316 Das Volk.
Von den Juristen der Hochschule sind hervorzuheben: Joh. Sichardt von
Tauberbischofsheim, 1552, gleich ausgezeichnet als Lehrer, Entdecker neuer Rechtsquellen
und als Gutachter, der Pandektist Nikol. Varnbüler aus Lindau, 1519 bis
1604, der ungemein fleißige und belesene Christoph Besold von Tübingen, 1577 bis
1638; ferner, um das Landrecht verdient, die 8 Harpprecht: Johann, v. Walheim,
1560—1639, Ferd. Christoph, von Tübingen, 1650—1714, Christoph Friedrich, von
Tübingen, 1700—1774, Heinrich Bocer von Salzkotten in Westfalen, 1561—1630,
Wolfg. Adam Lauterbach von Schleiz, 1618—1678, Sixt Jak. Kapff von Plüderhausen,
1735—1821; die Staatsrechtslehrer Joh. Jak. Moser von Stuttgart, 1700
bis 1785, Joh. Thom. Scheffer von Schweinfurt, 1679—1770, Gottfr. Dan. Hoffmann
von Tübingen, 1719—1780. Ferner: die Baldung von Gmünd, Kaspar
und Pius Hieronymus, beide in Freiburg im Anfang des 16. Jahrhunderts; Joach.
Münsinger v. Frundeck aus Stuttgart. 1514—1588, in Freiburg; Joh. Phil. Datt
von Eßlingen, 1654—1722; Joh. Gottlieb Breyer von Stuttgart, 1715—1796;
Friedr. Karl v. Moser aus Stuttgart, der geistvolle Publizist, 1723—1798.
In der Medizin sind nur wenige Namen nicht verschollen: Johs. Widmann
von Maichingen, 1 1524, Leonh. Fuchs von Wemding bei Donauwörth, 1501—1566,
Elias Rudolf Camerer von Tübingen, 1641—1695, wogegen die
Mathematik und die Naturwissenschaften in Tübingen und noch
mehr auswärts eine Reihe bedeutender Vertreter aufsweisen: die Astronomen Johs.
Stöffler von Justingen 1452 —1531, Peter Apian von Leisnig in Sachsen, 1495—1552,
Mich. Mästlin von Göppingen, Keplers Lehrer, Wilh. Schickard von Herrenberg,
1592—1635, sämmtlich in Tübingen, und, sie alle überstrahlend, in fremden Diensten
sich verzehrend, Joh. Kepler von Weilerstadt, 1571—1630, dem sich im folgenden
Jahrhundert der Göttinger Tob. Mayer von Marbach, 1723—1762, nicht
unwürdig anreiht; weiter die Botaniker und Geographen Joh. Georg Gmelin von
Tübingen, 1709—1755, und Sam. Gottlieb Gmelin von ebenda, 1744—1774. Als
der bedeutendste deutsche Schriftsteller über Kriegswesen im 16. Jahrhundert ist zu
nennen Leonhard Fronsperger von Ulm, f 1575.
3. Der allgemeine Aufschwung deutscher Wissenschaft und Literatur
im Zeitalter Friedrichs des Großen fand unsere Hochschule klein und
nicht eben reich an überlegenen Kräften. Aber die Jugend wurde vom
Geist der neuen Zeit so lebhaft wie irgendwo erfaßt, und die bevorzugte
Rivalin der Landesuniversität, die Stuttgarter Karlsschule, zog in
kaum zwanzigjährigem Bestehen eine überraschende Menge von Talenten
für alle gelehrten Berufsarten, mit Ausnahme der Theologie, heran.
Wir stellen die wichtigsten Namen aus allen Gebieten für die ganze
Periode der letzten hundert Jahre, mit Uebergehung der noch Lebenden,
in Kürze zusammen.
Theologen. A. Evangelische: Aeltere, supranaturalistische „Tübinger Schules:
Chr. Gottlob Storr von Stuttgart, 1746—1805, Joh. Friedr. Flatt von Tübingen,
1759—1821, Ernst Gottlieb Bengel von Zavelstein, 1769—1826, Joh. Chr. Friedr.
Steudel. von Eßlingen, 1779—1837. Auswärts: Gottlieb Jak. Planck von Nürtingen.
1751—1833, und Joh. Gottfr. Eichhorn von Dörrenzimmern, 1752—1827, beide in
Göttingen, Eberh. Gotlob Paulus von Leonberg, 1761—1851, in Heidelberg.