Full text : Erinnerungen des Kronprinzen Wilhelm.

im  Verlustfalle  die  euglische  Seeherrschaft  als  Ganzes
in  Frage  gestellt  würde.  Der  grundsätzlichen  Idealität
dieses  defenswen  Gedankens  habe  ich  mich  nicht  ver—
schlossen,  in  Berücksichtigung  unserer  politischen  und  wirkschaftlichen
  Lage  aber  schien  er  mir  in  dieser  Form,  die
uns  allein  zum  großen  Abwehrrivalen  Englands  zur
See  aufrüsten  wollte,  nicht  bis  zum  Ende  durchführbar.
Ich  stand  vielmehr  auf  dem  Stkandpunkk,  daß  der  „Risikogedanke"
  nur  dann  gesund  und  stark  zu  einer  kaksächlichen
Kräftebalance  zur  See  ausreifen  könne,  wenn  das  gegen
England  gedachte  Gegengewichk  von  uns  gemeinsam  mit
einer  verbündeken  Großmachk  getragen  würde,  deren
Landstreitkräfte  damit  für  keine  gegnerische  Kombinaktion
in  Bekracht  kamen,  deren  Flotte  aber  als  Addend  neben
unserer  eigenen  Flokke  eine  Kräflesumme  von  jener  angestrebten,
  Achkung  und  Zurückhalkung  gebiekenden  Höhe
ergeben  würde.  Auf  diesem  Wege  konnte,  wenn  er  sich
irgendwie  als  gangbar  erwies,  nichk  nur  eine  außerordenkliche
  Erleichterung  unserer  marilimen  Rüstungslast  herbeigeführk,
  es  konnke  so  auch  leichter  der  große  Gefahrpunkt
  des  ganzen  Problems:  die  Erstickung  unserer  Kräfte
zur  See  vor  Erreichung  des  Zieles,  überwunden  werden.
  Denn  diese  Ansicht  habe  ich  schon  damals  klar  verkreken
  und  später  immer  wieder  zum  Ausdruck  gebracht:
daß  die  Engländer  das  volle  Ausreifen  unseres  Risikogedankens
  garnichk  erst  abwarken,  sondern  ihre  Politik
folgerichtig  forksetzen  und  unsere  von  ihnen  mik  dem
größten  Mißkrauen  beobachkeke  Flokte  vernichten  würden,
  ehe  sie  sich  zu  dem  ihnen  ebenbürtigen  oder  im
Sinne  der  Risikotheorie  gefährlichen  Gegner  entwickeln
konnke.

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