Full text : Das Königreich Württemberg. Zweiter Band_1. (2)

Wissenschaft.  315

sich  einen  Namen  machten:  der  Tacituserklärer  Andr.  Althamer  von  Brenz,  der  Hebraist
  Johs.  Böschenstein  von  Eßlingen,  1472—1540,  der  Förderer  klassischer  Studien
in  Heidelberg  Dietrich  von  Plieningen,  1520,  der  fruchtbare  und  streitbare  Jakob
Locher  (Philomusus)  von  Ehingen  1471—1528,  die  geistlichen  Gönner  und  Förderer
humanistischer  Arbeiten:  Bernhard  und  Konrad  Adelmann  v.  Adelmannsfelden,
Christof  von  Stadion,  Bischof  von  Augsburg  (1478  wahrscheinlich  in  Schelklingen
geboren),  und  Johannes  Faber  (Heigerlin)  von  Leutkirch,  Bischof  von  Wien,  1478
bis  1541.  Im  weiteren  Verlauf  des  Jahrhunderts  der  Neuerungen  sind  von  Tübinger
  Philologen  zu  nennen:  Joachim  Camerarius  von  Bamberg,  1500  —  1574,
Melchior  Volmar  Roth  von  Rottweil,  1497—1561,  Martin  Crusius  von  Grebern
bei  Bamberg,  1526—1607,  und  sein  berühmterer  Gegner  Nikod.  Frischlin  von
Erzingen-Balingen,  1547—1590.

Historiker  von  Ruf  hat  unser  Zeitraum  nicht  wenige  hervorgebracht.  In
Tübingen  schrieb  Joh.  Nauclerus  von  Justingen,  1510,  „ein  für  seine  Zeit  vortreffliches
  Chronicon,“  Martin  Crusius  (s.  o.)  seine  nachmals  von  Job.  Jakob  Moser
übersetzten  höchst  werthvollen  Annales  Suevici.  Die  Chroniken  der  Stuttgarter
Johannes  Rinmann,  1481—1520,  und  Sebastian  Küng  sind  als  zeitgenössische
Aufzeichnungen  von  Werth.  Von  dem  Ulmer  Deutschordenspriester  Joh.  Böhm,
1537,  haben  wir  eine  schätzbare  Schrift  über  „die  Sitten  aller  Völker".  Der
Arzt  Valerius  Anshelm  von  Rottweil  ist  als  Verfasser  einer  verdienstlichen  Berner
Chronik  bis  1526  und  einer  Weltchronik  bekannt.  Die  Wützburger  Chronik  des
tüchtigen  Lorenz  Fries  von  Mergentheim,  k  um  1530,  ist  eine  der  besten  Geschichtsquellen
  für  den  Bauernkrieg;  ihr  reiht  sich  würdig  an  die  Haller  Chronik  des  Pfarrers
  von  Reinsberg  Joh.  Herolt;  die  Chronik  Joh.  Carions  von  Bietigheim,  1499
bis  1538,  an  welcher  Melanchthon  vielen  Antheil  hatte,  wurde  in  mehrere  Sprachen
übersetzt.  Zweimal  ist  in  unsern  Tagen  die  Zimmerische  Chronik,  das  Werk  der
Grafen  Wilh.  Wernher  v.  Z.  1485—1575  und  Froben  Christoph  1519—1567,  sowie  des
Zimmerischen  Beamten  Johs.  Müller,  k  1601,  herausgegeben  worden.  Ein  ungemein
fruchtbarer  Sammler  war  der  Benediktiner  Gabr.  Bucelin  zu  Weingarten,  1599—1691.
Musterhaft  vollständig  und  zuverlässig  sind  die  von  dem  württ.  Leibarzt  Oswald  Gabelkover
  von  Memmingen,  1539—1616,  aus  dem  Stuttgarter  Archiv  geschöpfte  handschriftliche
  Geschichte  des  wirtembergischen  Fürstenhauses  und  des  Archivars  Christian
  Friedr.  Sattler  von  Stuttgart,  1705—1785.  Geschichte  des  Herzogthums  Württemberg.
  Unter  den  Katholiken  ragen  hervor:  Arsenius  Sulger  im  Kloster  Zwiefalten
  1698,  der  St.  Blasier  Martin  Gerbert  von  Horb,  1720—1793,  der  Weingarter
  Gerhard  Heß  von  Oberstetten  bei  Ochsenhausen,  1731  ff.,  Konrad  Stadelhofer
im  Kl.  Roth  1787;  zur  Klostergeschichte  unentbehrlich  Christoph  Besolds  von  Tübingen,
  1577—1638,  Urkundensammlungen:  Prodromus  vindiciarum  ecclesiast.
Wirt.,  Documenta  rediviva  monasteriorum  praecipuorum  und  Virginum  sacrarum
  monumenta;  noch  immer  viel  benützt  auch  die  hohenlohischen  Geschichtswerke
von  Christ.  Ernst  Hanselmann  von  Weikersheim  1699—1776  und  Joh.  Christ.
Wibel  von  Ernsbach,  1711—72.  Ferner  Narcissus  Schwelin  1660,  Joh.  Peter
Ludewig  von  Honhardt  1670—1743,  Joh.  Ulr.  Pregizer  von  Tübingen  1647—1708,
Joh.  Dan.  Burgemeister  von  Geislingen,  1663—1722,  Ludw.  Melch.  Fischlin  von
Hausen  a.  d.  Z.,  1672—1729,  Joh.  Jak.  Moser  von  Stuttgart,  1701—85,  Joh.
Ulr.  Steinhofer  von  Owen,  1709—57,  Balthasar  Haug  von  Stammheim  bei  Calw,
1731—92.  Auch  die  tüchtigen  Reisewerke  von  Sal.  Schweigger  aus  Sulz,  1551  bis
1622,  und  Stephan  Gerlach  aus  Knittlingen,  1546-—1612,  mögen  hier  genannt
werden.