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Drohungen an seinem Staate zuerst verwirklichen könnten, und vor dem Zorne
des Kaisers Napolcon, der, wenn er durch nene Siege die Macht wiedererlangt
hätte, seinen Abfall streng geahndet haben würde. Schlecht beraten,
faßte der schwache Fürst in seiner schwierigen Lage den denkbar schlechtesten
Entschluß. Er packte die Schätze des „grünen Gewölbes“ ein, verließ mit ihnen
sein Land (28. März) und ging nach Regensburg (30. März); von da begab
er sich (20. April) nach Linz, dann nach Prag unter den Schutz der österreichischen
Politik, die ebenfalls auf Zuwarten und Zaudern hinauslief; er vereinigte
seine Truppen unter dem Generallieutenant von Thielmann bei der
Festung Torgau und befahl, diese sowic seine Bergfestung Königstein sowohl
den Verbündeten, als den Franzosen zu schließen. Unterdessen war Blücher
mit seinem preußischen Corps (bereits am 30. März) in Dresden eingerückt
und nach wenigen Tagen (3. April) über Freiberg und Chemnitz in die Gegend
von Altenburg weitermarschiert. Die verbündeten Monarchen hielten am
24. April an der Spitze der russischen Garden unter dem Jubel des Volkes
ihren Einzug in die sächsische Hauptstadt. Sie nahmen noch immer Anstand,
die Drohungen der Proklamation von Kalisch auf Sachsen in Anwendung zu
bringen in der Hoffnung, daß König Friedrich August sich endlich doch aus
freien Stücken ihrem Bündnisse anschließen würde. König Friedrich Wilhelm
ließ ihm durch einen außerordentlichen Gesandten, den Generalmajor von Heister,
die dringende Frage stellen, ob er „ein Widersacher der edelsten Sache“ bleiben
wolle; er erhielt nur ausweichende und nichtssagende Antworten. So ließ
Sachsen einen von den wenigen Angenblicken, in denen es auch einem kleinen
deutschen Staate vergönnt ist, einen bedeutsamen Einfluß auf die Geschicke des
deutschen Gesamtvaterlandes zu üben, ungenützt vorübergehen und trug selbst
die Schuld, wenn seitdem durch eine Politik, welche mehr durch dynastische Rücksichten,
als durch das gemeinsame nationale Interesse und die Grundsätze der
Gerechtigkeit und der nationalen Ehre bestimmt ward, sein Ansehen in Deutschland
mehr und mehr sank. So sehr befestigt hatte sich das napoleonische
System bereits in Deutschland, daß deutsche Fürsten ihre Pflichten gegen das
gemeinsame Vaterland vergaßen, um nnr die eigennützigen Interessen ihres
Hauses und ihrer Krone durch den Anschluß an den fremden Machthaber in
Sicherheit zu bringen. Die Verbündeten hatten nur noch ein Mittel, um sie
auf der Bahn der Ehre für die von Preußen geführte nationale Sache fortzureißen,
— das waren siegreiche Schlachten gegen den fremden Zwingherrn.
General Wittgenstein war nach dem siegreichen Gefecht bei Möckern mit
seiner Hceresabteilung bei Roslan über die Elbe gegangen und hatte darauf
seinen Marsch in südlicher Richtung durch das Anhaltische fortgesetzt, um sich
dem Corps Blüchers zu nähern, das am 14. April bei Altenburg eintraf,
während die russische Hauptarmee um diese Zeit erst die Oder erreicht hatte.