Full text : Fabrikschulen.

Kosten  und  Nutzen.  139

welchen  einzig  dastehenden  Aufschwung  Deutschland  zur  Weltmacht
und  zum  Industriestaat  erster  Größe  in  den  folgenden  vierzig  Jahren
nehmen  würde.  Diese  vier  Jahrzehnte  haben  einen  völligen  Umschwung
in  der  Lebenshaltung  unseres  Volkes  herbeigeführt.  Eine  Völkerwanderung,
  umfangreicher  als  die  historische,  fand  statt  und  dauert  noch  an.
Aber  es  ist  nicht  mehr  wiein  den  ersten  Jahrzehnten  des  19.  Jahrhunderts
eine  Auswanderung  nach  fremden  Erdteilen,  die  unsere  Volkskraft
schwächt  und  dem  Deutschtum  Hunderttausende  auf  immer  verloren
gehen  läßt,  sondern  es  ist  eine  Abwanderung,  die  sich  im  Innern  des
Reichsgebietes  abspielt,  eine  Abwanderung  vom  platten  Lande  nach
den  industrie-  und  gewerbereichen  Städten,  die  gerade  die  intelligentesten
und  tüchtigsten  Elemente  unwiderstehlich  anziehen.  Es  gilt  nun,  der
erfreulicherweise  jährlich  fast  um  eine  Million  steigenden  Bevölkerung,
deren  Wachstum  am  besten  die  ungebrochene  Jugendfrische  unseres
Volkes  beweist,  eine  Bildung  zu  verschaffen,  die  Deutschland  in  den
Stand  setzt,  der  stetig  heftiger  werdenden  ausländischen  Konkurrenz
die  Spitze  zu  bieten,  wenn  irgend  möglich,  dieselbe  sogar  zu  überflügeln.
In  einigen  Fällen,  z.  B.  auf  dem  Gebiete  des  Maschinenbaues,  ist  uns  dies
bereits  geglückt,  andere  Berufszweige  müssen  nachfolgen,  denn  wenn
auch  unsere  Kolonien  allmählich  einen  Teil  der  daheim  überschüssigen
Volksmengen  aufzunehmen  vermögen,  so  reichen  dieselben  doch  nicht
aus,  den  künftigen  Generationen  einen  guten  Nährboden  zu  geben;  die
Heimat  wird  vielmehr  immer  noch  selbst  für  neue  und  bessere  Existenzbedingungen
  desNachwuchses  Sorge  zu  tragen  haben.  Die  Landwirtschaft
ist  hierzu  schon  seit  langem  nicht  mehr  imstande,  die  Aufgabe  ruht  einzig
und  allein  auf  den  Schultern  von  Industrie,  Gewerbe  und  Handel,  aufihren
Schultern  ruht  die  deutsche  Zukunft,  Deutschlands  Glück.

Da  ist  es  einfach  die  Pflicht  eines  jeden  Einsichtigen,  nach  seinen
Kräften  daran  mitzuwirken,  daß  der  geistigen  Verödung  der  Massen,
die  Ende  des  vorigen  Jahrhunderts  einzureißen  drohte,  machtvoll  gesteuert
  werde.  Nur  eine  gebildete  Bevölkerung  kann  auf  die  Dauer
die  Überlegenheit  Deutschlands  gewährleisten,  nur  eine  solche  kann  auf
die  Dauer  Freude  an  ihrer  Arbeit  finden,  und  nur  die  Arbeitsfreudigkeit
wiederum  ist  es,  die  das  Staatsgebilde,  dem  der  Einzelne  die  Vorbedingungen
  zu  ruhigem  Wirken  verdankt,  schätzen  lehrt.  Entlassen  wir
unsere  Jugend  mit  14  Jahren,  völlig  unreif,  aus  unserer  Obhut,  so  wird
sie  gar  zu  leicht  zu  Zerstörern,  nicht  aber,  wie  wir  dies  als  national  empfindende
  Männer  kategorisch  fordern  müssen,  zu  Erhaltern  und  Aufbauern.
  Wissen  muß  die  Jugend,  was  ihr  der  Staat  ist,  was  sie  ohne  ihn
sein  würde;  ein  glühendes  Erfassen  der  engen  Wechselbeziehungen,
die  zwischen  allen  Ständen  bestehen,  ist  nötig.  Versteht  die  heranwachsende
  Generation  das  eine,  nämlich  wie  es  früher  bei  uns  aussah,