aus den Löwensteiner Bergen zusammen-
rinnende Bottwar durchströmt. Länge der Murr 56,8 km.
a) Die aus den Löwensteiner Bergen kommende Schotzach, die bei Sontheim
oberhalb Heilbronn einmündet.
gf) Die Sulm; sie entspringt in den Löwensteiner Bergen in zwei Quellen,
welche südlich von Löwenstein in der Höhe von 311,2 m zusammenfließen, läuft durch
das Weinsberger Thal und bei Neckarsulm in den Neckar; ihr Thal und ihre vielen
Seitenthäler gehören zu den mildesten und spenden hochgeschätzte Weine.