Full text : Die Hohenzollern und das Reich. Band 3. (3)

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Drohungen  an  seinem  Staate  zuerst  verwirklichen  könnten,  und  vor  dem  Zorne
des  Kaisers  Napolcon,  der,  wenn  er  durch  nene  Siege  die  Macht  wiedererlangt
  hätte,  seinen  Abfall  streng  geahndet  haben  würde.  Schlecht  beraten,
faßte  der  schwache  Fürst  in  seiner  schwierigen  Lage  den  denkbar  schlechtesten
Entschluß.  Er  packte  die  Schätze  des  „grünen  Gewölbes“  ein,  verließ  mit  ihnen
sein  Land  (28.  März)  und  ging  nach  Regensburg  (30.  März);  von  da  begab
er  sich  (20.  April)  nach  Linz,  dann  nach  Prag  unter  den  Schutz  der  österreichischen
  Politik,  die  ebenfalls  auf  Zuwarten  und  Zaudern  hinauslief;  er  vereinigte
  seine  Truppen  unter  dem  Generallieutenant  von  Thielmann  bei  der
Festung  Torgau  und  befahl,  diese  sowic  seine  Bergfestung  Königstein  sowohl
den  Verbündeten,  als  den  Franzosen  zu  schließen.  Unterdessen  war  Blücher
mit  seinem  preußischen  Corps  (bereits  am  30.  März)  in  Dresden  eingerückt
und  nach  wenigen  Tagen  (3.  April)  über  Freiberg  und  Chemnitz  in  die  Gegend
von  Altenburg  weitermarschiert.  Die  verbündeten  Monarchen  hielten  am
24.  April  an  der  Spitze  der  russischen  Garden  unter  dem  Jubel  des  Volkes
ihren  Einzug  in  die  sächsische  Hauptstadt.  Sie  nahmen  noch  immer  Anstand,
die  Drohungen  der  Proklamation  von  Kalisch  auf  Sachsen  in  Anwendung  zu
bringen  in  der  Hoffnung,  daß  König  Friedrich  August  sich  endlich  doch  aus
freien  Stücken  ihrem  Bündnisse  anschließen  würde.  König  Friedrich  Wilhelm
ließ  ihm  durch  einen  außerordentlichen  Gesandten,  den  Generalmajor  von  Heister,
die  dringende  Frage  stellen,  ob  er  „ein  Widersacher  der  edelsten  Sache“  bleiben
wolle;  er  erhielt  nur  ausweichende  und  nichtssagende  Antworten.  So  ließ
Sachsen  einen  von  den  wenigen  Angenblicken,  in  denen  es  auch  einem  kleinen
deutschen  Staate  vergönnt  ist,  einen  bedeutsamen  Einfluß  auf  die  Geschicke  des
deutschen  Gesamtvaterlandes  zu  üben,  ungenützt  vorübergehen  und  trug  selbst
die  Schuld,  wenn  seitdem  durch  eine  Politik,  welche  mehr  durch  dynastische  Rücksichten,
  als  durch  das  gemeinsame  nationale  Interesse  und  die  Grundsätze  der
Gerechtigkeit  und  der  nationalen  Ehre  bestimmt  ward,  sein  Ansehen  in  Deutschland
  mehr  und  mehr  sank.  So  sehr  befestigt  hatte  sich  das  napoleonische
System  bereits  in  Deutschland,  daß  deutsche  Fürsten  ihre  Pflichten  gegen  das
gemeinsame  Vaterland  vergaßen,  um  nnr  die  eigennützigen  Interessen  ihres
Hauses  und  ihrer  Krone  durch  den  Anschluß  an  den  fremden  Machthaber  in
Sicherheit  zu  bringen.  Die  Verbündeten  hatten  nur  noch  ein  Mittel,  um  sie
auf  der  Bahn  der  Ehre  für  die  von  Preußen  geführte  nationale  Sache  fortzureißen,
  —  das  waren  siegreiche  Schlachten  gegen  den  fremden  Zwingherrn.

General  Wittgenstein  war  nach  dem  siegreichen  Gefecht  bei  Möckern  mit
seiner  Hceresabteilung  bei  Roslan  über  die  Elbe  gegangen  und  hatte  darauf
seinen  Marsch  in  südlicher  Richtung  durch  das  Anhaltische  fortgesetzt,  um  sich
dem  Corps  Blüchers  zu  nähern,  das  am  14.  April  bei  Altenburg  eintraf,
während  die  russische  Hauptarmee  um  diese  Zeit  erst  die  Oder  erreicht  hatte.