Full text : Erinnerungen des Kronprinzen Wilhelm.

bahnverhältnisse:  Querverbindungen  seien  dort  nicht  vor—
handen  und  somit  die  Verschiebung  von  Reserven  hinter
der  Front  und  von  einem  Flügel  zum  anderen  erschwert
und  verlangsamt.

Wir  waren  demgegenüber  der  Ansicht,  daß  eine  Zu—
rücknahme  der  Front  nicht  zu  vermeiden  und  daß  es
besser  sei,  mit  kampffähigen  Truppen  zurückzugehen,
als  so  lange  zu  warten,  bis  die  Truppen  ausgebrannt
seien.  Die  Politik  müsse  vor  der  militärischen  Not—
wendigkeit,  sich  ein  schlagkräftiges  Heer  zu  erhalten,
zurücktreten.  Mit  dem  Verluste  des  Kriegsmaterials
müsse  man  sich  ebenso  abfinden  wie  mit  den  ungünstigen
Verbindungen  hinter  der  Antwerpen—Maas-Stellung.
Zurück  müßken  wir  doch,  dann  besser  rechtzeitig  als  zu
spät.  —

Für  die  Heimak  wünschten  wir  eine  energische,  rücksichkslos
  durchgreifende  Führung.  Diktatur,  Unterdrükkung
  aller  revolutionären  Umtriebe.  Exemplarische  Bestrafung
  der  Deserteure  und  Drückeberger,  Milikarisierung
  der  Rüstungsbekriebe,  Ausweisung  zweifelhafter
Ausländer  und  anderes  mehr.

Aber  unsere  Vorschläge  und  Warnunger  blieben  ohne
jeden  Erfolg.  So  wußken  wir,  was  kommen  würde.

Bald  genug  standen  wir  denn  auch  inmitten  der  Zerletzung,
  die  an  unseren  Kräften  fraß,  mußken  mit  offenen,
erkennenden  Augen  das  Unheil  unenkrinnbar  und  mit
jedem  Tage  rascher,  gieriger  sich  näher  schieben  sehen
bis  zum  Ende.

Jene  Zeik  ist  für  mich  die  kraurigste  meines  ganzen
Lebens,  wenn  ich  zurückblicke  und  vergleiche:  krauriger
  sogar  als  die  kritischen  Monate  vor  Verdun  und

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