machen: denn das wußte man wohl: Napoleon, welchen man
hundertfünfzig Meilen Slucht durch deutsche Grenzen in einem
einsamen Schlitten unbeschädigt hatte entrinnen lassen, werde
daheim nicht schlummern und schlafen, der gewaltige Löwe
werde seine Stimme in den deutschen Wäldern schon wieder
ertönen lassen. Stein träumte, wußte, dachte Tag und
Uacht nichts anderes als Erhebung und Kufstand des ganzen
deutschen Dolks gegen den bösesten Feind, als baldigstes
Bündnis zwischen Kaiser Klexander und König Sriedrich
Wilhelm und dann geschwindesten Marsch über Weichsel und
Oder zur Elbe und zum Rhein.
hier in Königsberg öffnete sich nun der Kufang des
künftigen deutschen volkskriegs, hier sahen alle deutschen
Hoffnungen auf die Gerüchte von Uapoleons Unglück und
Steins Ankunft in Preußens GErenzen.
In Hreußen wollte und mußte Stein mit seiner Begeisterung
die Dinge mit der Blitzgeschwindigkeit seiner Uatur
anfassen und treiben und fortstoßen, und zwar in einer untröstlichen
LCage. Klles lag, ging und lief hier ja gegenund
durcheinander, preußische, russische Kriegsscharen, weder
Freund noch Heind, durcheinander gemischt, der Befehlshaber
der preußischen Scharen, General Norck, als Derräter und
AKufrührer von seinem kKönige geächtet — man wußte nicht,
ob bloß aus diplomatischem Schein oder aus Meinung der
Tat — das Cand selbst durch die heereszüge seit dem Frühling
des Jahres 1812 von dem tückischen, welschen Feinde geplündert,
verwüstet, erschöpft; doch mußten, wenn der deutsche
Knfang hier wirklich ein tüchtiger Knfang werden sollte,
Mittel und Kräfte an Menschen und Geld gefunden werden.
Stein hatte in Gumbinnen diese Angelegenheiten mit
Schön vielfältiglich verhandelt und durchgesprochen, jetzt kam
es an den hauptsitz der preußischen Regierung und an ihren
Oberpräsidenten, den Landhofmeister von ZKuerswald, der
zu gleicher Seit Schöns Schwäher war. Dieser mußte, wenn
die Dinge hier zu einer Gemeinsamkeit zwischen Rußland
und Hreußen kommen sollten, mit Mund und Tat voranschreiten.
Stein fand nun den Oberpräsidenten nicht so ge-53