Full text : das Königreich Württemberg. Dritter Band. (4)

54  Neckarkreis.

Das  Feuerlöschwesen  ist  seit  1852  einer  freiwilligen  Fenerwehr  von  derzeit
1576  Mitgliedern  überlassen.  1879  ist  ein  Feuertelegraph  mit  Centralstation  und
54  Feuermeldstellen  eingerichtet  worden.  Eine  Telephon-Einrichtung  besteht  seit  1882
(s.  II.  1,  864).  Die  Wasserversorgung  ist  in  20  jähriger  Entwicklung  noch  nicht
zu  einem  befriedigenden  Abschluß  gelangt,  sofern  eine  reichliche  Quellwasserzuführung
noch  immer  vermißt  wird.  Auf  das  Neckarwasserwerk,  die  erste  Wasserversorgung
neueren  Systems,  in  einer  für  das  Land  überhaupt  bahnbrechenden  Weise,  auf  Anregung
  und  mit  wesentlicher  Unterstützung  König  Wilhelms  1861,  folgte  ein  neues
Seewasserwerk  und  bessere  Trinkwasserversorgung  durch  Ehmann  1872—75,  worauf
1879  das  Reckarwasserwerk  ganz  in  das  Eigenthum  des  Staats,  das  Seewasserwerk
ganz  an  die  Stadt  übergieng  und  1882  ein  neues  städtisches  Neckarwasserwerk  von
Ehmann  eröffnet  wurde  (vgl.  Die  öffentl.  Wasserversorgung  im  Königreich  Württemberg
  1881  S.  52  ff.  Wasseranalysen  IJsh.  III.  256,  IX.  125,  XI.  126,  XXXIX.
1268.  Vorschlag  von  Dorn  XXXVI.  53  ff.)

Bevölkerung.  Bei  der  Volkszählung  vom  1.  Dezember  1880  ergaben  sich  für

Stuttgart  Stabt...  .  106  441

Berg..  3127

Heelach...  ...  5  426

Gablenberg...  ..  2  309
Zusammen  .  .  .  117  803  E.

(Auf  1.  Juli  1888  wurde  die  Gesammtbevölkerung  zu  2925  mehr,  also  120228
geschätzt,  darunter  ca.  2  850  Kinder  im  ersten  Lebensjahr.)  Aeltere  Zählungen  hatten
ergeben:  um  1400:  4000;  1622:  9  773;  1648  (Ende  des  30jähr.  Kriegs):  4500;
1707:  16  000;  1730  (Residenz  in  Ludwigsburg):  11  380;  1758:  18  145;  1769  (Residenz
  in  Ludwigsburg):  15  151;  1795:  19  510;  1810:  25  000;  1822:  28  444;  1832:
35  021;  1841:  42217;  1852:  50003;  1861:  61  314;  1871:  91623;  1875:  107273.
Hienach  hat  die  Bevölkerung  in  den  28  Jahren  1795—1822  um  45,8  Proz.,  in  den
40  Jahren  1822—61  um  115,5  Proz.  in  den  59  Jahren  1822—80  um  312,8  Proz.
zugenommen,  oder  im  Jahresdurchschnitt  von  1795—1822  um  3,5  Proz.,  von  1822—61
um  2,5  Proz.,  von  1861—80  um  4,9  Proz.  Aber  der  jährliche  Zuwachs  war  in  den
Zählperioden  des  letzten  Vierteljahrhunderts  ein  sehr  verschiedener;  er  betrug
von  1852—5  5  prno  mille

„  1856—5  22pe6,  „  „
„  1859-—11  287  „  „
„  1862—2s4t  458  „  „
„  1865—67..  3894  „  „
„  1868.—1)  P5P09  „  „
„  1872—55  4006  „  „
1876—80  16.7

Und  die  Vermehrung  ist  in  den  verschiedenen  Zeitabschnitten  auf  verschiedene  Weise
entstanden.  In  den  Jahren  1856—58  belief  sich  der  Jahreszuwachs  durch  Ueberschuß
der  Geborenen  über  die  Gestorbenen  auf  4,8  pro  mille,  der  durch  Einwanderung  auf
92,1  pro  wille,  während  1876—80  das  Wachsthum  durch  Geburtenüberschuß  15,1,
durch  Einwanderung  nur  1,6  pro  mille  beträgt.  —  Die  Bevölkerung  bildet  5,95  Proz.
derjenigen  des  Königreichs,  das  Areal  nur  0,15  Proz.

Die  Zusammensetzung  der  Bevölkerung  nach  Geschlecht,  Alter,  Familienstand,
Heimat  ist  bei  der  Stärke  des  fluktuirenden  Elements  von  Soldaten  (1880:  3  642),
Dienstboten,  Arbeitern,  Schülern,  Strafgefangenen  2c.  eine  wesentlich  andere  als  in
den  übrigen  Bezirken  des  Landes.  Auf  100  männl.  E.  kommen  im  Königreich  107