Zustand der eroberten Stadt. 157
so werden sie im deutschen Vaterhause schon wieder erwarmen und
werden lieber kräftige, blühende Glieder des großen, markigen, lebensfrischen
deutschen Volkes als Anhängsel des faulenden Leichnams
Frankreich sein wollen.
Als die ersten deutschen Regimenter in die Stadt einrückten, trug
sie noch ganz das schreckliche Aussehen, welches der Schrecken und
die Gefahren der Beschießung ihr verliehen hatten. Die Porte Nationale
mit ihren festen Thorthürmen war ein Trümmerhaufe, und
von hier aus reihte eine Ruine sich an die andere, so weit das Auge
reichte. Die dampfenden Trümmer erfüllten die Luft mit widerlichem
Brandgeruch, öde und wie ausgestorben waren die Stadttheile, welche
am meisten gelitten hatten, kein Haus war mehr bewohnbar. Im
Mittelpunkte der Stadt und auf der Südseite sah es weniger schrecklich
aus, aber auch hier fand man die Spuren der Brandgeschosse, hier
und da zeigte sich ein niedergebranntes Haus, von einer Granate
waren Pfeiler fortgerissen oder Fenster zertrümmert, Dächer abgedeckt.
An die Seitenwände der Häuser hatte man Bretter gestellt, oder die
Fenster und Thüren mit Brettern überkleidet, um die Sprengstücke
abzuhalten.
Die Einwohner hatten zum größten Theil ihre Wohnungen in
den Kellern aufgeschlagen, und die Kellerlöcher mit Misthaufen oder
mit Sandsäcken verdeckt. Sie hatten eine Gefangenschaft voller Angst
und Entbehrung in diesen dumpfigen Wohnungen auszuhalten.
Jetzt kamen sie wieder hervor aus ihren Verstecken, sie fingen
wieder an ihre Wohnungen einzurichten und den Schaden auszubessern
— wenn das noch möglich war. Denn so mancher Familie war das
Haus völlig bis auf den Grund zerstört, besonders die weiße Thurmstraße,
die Brogliegasse, die Steinstraße, die Münstergasse lagen fast
ganz in Ruinen. Das Münster hat sehr wenig gelitten, ein Theil
des Daches war abgebrannt, einige Thürmchen und Ornamente waren
zerschlagen und ihre Trümmer auf dem Platze umhergestreut. Der
Schaden war mit leichter Mühe herzustellen.
Der Schaden, welcher durch die Beschießung der Stadt allein
an Immobilien verursacht war, wurde auf 85 Millionen Franks abgeschätzt,
von Zivilpersonen waren 299, meist Frauen und Kinder,